Bildung

An dieser Schule gibt es Hamburgs beste Abiturienten

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Peter Ulrich Meyer und Katharina Blenk
Die drei Abiturientinnen Sophie von Kleist, Lucia Rama und Ella Suxdorf (v. l.) bei der Entlassungsfeier der privaten Brecht-Schule

Die drei Abiturientinnen Sophie von Kleist, Lucia Rama und Ella Suxdorf (v. l.) bei der Entlassungsfeier der privaten Brecht-Schule

Foto: Andreas Laible / HA

An der Brecht-Schule beträgt die Durchschnittsnote 1,75. Die Gesamtzahl der Abschlüsse ist erstmals seit Jahren leicht rückläufig.

Hamburg.  Erstmals seit Jahren ist die Zahl der Abiturienten an staatlichen und privaten Schulen gesunken: Schafften im vergangenen Jahr 9768 Jungen und Mädchen die Reifeprüfung, so sind es in diesem Jahr nur 9311. Das ist ein Minus von 4,7 Prozent.

Drei Trends sind für den Rückgang verantwortlich. Zunächst sank die Gesamtzahl der Schüler im Abschlussjahrgang: In den zwölften Klassen staatlicher und privater Gymnasien sowie den 13. Klassen der Stadtteilschulen saßen 10.661 Schülerinnen und Schüler. Im Schuljahr zuvor waren es noch 11.042 Jungen und Mädchen – ein Minus von 3,6 Prozent.

Die Schulen mit dem besten Notenschnitt

Zweitens hat sich die Zahl der Schüler, die wegen zu geringer Punktzahlen nicht zum Abitur zugelassen wurden oder freiwillig eine „Ehrenrunde“ einlegten, von 7,2 auf 7,9 Prozent erhöht. Und drittens ist die Durchfallerquote von 4,7 auf 5,5 Prozent gestiegen. Exakt 511 Schülerinnen und Schüler haben die Abiturprüfungen nicht bestanden – 2016 waren es 479.

Erstmals enthielten die schriftlichen Abiturprüfungen in den Kernfächern Deutsch, Englisch, Mathematik und Französisch bundesweit zentrale Aufgaben und Aufgabenteile, wobei die Bundesländer entscheiden konnten, in welchem Umfang sie davon Gebrauch machten. Hamburg hat den zentralen Aufgabenpool sehr weitgehend genutzt. Zumindest mit Blick auf die Durchschnittsnote aller Abiturienten hatte das „Zentralabitur“ nicht den von manchen befürchteten negativen Einfluss: Der Abischnitt blieb mit 2,43 gegenüber dem Vorjahr (2,44) fast unverändert.

„Ich freue mich sehr darüber, dass Hamburgs Abiturienten das Abitur auch unter den neuen Rahmenbedingungen gut bewältigt haben“, sagte Schulsenator Ties Rabe (SPD). Schon Ende Juni hatte Rabe eine erste Bilanz der schriftlichen Prüfungen gezogen, wobei die Ergebnisse in Deutsch und Englisch stabil blieben, während die Durchschnittsnote in Mathematik von 3,3 auf 3,47 absank.

150 Schüler mit der Traumnote

Eine erste Auswertung des diesjährigen Abiturs zeigt auch, dass der Trend zu immer mehr Einser-Abituren anhält: 150 Schülerinnen und Schüler haben die Reifeprüfung mit der Traumnote 1,0 abgeschlossen – im Vorjahr waren es 137. Dabei lagen die Gymnasien mit 117 Abiturienten (78 Prozent) vor den Stadtteilschulen mit 23, den Beruflichen Gymnasien mit fünf, drei an Berufsoberschulen und zwei Abiturienten an einer Abendschule.

Das obere Leistungsspektrum der Abiturienten ist relativ breit, aber auch das untere Leistungssegment: Genau 25 Prozent (Vorjahr: 24 Prozent) haben eine Durchschnittsnote zwischen 1,0 und 1,9, während 24 Prozent (26 Prozent) mit einer 3,0 oder schlechter abgeschnitten haben. Mit 51 Prozent (50 Prozent) blieb der „Mittelbau“ des Notenspektrums von 2,0 bis 2,9 stabil.

Jeder vierte Absolvent schaffte ein Einser-Abitur

Der Abiturjahrgang der privaten Brecht-Schule in St. Georg erzielte den besten Notendurchschnitt aller Schulen in Hamburg. Durchschnittlich erreichten die Abiturienten an der Brecht-Schule ein Ergebnis von 1,75. Sieben Schüler kamen auf einen Schnitt von 1,0, und über 70 Prozent haben auf ihrem Zeugnis eine Eins vor dem Komma. 87 Schüler verlassen die Brecht-Schule dieses Jahr mit dem Abitur, das ist für die Privatschule Rekord. Eine Folge: Für die Entlassungsfeier wurde kurzerhand ein Zelt auf dem Schulhof an der Norderstraße aufgebaut, weil die Aula zu klein war.

Julia Schuster, eine der Abiturientinnen, ist „auf jeden Fall sehr stolz“ auf dieses Ergebnis. Sie selbst hat einen Schnitt von 1,1 erreicht und will erst mal ein Jahr Praktika machen und danach ein Studium beginnen. Am Brecht-Gymnasium hat sie sich sehr wohlgefühlt. „Es wird hier total auf die Schüler eingegangen, und ich hatte noch nie so tolle und fleißige Klassenkameraden“, sagt Julia, die erst in der elften Klasse auf die Privatschule gewechselt war.

Damit ist Julia Schuster jedoch eine Ausnahme. Viele Schüler lernen schon seit der Grundschule zusammen, denn der Abiturjahrgang dieses Jahres war zu großen Teilen der erste Jahrgang der 2005 gegründeten Brecht-Grundschule. Die Privatschule hat einen speziellen Schwerpunkt für Förderung besonders begabter Kinder, nimmt aber auch Kinder ohne Hochbegabung auf. Schulleiter Klaus Nemitz sieht den guten Durchschnitt seines Abiturjahrgangs als „Resultat einer systematischen Lernförderung“ von der ersten Klasse bis zum Abitur. „Wir haben den Abiturienten nichts geschenkt“, sagt Nemitz.

Der 18-jährige Abiturient Niklas van Riesen will mit seinem 1,6-Schnitt auch erst einmal ein Jahr Pause vom Lernen machen und ein soziales Jahr in Kapstadt absolvieren. Stolz sei er nicht auf den Abiturschnitt, er sagt „die Noten waren doch ziemlich inflationär“.

Den größten Anteil an Reifeprüfungen verzeichnen weiterhin die Gymnasien mit 60 Prozent, gefolgt von den Stadtteilschulen mit 33 Prozent. Sieben Prozent der Abiturienten besuchten ein Berufliches Gymnasium, eine Berufsober- oder eine Abendschule. Exakt 835 Schülerinnen und Schüler bestanden ihr Abitur an einer nichtstaatlichen Schule – das entspricht neun Prozent.

Jungen haben etwas aufgeholt

Bei den Noten liegen die Gymnasien vorn: Die Gymnasiasten erreichten im Schnitt 2,33 (Vorjahr: 2,34), die Stadtteilschüler verbesserten sich von 2,61 auf 2,60. An den Beruflichen Gymnasien betrug der Wert unverändert 2,58.

Die Schüler haben gegenüber den Schülerinnen etwas aufgeholt. 4398 Abiturienten haben die Reifeprüfung bestanden – das entspricht 47,2 Prozent aller Abgangszeugnisse. Im Vorjahr betrug die Quote der Jungen 46,4 Prozent.

Das Gymnasium Ohmoor in Niendorf liegt bei der Gesamtzahl der Abiturienten mit 166 an der Spitze, gefolgt vom Gymnasium Grootmoor (Bramfeld) mit 144, sowie zwei Stadtteilschulen: der Goethe-Schule (Harburg) und der Julius-Leber-Schule (Niendorf) mit je 136.

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