G20

Umsatzeinbußen: Händler fordern zwei verkaufsoffene Sonntage

Hier war mal Rewe: Das Hamburger Schanzenviertel nach den Krawallen beim G20-Gipfel

Hier war mal Rewe: Das Hamburger Schanzenviertel nach den Krawallen beim G20-Gipfel

Foto: HA

Eine Gesetzesänderung wäre notwendig. Den Händlern geht es aber nicht nur um die fehlenden Umsätze in Millionenhöhe.

Hamburg. Eingeschlagene Schaufensterscheiben, zerstörte Türen und Schlösser, geplünderte und ausgebrannte Geschäfte – das sind die sichtbaren Schäden der Hamburger Einzelhändler nach den G20-Krawallen. Diese Bilder sind um die Welt gegangen, haben die Menschen schockiert und fassungslos gemacht. Aber über die „unsichtbaren Schäden“, wie Brigitte Nolte sie nennt – darüber redet derzeit kaum jemand. Und genau das will die Geschäftsführerin des Handelsverbands Nord ändern.

Gemeinsam mit dem City Management Hamburg, der die Interessen zahlreicher Einzelhändler in der Innenstadt vertritt, fordert der Handelsverband nun zwei zusätzliche verkaufsoffene Sonntage im Advent – um die Umsatzeinbußen während des G20-Gipfels zumindest in Teilen zu kompensieren.

Hamburger Händler schreiben an Bürgermeister Olaf Scholz

In einem gemeinsamen Brief an Bürgermeister Olaf Scholz (SPD), der dem Abendblatt vorliegt, schreiben der Handelsverband und das City Management: „Allein der innerstädtische Einzelhandel hatte in den Tagen des G20-Gipfels Umsatzeinbußen in Höhe von 18 Millionen Euro zu verzeichnen.“ Hinzu kämen noch die „erheblichen Aufwendungen für die Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz der Mitarbeiter sowie der Geschäfte und Immobilien“. Die Läden seien weitgehend leer gewesen oder hätten aus Sicherheitsgründen mehrere Tage lang schließen müssen.

„Wir Verbände halten es für zwingend erforderlich, den materiellen Schaden mindestens teilweise auszugleichen, den der Einzelhandel erlitten hat“, heißt es weiter in dem zweiseitigen Schreiben bevor es zur konkreten Forderung kommt: „Für eine teilweise Kompensation der Umsatzausfälle fordern wir zwei verkaufsoffene Sonntage im Advent, und zwar am 3. und 10. Dezember 2017.“

Einmalige Ausnahme – doch es gibt Widerstand

Bisher lässt das Hamburgische Ladenöffnungsgesetz pro Jahr zwar vier Sonntagsöffnungen aus besonderem Anlass zu, an denen die Einzelhandelsgeschäfte zwischen 13 und 18 Uhr offen gehalten werden dürfen. Allerdings sind laut Paragraf 8 „Sonntage im Dezember, Adventssonntage, Ostersonntag, Pfingstsonntag, Volkstrauertag und Totensonntag“ explizit ausgenommen. Folglich müsste die Bürgerschaft eine Gesetzesänderung beschließen, sollte die Stadt der Forderung der Geschäftsinhaber nachkommen wollen.

Handelsverband und City Management weisen in ihrem Brief an den Bürgermeister zwar ausdrücklich darauf hin, dass es sich „um eine einmalige Ausnahme von den bisherigen Sonntagsregelungen“ handeln soll. Doch Gegenwind von Kirchen und Gewerkschaftern dürfte programmiert sein. In einer ersten Reaktion zeigte sich die evangelische Kirche denn auch eher skeptisch. „Der Vorschlag kommt überraschend. Ich denke aber nicht, dass wir an unserer grundsätzlichen Haltung zu Ladenöffnungszeiten im Advent etwas ändern werden“, sagte Susanne Gerbsch, Sprecherin von Bischöfin Kirsten Fehrs, dem Abendblatt.

Hamburgs Einzelhändler belasten derweil nicht nur die Umsatzeinbußen während des G20-Gipfels, sie befürchten auch, dass sie langfristig unter den weltweit verbreiteten Bildern der Krawalle leiden werden. Deshalb fordern sie die Stadt in ihrem Schreiben auf „noch im Herbst eine national und international wahrnehmbare Kampagne zur Bewerbung des Einkaufsstandortes Hamburg“ zu starten. Die Ereignisse um den G20-Gipfel würden den Hamburger Einzelhandel in einer Situation treffen, „die seit Jahren wirtschaftlich absolut kritisch ist“, heißt es abschließend. Die geforderten Ausgleichsmaßnahmen seien deshalb zwingend erforderlich, um die Arbeitsplätze zu sichern.