Konzertkritik

Deep Purple in Hamburg: Ein letztes Mal Luftgitarre?

| Lesedauer: 2 Minuten
Tino Lange
Deep Purple auf ihrer "Long Goodbye Tour": Steve Morse (r.) hat die Riff-Kaskaden, Roger Glover die Bassläufe

Deep Purple auf ihrer "Long Goodbye Tour": Steve Morse (r.) hat die Riff-Kaskaden, Roger Glover die Bassläufe

Foto: imago/Eastnews

Vor 5500 Besuchern traten Deep Purple bei ihrer "Long Goodbye Tour“ in der Barclaycard Arena auf - 100 Minuten Hardrock vom Feinsten.

Hamburg. „Es hat nie einen coolen Keyboard-Spieler gegeben, außer Elton John“, ist einer der zahlreichen launischen Sprüche von Noel Gallagher. Er übertreibt gern, der streitbare Lautsprecher. Deep-Purple-Gründer Jon Lord, gestorben 2012, war nämlich auch cool. Und auch sein Nachfolger Don Airey weiß zumindest, was er tut beim Konzert der britischen Hardrocker am Dienstag in der Hamburger Barclaycard Arena.

Einen Teppich aus Orgelläufen unter das Trommelgedonner von Ian Paice, die Riff-Kaskaden von Steve Morse, die Bassläufe von Roger Glover und die immer noch kernige Stimme von Ian Gillan ausrollen. Und beim Solo "Auf der Reeperbahn nachts um halb eins" und die Nationalhymne einbauen. Ein anstrengender Job mit 68 Jahren.

Die Songs aus den frühen 70ern kommen am besten an

Vielleicht ein Grund, warum die Tour „The Long Goodbye Tour“ heißt. Es ist keine offizielle Abschiedsreise, aber man möchte sich wohl zumindest die Option offen halten, falls es die Gesundheit nicht mehr zulässt. Ian Paice musste vor einem Jahr nach einem leichten Schlaganfall das erste Mal in 50 Purple-Jahren Konzerte absagen. Das gibt zu denken. Im Hamburg aber trommelt Paice wie ein Duracell-Hase, beginnend beim Opener „Time For Bedlam“ vom neuen Album „Infinite“ und dem ersten Klassiker „Fireball“ aus dem Jahr 1971. Beeindruckend, was der Mann an den Kesseln abliefert.

Passend begleitet von einer großen Videoleinwand geht es im Wechsel durch altes und neues Material, von „Strange Kind Of Woman“ zu „Johnny's Band“, wobei natürlich die Songs aus den frühen 70ern Marke „Space Truckin'“ am besten ankommen beim übersichtlichen Publikum. Wo andere Hardrock-Pioniere mit vermeintlichen (Scorpions) oder tatsächlichen (Black Sabbath) Abschiedstourneen noch einmal große Arenen füllen, kommen am Dienstag nur knapp 5500 gut aufgelegte Besucher, um vielleicht (!) ein letztes Mal bei „Smoke On The Water“ hinten im Innenraum die Luftgitarre aus dem Luftkoffer zu holen.

Sei es drum, sie bekommen nach 100 Minuten, nach „Hush“ und einem Bass-Solo von Roger Glover mit „Black Night“ das würdige Finale eines schön erdigen, hart rockenden Konzertabends. Am 8. Juli spielt an gleicher Stelle übrigens Elton John. Cool, oder?

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