Norddeutschland

Anti-Terror-Razzia: Polizei verhaftet vier Syrer

Beamte einer Spezialeinheit vor dem Haus von Sultan K. (44) in Bullenhausen (Kreis Harburg). Der Syrer lebte unauffällig mit sieben Kindern in einer Seitenstraße – in Syrien soll er an Plünderungen beteiligt gewesen sein

Beamte einer Spezialeinheit vor dem Haus von Sultan K. (44) in Bullenhausen (Kreis Harburg). Der Syrer lebte unauffällig mit sieben Kindern in einer Seitenstraße – in Syrien soll er an Plünderungen beteiligt gewesen sein

Foto: Mücahid Güler / dpa

Die Männer sollen Kriegsverbrechen für Al-Qaida-Ableger verübt haben. Zugriffe in Borgfelde, Bullenhausen und Lübeck.

Hamburg. Groß angelegter Anti-Terror-Einsatz in Norddeutschland: Spezialeinheiten der Polizei haben am frühen Montagmorgen Haftbefehle gegen vier Syrer im Hamburger Stadtteil Borgfelde sowie unmittelbar hinter der Stadtgrenze im niedersächsischen Bullenhausen und in Lübeck vollstreckt. Die Bundesanwaltschaft legt den 39 bis 51 Jahre alten Männern Kriegsverbrechen zur Last.

Als Mitglieder der Terrororganisation Jabhat al-Nusra, dem syrischen Ableger von al-Qaida, sollen sie an Kampfhandlungen, Vertreibungen und Plünderungen beteiligt gewesen sein. Konkrete Hinweise, dass sie in Deutschland etwa Terroranschläge geplant haben könnten, gibt es bislang nicht.

Verhafteter Sultan K. ist Vater von sieben Kindern

Am frühen Morgen gegen 4.30 Uhr stürmte ein niedersächsisches Spezialeinsatzkommando in Bullenhausen (Landkreis Harburg) ein Einfamilienhaus am Fasanenweg, eine Seitenstraße. Dort überwältigten sie Sultan K., einen 44 Jahre alten Familienvater, der laut Nachbarn Vater von sieben Kindern ist.

Er wurde mit einer Binde vor den Augen und mit Handschellen gefesselt kurz nach dem Zugriff aus dem Haus geführt und in einen zivilen Wagen der Polizei gesetzt. Längere Zeit wurde er noch befragt, bevor das Fahrzeug mit dem Mann abfuhr. Gleichzeitig wie in Bullenhausen griff die Polizei auch im Hamburger Stadtteil Borgfelde und in Lübeck zu: Auch dort gab es Festnahmen. Haftbefehle wurden auch gegen Mustafa K. (41), Abdullah K. (39) und Ahmed K. (51) vollstreckt.

Syrer sollen bei Assad-Anhängern geplündert haben

Die vier Männer sollen seit spätestens November 2012 in Syrien Mitglieder von Jabhat al-Nusra gewesen sein. Damals war die Terrororganisation in der nordsyrischen Stadt Ra’s al-’Ain an bewaffneten Auseinandersetzungen gegen syrische Regierungstruppen beteiligt. Nach Erkenntnissen der Generalbundesanwaltschaft entschlossen sich Mustafa K. und Sultan K. gemeinsam mit weiteren Mitgliedern der Terrororganisation nach der Einnahme des westlichen Teils von Ra’s al-’Ain dazu, Angehörige des Assad-Regimes von dort zu vertreiben.

Unter anderem sollen Mustafa K. und Sultan K. gemeinsam mit einer Gruppe von etwa 20 weiteren Mitgliedern der Jabhat al-Nusra einen Beamten des Assad-Regimes festgenommen, dessen Angehörige vertrieben und das Anwesen der Familie geplündert haben.

Sultan K. und Abdullah K. sollen sich auch an Kämpfen mit Angehörigen der kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG), die einen Teil der Stadt unter Kontrolle hatte, beteiligt haben. Mustafa K. wird vorgeworfen, dass er sein Wohnhaus als Stützpunkt zur Verfügung stellte. Er soll mit seinen Brüdern Abdullah K. und Ahmed K. auch Fahrdienste geleistet haben.

Familienvater galt als hilfsbereit und unauffällig

„Ahmed K. fuhr zudem gemeinsam mit weiteren Mitglieder der Jabhat al-Nusra mit seinem Pick-up durch den nordöstlichen Teil von Ra’s al-’Ain und forderte die Bewohner zum Verlassen der Stadt auf. Auf der Ladefläche seines Pick-ups war ein Dreibeinmaschinengewehr montiert. Darüber hinaus leisteten alle vier Beschuldigten jeweils bewaffnet mit einem Sturmgewehr Wachdienste für die Vereinigung“, heißt es von der Bundesanwaltschaft.

Anwohner in Bullenhausen sind geschockt. Sie beschreiben Sultan K., der als Fahrer gearbeitet haben soll und immer morgens mit seinem Lieferwagen losfuhr, als „unauffällig“ und „hilfsbereit“. Niemand ahnte, dass es sich um einen Kriegsverbrecher handeln könnte. Die Festgenommenen werden am Dienstag dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt. Der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius (SPD) bezeichnete die Festnahmen als einen „weiteren wichtigen Schlag gegen islamistische Gefährder“. Im Falle einer Verurteilung wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung drohen den vier Syrern bis zu zehn Jahre Haft.