Schifffahrt

Katar-Krise trifft Hamburger Reederei Hapag-Lloyd

Neue Probleme für Hapag-Lloyd-Chef
Rolf Habben Jansen

Neue Probleme für Hapag-Lloyd-Chef Rolf Habben Jansen

Foto: Marcelo Hernandez / HA

Emirat ist Kernaktionär der Reederei. Schiffe die unter der Flagge von Katar fahren, dürfen saudische Häfen nicht mehr anlaufen.

Hamburg.  Die Wirtschaftswelt dreht sich immer schneller: Als Hamburgs Traditionsreederei Hapag-Lloyd vor zwei Wochen den Zusammenschluss mit dem arabischen Konkurrenten United Arab Shipping Company (UASC) feierte, lobten viele Schifffahrtsexperten den Schritt als richtig, damit beide Firmen im harten Wettbewerb in der Containerschifffahrt überleben können. Nun stellt sich allerdings heraus, dass das Geschäft auch Probleme mit sich bringen kann, denn die Eigentümer von UASC sind sich im Moment spinnefeind.

Es geht um das Emirat Katar und Saudi-Arabien. Das arabische Königreich hat seine diplomatischen Beziehungen zu Katar abgebrochen und ein Boykott verhängt. Viele kleinere Golfstaaten haben sich dem angeschlossen. Die Folge: Schiffe die unter der Flagge von Katar fahren, dürfen saudische Häfen nicht mehr anlaufen. Das Emirat Fudschaira, Herrscher über den wichtigste Bunkerhafen im Nahen Osten, verweigert Schiffen von und nach Katar die Einlaufgenehmigung.

Nur eine vorübergehende Verzögerung?

Zugleich sind Saudi-Arabien und Katar Kernaktionäre von Hapag-Lloyd: Katar hält über die Qatar Holding LLC 14,4 Prozent an Hamburgs Reederei, das Königreich Saudi-Arabien über seinen Public Investment Fund (PIF) 10,1 Prozent. Grund dafür ist, dass die beiden Staaten mit zusammen mehr als 87 Prozent die Haupteigentümer der UASC waren, die nun in Hapag-Lloyd aufgegangen ist. Folgerichtig hat die Hauptversammlung in der vergangenen Woche beschlossen, den Aufsichtsrat von Hapag-Lloyd zu erweitern. Seitdem sitzen jeweils ein Vertreter der Saudis und einer aus Katar im Kontrollgremium des traditionsreichen Schifffahrtsunternehmens vom Ballindamm.

Der Streit zwischen Katar und seinen arabischen Nachbarn könne sich durchaus negativ auf die Reederei auswirken, sagt der Nahost-Experte Daniel Gerlach von der Candid Foundation. „Zumal auch die Schifffahrt sanktioniert ist.“ Allerdings glaubt Gerlach, dass der Konflikt nur zu einer vorübergehenden Verzögerung beim geplanten Zusammenwachsen der Reedereien führt. „Ich denke, in fünf bis sechs Monaten könnte der Konflikt schon überwunden sein.“ Eine ähnliche Phase der Eiszeit habe es bereits 2014 gegeben.

Aktie knickte zwischenzeitlich ein

Von Hapag-Lloyds Chef Rolf Habben Jansen erfährt man zu dem Streit nichts. „Kein Kommentar“ hieß es am Dienstag aus dem Schifffahrtshaus. Dort bangt man aber um den Zusammenhalt und ist primär damit beschäftigt, den Kunden in Katar trotz des Boykotts ihre Ware zukommen zu lassen. Immerhin geht es um rund 100 Container pro Woche. Die Hapag-Lloyd-Aktie knickte zwischenzeitlich um 1,7 Prozent ein. Ob das auf den Konflikt zurückzuführen ist, vermag der Schifffahrtsanalyst der Nord LB, Thomas Wybierek, nicht zu sagen: „Das kann auch an der schlechten Stimmung in der Schifffahrt liegen.“