Hamburg

Container per Mausklick: Kommen die Amazon-Schiffe?

Blick auf Container-Terminal des Hamburger Hafens (Archiv)

Blick auf Container-Terminal des Hamburger Hafens (Archiv)

Foto: dpa

Deutsche Reeder erwarten, dass die Digitalisierung die Schifffahrt radikal verändern wird. Es droht verschärfter Wettbewerb.

Hamburg.  In der Reisebranche ist dies seit vielen Jahren üblich: Im Internet wählt sich der Kunde ein Urlaubsziel aus, stellt Flüge und Hotel selbst zusammen oder bucht einen Pauschaltrip. Die Schifffahrt hinkt da hinterher – noch. Denn laut einer Studie der Unternehmensberatung PwC erwarten 84 Prozent von 105 befragten deutschen Reedern und Transporteuren, dass es nicht mehr lange dauern wird, bis die Schiffstransporte über Internetportale bestellt werden. Der Container per Mausklick ist auf dem Vormarsch.

Für die Kunden ergäben sich daraus deutliche Vorteile, sagt Claus Brandt, Leiter des Kompetenzzentrums Maritime Wirtschaft bei PwC. So geben sie ihre Daten direkt in ein Portal ein, ohne zum Hörer zu greifen oder eine E-Mail zu schreiben. Das spart Zeit. Zudem bekommen sie gleich zu sehen, ob auf dem gewünschten Schiff ein Platz für die Box frei ist, und sehen den Transportpreis. Die Technik sei aus der Touristik längst da, müsse nur auf die Branche angepasst werden, sagt Brandt: „Die Entwicklung wird unaufhaltsam sein.“

Ende der Schifffahrtskrise?

Die deutliche Mehrheit der Topentscheider erwartet, dass die Digitalisierung die Schifffahrt radikal verändern oder zumindest zu Neuerungen führen wird. Nur 16 Prozent halten das Thema für überbewertet. Jeder Fünfte will mittelfristig eine eigene Tracking-App betreiben, bei der per GPS-Signal – wie bei einer Paketsendung – der Aufenthaltsort des Containers bestimmt werden kann. Neue Geschäftsfelder wollen 71 Prozent der Befragten sicher erschließen, 14 Prozent erwägen dies. Der Verband Deutscher Reeder (VDR) sieht in der hohen Veränderungsbereitschaft einen Beleg für die Vitalität der Branche. „Deutsche Reedereien positionieren sich immer stärker als hochwertige Dienstleister“, sagt Ralf Nagel, geschäftsführendes Präsidiumsmitglied.

Allerdings droht den Reedern ein verschärfter Wettbewerb. Jeder Vierte hält es für sicher oder wahrscheinlich, dass globale Player wie der Internet­gigant Google oder das Onlinekaufhaus Amazon zukünftig selber Schiffe betreiben werden. Das ist gut eine Verdoppelung des Anteils im Vergleich zur Umfrage 2016. Brandt: „Amazon hat ein Wahnsinnsnachfragepotenzial entwickelt.“ Da stelle sich früher oder später die Frage, ob die Firma die Pakete nicht mit ihren eigenen Lastwagen, Flugzeugen und Schiffen transportieren will. Für sehr sicher hält Brandt auch, dass autonom fahrende Schiffe kommen. Chinesische und amerikanische Werften könnten Anfang der 2020er-Jahre mit den Bauarbeiten starten. Brandt: „Es ist nur noch eine Frage der Zeitschiene: Sind es fünf oder zehn Jahre?“

Steigendes Ladungsaufkommen erwartet

Leichten Optimismus gibt es, dass die zehnjährige Schifffahrtskrise bald vorbei sein könnte. 71 Prozent erwarten in den nächsten fünf Jahren ein steigendes Ladungsaufkommen. Für die kommenden zwölf Monate rechnen sechs von zehn Firmen mit höheren Erlösen. Das ist der beste Wert seit 2011. Vor einem Jahr waren es nur 35 Prozent. Bei den Frachtraten (den Transportpreisen für Container) erwarten 43 Prozent einen Anstieg binnen zwölf Monaten – plus vier Prozentpunkte. Brandt wertet dies als „gute Zeichen für die krisengeprüfte Schifffahrtsbranche“.