Denkmalschutz

Kirche in Langenfelde darf abgerissen werden

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Ulrich Gaßdorf
Pastor Holger
Janke und Anwalt
Gero Tuttlewski (r.)
sitzen in der Kirche

Pastor Holger Janke und Anwalt Gero Tuttlewski (r.) sitzen in der Kirche

Foto: Marcelo Hernandez / HA

Oberverwaltungsgericht gibt Gemeinde nach jahrelangem Streit recht. Gebäude am Försterweg ist kein Denkmal mehr.

Hamburg.  Das Lachen ist Holger Janke während seines mehr als zehn Jahre langen Streits mit dem Denkmalschutzamt häufiger mal vergangen. Doch jetzt strahlt der Pastor der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Langenfelde über das ganze Gesicht: „Wir können jetzt wieder selber entscheiden, was wir mit unseren Gebäuden einschließlich der Kirche machen“, sagte Janke dem Abendblatt.

Das Hamburgische Oberverwaltungsgericht (OVG) hat vor wenigen Wochen den Denkmalschutz für das Kirchengebäude, das seit 2006 in der Denkmalliste eingetragen war, gekippt und damit der Kirchengemeinde recht gegeben. Der Streit vor Gericht zieht sich seit 2011 hin. 30.000 Euro musste die Gemeinde für Anwalts- und Gutachterkosten aufwenden.

In der ersten Instanz hatte das Verwaltungsgericht zwar die „Ensemble­gemeinschaft der Gebäude“ am Försterweg, das sind neben der Kirche ein Gemeindehaus und ein Kindergarten, verneint. Aber die Kirche wurde als Einzeldenkmal eingestuft.

Schmuckloser Bau

Das sah das Oberverwaltungs­gericht jetzt anders: Die Kernaussage des Gerichts sei gewesen, Hamburg verfüge aus der Zeit des Kirchenbaubooms der Nachkriegsjahre von 1955 bis 1970 noch über ausreichend vergleichbare Objekte, um den modernen Kirchenbau erlebbar zu machen, sagte Rechtsanwalt Gero Tuttlewski aus der Bergedorfer Kanzlei Klemm & Partner, der die Gemeinde vertreten hatte. Der Experte für Baurecht sagte weiter: „Für die kleine Kirchengemeinde in Langenfelde bedeutet dieses Urteil die Wiedererlangung der Entscheidungshoheit über die eigenen Immobilien.“

Erleichtert führt Pastor Janke durch die Kirche, die 1961 eingeweiht wurde. Ein eher schmuckloser Bau mit einem Klinkerturm: „Das Gebäude besticht nicht gerade durch Schönheit oder eine besondere Bauweise. Deshalb waren wir auch ziemlich überrascht, dass das ein Denkmal sein soll“, sagte Janke. Das brachte viele Probleme mit sich: „Seit die Kirche 2006 unter Denkmalschutz gestellt wurde, musste jede noch so kleine bauliche Veränderung oder Reparatur mit dem Denkmalschutzamt abgestimmt werden“, sagte Pastor Janke.

Ausdrucksstarkes Beispiel für die Moderne

Das sei sehr nervenaufreibend gewesen. Der 56-Jährige nennt Beispiele: „Wir wollten eine Treppe einbauen, damit die Orgelpfeifen gereinigt werden können. Das wurde uns nicht erlaubt, schließlich wurde uns nur eine mobile Leiter gestattet.“ Auch, dass das Kreuz nicht mehr oberhalb des Altars hing, sondern an der Seite des Kirchenschiffs, habe der Denkmalschutz bemängelt.

Die Kulturbehörde – hier ist das Denkmalschutzamt angesiedelt – sieht die Kirche in Langenfelde als „ein ausdrucksstarkes Beispiel für die Moderne im Kirchenbau der Nachkriegszeit“, sagte eine Sprecherin auf Abendblatt-Anfrage. Sie sei außerdem ein bedeutendes Werk im Schaffen des Architekturbüros Sandtmann und Grundmann und ein Bau mit hohem künstlerischen Anspruch in Architektur und innerer Ausgestaltung.

„Kirche ist völlig überdimensioniert“

Aber das sieht Pastor Janke anders und plant gemeinsam mit seinem Gemeindevorstand die Zukunft seiner Kirchengemeinde. Das Kirchengebäude soll wohl abgerissen werden: „Die Kirche mit ihren 380 Plätzen ist völlig überdimensioniert. Außerdem ist das Gebäude so schlecht isoliert, dass, selbst wenn die Heizung voll aufgedreht ist, hier nicht mehr als zwölf Grad sind. Deshalb können wir hier in den Wintermonaten gar keinen Gottesdienst abhalten“, sagte Janke.

Auch der Kindergarten, der in den 50er-Jahren erbaut wurde, und das Mitte der 60er-Jahre gebaute Gemeindehaus stehen zur Disposition: „Wir brauchen mehr Platz für den Kindergarten, dann können wir auch mehr Kinder aufnehmen. Auch das Gemeindehaus ist nicht mehr zeitgemäß“, sagte Janke.

Multifunktionsgebäude die Lösung?

Wie sieht die Zukunft aus?: „Es wäre zum Beispiel eine Option, hier ein Multifunktionsgebäude zu errichten, in das dann Kirche, Gemeindehaus und Kita einziehen“, sagte Janke. Eine Entscheidung soll im kommenden Jahr fallen, und ein Abriss der bestehenden Gebäude wäre von 2019 an denkbar. Allerdings könnten sich die Planungen verzögern. Denn noch prüft die Kulturbehörde, ob sie das OVG-Urteil akzeptiert. Sollte die Behörde in Revision gehen, müssten sich die Richter am Bundesverwaltungsgericht in Leipzig mit dem Denkmalschutzstreit beschäftigen.

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