Partnersuche

Wie und wo Hamburger Singles auf die Pirsch gehen

"Face-to-Face Treffen" im Café Zeitraum Eimsbüttel: Martin (39) und Carolin (30) versuchen es mit einer organisierten Kneipentour

"Face-to-Face Treffen" im Café Zeitraum Eimsbüttel: Martin (39) und Carolin (30) versuchen es mit einer organisierten Kneipentour

Foto: Marcelo Hernandez

Profilberater und arrangierte Kneipentouren – es gibt viele neue Möglichkeiten. Doch die Partnersuche bleibt schwierig. Eine Reportage.

Hamburg. Ein bis zwei Dates pro Woche sollten es schon sein, findet Martin. Und meist schafft er das auch. Alles eine Frage der Organisation. Derzeit ist er bei fünf Flirtportalen angemeldet, per App verwaltet er seine Profile, liked, verschickt und liest Nachrichten. Alles für das große Ziel: so schnell wie möglich eine feste Freundin zu finden. Wenn es nach dem 39-jährigen Lokstedter geht, dann sollte sie etwas jünger sein als er, braune Haare und Augen haben, in Hamburg wohnen und lieber nicht so impulsiv und aufbrausend sein.

Seine letzte Beziehung ist etwa eineinhalb Jahre her. Recht schnell nach der Trennung begann er seine Dating-Offensive. „Erst ging es nur um Affären, inzwischen suche ich aber nach einer festen Partnerin“, sagt er. Mal geht er auf Single- oder After-Work-Partys, mal trifft er sich mit Online-Bekanntschaften. Auch an diesem Freitag ist Martin in Sachen Flirten unterwegs. Er nimmt an einer organisierten Dating-Kneipentour teil. „Face2Face“ heißt das Event, das in der Regel einmal pro Monat in Hamburg stattfindet.

Mehr als 100 Teilnehmer bei der Dating-Kneipentour

Mehr als 100 Leute haben sich angemeldet. Der Veranstalter bildet aus ihnen drei Altersgruppen. Die 20- bis ­35-Jährigen sind heute in Winterhude unterwegs, die Gruppe 30 bis 40 in Eimsbüttel und alles darüber in Eppendorf. Für eine Gebühr von 15,90 Euro gibt es einen durchorganisierten Datingabend. In den ausgewählten Kneipen ist je ein Face2Face-Tisch reserviert, jeder Teilnehmer zieht nach dem für ihn erstellten Plan von Kneipe zu Kneipe – so, dass jeder mal mit jedem an einem Tisch sitzt.

Martin ist mit dem Fahrrad in die erste Bar nach Eimsbüttel geradelt. Er ist der Erste. Kurz nach ihm kommen drei Frauen und zwei Männer. Wenn man es nicht wüsste, würde man nicht ahnen, dass das hier ein arrangierter Abend ist. Aus zwei Metern Entfernung sieht es so aus: Junge Leute sitzen zusammen, plaudern, trinken Tee, Bier oder Weißweinschorle. Keiner ist irgendwie besonders aufgebrezelt, es gibt keinen Moderator, keine Tischfahne, kein Erkennungszeichen. Gestalten müssen die Teilnehmer den Abend selbst, auch für die Getränke kommt jeder selber auf. Im Preis enthalten ist nur die Garantie, dass sie an diesem Abend nur mit gleichaltrigen Singles an einem Tisch sitzen.

Ausgedacht hat sich das Konzept der Hannoveraner Rico Hetzschold, der das erste Face2Face-Dating 2013 in der niedersächsischen Landeshauptstadt auf die Beine gestellt hat. Inzwischen bietet Hetzschold seine Touren in 55 Städten an. „Hamburg war von Anfang an mit dabei und läuft nach wie vor super“, sagt der 37-Jährige.

340.000 Singles sollen auf Partnersuche sein in Hamburg

Der Single-Markt in Hamburg ist groß, wachsend – und höchst lukrativ. Das Portal „Singlebörsen-Vergleich.de“ spricht von 340.000 Menschen, die aktuell in Hamburg auf Partnersuche sind, 241.000 seien dafür auch online unterwegs. Davon wiederum die meisten bei der Hamburger Datingbörse Parship (85.100), gefolgt von ElitePartner (73.100) und eDarling (30.400).

Zahlreiche Unternehmen haben sich auf das Vermitteln von Partnerschaften spezialisiert. Neben Parship und ElitePartner haben auch Finya und Dating Cafe ihren Sitz an der Elbe. Nach Angaben der Handelskammer Hamburg sind in der Hansestadt 16 Firmen mit Schwerpunkt Partnervermittlung gelistet. Weitere 18 haben die Partnervermittlung als Nebenwirtschaftszweig genannt. Zu den klassischen Paarvermittlungsbörsen kommen Single-Coaches, Single-Tanzkurse, Single-Kochkurse, Single-Partys, Speeddating, Jumping-Dinner und vieles mehr.

Online-Vermittlung ist ein lukratives Geschäft

Wie lukrativ das Geschäft ist, lässt sich gut am Beispiel von Parship nachzeichnen. Das Online-Vermittlungsportal startete 2001 mit etwa zehn Mitarbeitern im Souterrain des Afrikahauses an der Großen Reichenstraße. Heute erwirtschaftet das Unternehmen 100 Millionen Euro pro Jahr und hat etwa 230 Mitarbeiter. Und ein Ende ist nicht in Sicht. Pro Jahr zählt das Unternehmen rund 1,5 Millionen Neuregistrierungen.

Wie kommt es, dass Datingportale so erfolgreich sind? Gerade in Großstädten wie Hamburg dürfte es doch eigentlich auch auf normalem Wege nicht ganz schwer sein, neue Leute kennenzulernen. An der Menge der Singles kann es nicht liegen, an der Auswahl der Freizeit- und Ausgehangebote auch nicht.

Singles sind frustriert: "Schwer ist es trotzdem"

Die 37 Jahre alte Hamburger Single-Frau Anne aber sagt: „Schwer ist es trotzdem.“ Auch sie hat sich bei Face2Face angemeldet, sitzt ein paar Hundert Meter entfernt von Teilnehmer Martin in einem anderen Lokal. Anne ist eine Frau, die die meisten Menschen als hübsch bezeichnen würden. Sie wirkt offen und sympathisch, hat ein herzliches Lachen und tut sich nicht schwer, mit Leuten ins Gespräch zu kommen. Trotzdem ist sie seit rund sechs Jahren Single. „Das mit dem Ausgehen ist in den vergangenen Jahren nicht einfacher geworden, weil die meisten Freunde im Bekanntenkreis inzwischen vergeben sind. Und allein loszuziehen ist nicht so mein Ding“, sagt sie. Was auch eine Rolle spiele: „Ich habe das Gefühl, dass sich beim Ausgehen alle weniger Mühe geben, weil sich das meiste ohnehin ins Internet verlagert hat.“

Anne mag keine klassischen Datingportale. „Ich kann doch nicht anhand eines Fotos und dreier Hobbys entscheiden, ob ich jemanden kennenlernen möchte. Dafür brauche ich eine echte Situation, eine Stimme, das Lachen, das normale Leben.“ Um zumindest nah dran zu sein an „echten Situationen“, hat sie sich für die Kneipentour entschieden. Ein Kompromiss, aber einen Versuch sei es wert. Und wenn wieder nichts dabei ist? „Ich sehe das entspannt“, sagt Anne. „Dann bin ich wieder um eine Erfahrung reicher. Da ich keinen Kinderwunsch habe, fällt ja zumindest der ganz große Zeitdruck weg.“

Andere spüren diesen deutlich. Viele Single-Frauen zwischen 30 und 40, die sich Kinder wünschen, leiden besonders unter dem Alleinsein. Die Diplom-Psychologin Sibylle Lachmann kennt solche Fälle zur Genüge. Die Hamburgerin bietet in ihrer Praxis in Harvestehude unter anderem ein spezielles Coaching für Singles an.

Wenn es nicht klappt, muss man sein Profil überarbeiten

In der Stadtvilla mit hohen Decken empfängt Lachmann ihre Klienten. Nach Qigong und Esoterik sieht es hier nicht aus. Eher nach Flipchart und Checklisten, danach, dass man alles irgendwie regeln kann. In den drei bis fünf Coachingstunden geht es vor allen Dingen um die richtige Haltung. „Viele sehen ihre Lage als eine Art Lücke an, die es zu schließen gilt, und haben deswegen oft einen ,suchenden Blick‘ entwickelt. Dieser ist bei der Partnersuche aber nicht besonders hilfreich“, sagt Lachmann. „Gemeinsam versuchen wir, an dieser Haltung zu arbeiten.“

Lachmann beobachtet seit Jahren, dass viele Singles eine negative Sichtweise entwickelt haben und nur sehr genau sagen können, was sie bei ihrem neuen Partner nicht möchten. Die eigenen Bedürfnisse sind ihnen gar nicht bewusst. Auch daran arbeitet Lachmann mit ihren meist weiblichen Klienten in den Sitzungen. Aus einem „so nicht!“ soll ein „so!“ werden: Das wünsche ich mir, das sind meine Ziele, das tut mir gut.

Kunden der Beraterin sind meist älter als 30

Lachmanns Kunden sind in der Regel älter als 30. Eine Zahl, die in der Partner-Branche offenbar eine Zäsur darstellt. „Bis 30 sehen viele eine Beziehung als schön, aber nicht essenziell an. Selbstverwirklichung und Karriere spielen bis dahin eine größere Rolle. Bis zu diesem Alter denken viele nicht darüber nach, dass sie nicht ewig Zeit haben, und dann sind sie plötzlich 30 und werden unruhig.“

30 plus, ein geregeltes Einkommen und vielleicht schon ein bisschen panisch – das scheinen jedenfalls in etwa die Eckdaten der Zielgruppe zu sein, die sich in Coaching-Praxen oder eben bei Single-Dating-Events einfindet.

Ab 30 kommt die Panik

Obwohl – panisch ist Dating-Profi Martin im Grunde überhaupt nicht. Dafür ist er schon zu routiniert. „Ich bin eigentlich ganz entspannt“, sagt er. Sein Prinzip: Viel hilft viel. „Bei ein bis zwei Dates pro Woche muss es doch irgendwann klappen.“ Einfache Rechnung. Gestern war er auf einer After-Work-Party, heute Face2Face – bei der organisierten Kneipentour macht er zum fünften Mal mit, einige hier kennt er schon von vorherigen Dates.

Selbstzweifel? Eigentlich nicht so richtig. Martin findet einfach, dass Datingportale eine gute Möglichkeit sind, um Frauen kennenzulernen. Und er glaubt, dass es bei den persönlichen Angaben im Zweifel auf viele Details ankommt. Nach dem Motto: Wenn es nicht klappt, dann muss ich halt mein Profil noch einmal überarbeiten. Seine Beschreibungen über sich selbst hat er inzwischen bis auf ein paar wenige Sätze runtergekürzt. „Je mehr man preisgibt, desto höher ist auch das Risiko, dass die Informationen jemandem nicht gefallen könnten.“ Da scheint er plötzlich unsicher: Wirkt das Bild? Wie kommen Smileys an? Soll man das Thema Religion ansprechen oder besser nicht?

Oft hapert es an den richtigen Formulierungen

Einer, der sich unter anderem mit diesen Fragen beschäftigt, ist Eric Hegmann. Der 50-Jährige bietet unter anderem Profil-Beratungen an – bei Parship für deren Mitglieder, aber darüber hinaus als Freiberufler auch für alle anderen. An Hegmann wenden sich Menschen, die zwar Fotos hochgeladen und einen Profilbogen ausgefüllt haben, aber kaum Rückmeldungen erhalten – oder nur die falschen.

Laut dem Experten kann man viel verkehrt machen beim Datingprofil, sodass ein objektiver Blick helfen kann. Auch Hegmann beobachtet in vielen Fällen, dass Singles zu negativ formulieren und nicht offen schreiben, was sie sich wünschen. Weiterer Problemfall: die Bilder. „Weniger als drei wirken lieblos, mehr als fünf in der Regel selbstverliebt“, so Hegmann. „Besonders wenn jemand etliche Bilder von sich beim Segeln, beim Yoga, beim Joggen, beim Ausgehen und zeitaufwendigen Aktivitäten einstellt, suggeriert er, dass es in seinem Leben keinen Raum gibt für einen anderen Menschen.“

Zu schön dürfen die Porträtbilder nicht sein

Bei den Fotos gingen die Geschmäcker von Frauen und Männern häufig auseinander. „Frauen sind am Gesamtpaket interessiert und sehen gern den ganzen Mann in einem natürlichen Kontext, am besten funktionieren Ganzkörperaufnahmen in der Natur und – da stimmt das Klischee – auch gern mit Hund. Männer ticken da oft anders. Die finden von einer Frau auch ein gestelltes und vielleicht bearbeitetes Hochglanzfoto vom Profifotografen hübsch.“ Aber Achtung: „Zu schön sollten die Bilder auch nicht sein, dann wirken sie wieder zu selbstverliebt.“

Grundsätzlich rät Hegmann dazu, mutiger zu werden. Sich etwa als Frau darauf zu verlassen, dass die Männer das Anschreiben übernehmen, funktioniere nicht. Gut sei es auch, sich mal die Mühe zu machen, die Profile der Geschlechtsgenossen anzuschauen. Spätestens dann werde meist klar, dass die Konkurrenz auch nicht so schlecht ist und dass man selbst aktiv werden muss.

Und dann? „Dann sollte man es im Grunde einfach mal drauf ankommen lassen und lieber einmal zu viel Ja sagen. In unserer Zeit neigen viele Menschen zu einer Überromantisierung der Beziehung, haben zu hohe Ansprüche und blocken deshalb viel zu häufig ab und tun sich mit dem Festlegen schwer.“

Zu hohe Ansprüche? Anne kann das nicht nachvollziehen. Zwischen Kneipe zwei und Kneipe drei erzählt sie, dass es daran bei ihr nicht liegen könne. „Ich suche kein Model und keinen Doktortitel, sondern einfach einen normalen Typen, der klar tickt und mit dem ich Spaß haben und Sachen unternehmen kann.“ In den ersten beiden Kneipen sei bisher keiner dabei gewesen. Sie wählt ihre Worte erst vorsichtig, sagt dann aber irgendwann auch: „Die meisten Männer hier sind irgendwie komisch. Männer, die sonst keine ansprechen und den Mund nicht aufbekommen, treffen dann hier auf selbstbewusste Frauen, die wissen, was sie wollen.“ Aber abwarten. Eine Kneipe kommt ja noch …

Die richtige Haltung, das richtige Profil, die richtige Strategie, Ängste überwinden, Lücken schließen, zu sich selbst finden. Irgendwann und irgendwo scheint das mit der Paarfindung kompliziert geworden zu sein.

Heute zählt eher die Leidenschaft, nicht die Sicherheit

Eine, die sich damit auskennt, ist Aglaja Valentina Stirn, Professorin für Psychosomatische Medizin und Sexualmedizin an der Universität Kiel. „Die Art, wie Paare zueinanderfinden, hat sich drastisch verändert. Ende des 19. Jahrhunderts etwa lebten die Menschen noch viel mehr in Strukturen von Großfamilien, in denen Beziehungen bis zu einem gewissen Grad arrangiert wurden“, sagt Stirn. Auch damals gab es Kriterien, nach denen ausgewählt wurde, etwa Status, Nähe zum Wohnort und Konfession. „Dass Menschen vor allen Dingen aus Liebe und Begehren eine Partnerschaft eingehen, war nicht immer so. Die Grundlegung für die romantische Liebe, wie wir sie heute kennen, wurde vor allem im Bürgertum des 18. Jahrhunderts gelegt“, so die 54-Jährige. Etabliert hat sich die „neue Liebe“ im Laufe der Zeit durch verschiedene gesellschaftliche Entwicklungen: Frauen wurden zunehmend berufstätig und unabhängiger, bessere Bildung veränderte die Perspektive, und durch erhöhte Mobilität wurden die Möglichkeiten auch räumlich gesehen größer, kurz: Die Menschen strebten nach mehr. Heutzutage stehen Liebe und Leidenschaft meist ganz oben auf der Liste.

Deutlich zugenommen hat laut Aglaja Valentina Stirn auch die Bedeutung der Schönheit. „Überall spielen Bilder eine Rolle, die im besten Fall schöne Gesichter und Körper zeigen.“ Das habe die Ausgangssituation für die heutigen Sin­gles nicht gerade leichter gemacht, zumal die Konkurrenz gewachsen ist. „Früher musste sich ein 20-jähriger Single auf dem Dorf gegen zehn andere gleichaltrige Männer durchsetzen, heute konkurrieren Singles durch das Internet und das Wegfallen der Alters- und Ortsgrenzen gleich mit Tausenden anderen Singles“, sagt Stirn. Das wiederum habe zu einer verstärkten Anonymisierung geführt, in der das einzelne Profil und eine vielleicht negative Antwort nicht mehr so ins Gewicht fallen. „Eine Abfuhr kränkt heute nicht mehr so stark wie früher, weil die Auswahl so riesig ist.“

Heute trennt man sich häufiger und schneller

Und weil die Auswahl groß ist und bleibt, gebe es die Tendenz, sich deutlich schneller zu trennen als früher. „Heute sind viele nicht mehr bereit, zu akzeptieren, dass sich Liebe und Begehren über die Jahre verändern“, so Stirn. Eine Haltung, die dafür sorgt, dass der Single-Markt nicht nur wächst, sondern auch immer in Bewegung bleibt. Jeden Tag melden sich Menschen in Netzwerken und auf Plattformen neu an.

Dazu zählt auch die Plattform Hamburger Singles, auf der derzeit rund 40.000 Personen angemeldet sind. Die Grundidee: Singles sind oft unternehmungslustig, aber allein machen viele Dinge eben keinen Spaß. Über www.hamburgersingles.de können Mitglieder ab 5,99 Euro pro Monat Events einstellen und so Begleiter suchen. Das kann ein gemeinsamer Besuch der Langen Nacht der Museen oder eines Seminars sein, eine Radtour oder ein Theaterabend. Im Schnitt sind mehr als 20 Events eingestellt – kürzlich etwa ein gemeinsamer Besuch der Auslaufparade des Hafengeburtstags. Dieses Treffen war schon Wochen vorher ausgebucht.

Hamburger Singles bleiben lange allein

Um besser zu verstehen, wie die Hamburger Singles ticken, hat die Plattform vor wenigen Monaten unter ihren Mitgliedern eine Umfrage gestartet. Ergebnis Nummer eins: Hamburger Sin­gles bleiben lange allein. Mehr als die Hälfte (55 Prozent) sind seit mehr als zwei Jahren Single, weitere 24 Prozent seit mehr als zwölf Monaten. Nach Deutung des Portals ist die Luft bei vielen bereits raus, da sie die Vorteile des Single-Lebens schon lange genug ausgetestet haben. Das passt zum zweiten Umfrageergebnis, wonach nur 3,4 Prozent aller Befragten angegeben haben, mit ihrem Single-Status glücklich zu sein. Schlechte Laune auf dem Hamburger Singlemarkt?

Bei Face2Face in Eimsbüttel nähert sich der Abend langsam dem großen Finale. Um 23 Uhr sollen alle Singles in einer Bar zusammenkommen und ausgelassen feiern. Doch auf den ersten Blick ist klar, dass es zwischen 19 und 23 Uhr einen gewissen Schwund gegeben haben muss. Wo sind all die Leute hin?

Martin hat das nächste Date schon am übernächsten Tag

Auch Anne ist nirgends zu sehen. Am nächsten Tag wird sie berichten, dass die Männer auch in den folgenden Kneipen „nicht gerade besser“ wurden. „Lauter schräge Vögel.“ Sie habe sich dann mit einer Freundin abgesetzt. Ihr Fazit: „An so einem Single-Event würde ich nicht noch einmal teilnehmen. Das ist nicht mein Ding.“

Auf der großen Abschlussparty will die Stimmung irgendwie nicht so richtig aufkommen. Nur an einem Tisch wird lauthals gelacht und eifrig nachbestellt. Allerdings ist es ein reiner Frauen-Tisch. Kurze Umfrage: Auch hier ist keine fündig geworden, auch hier bekommen die teilnehmenden Männer von den um die 30-Jährigen eher maue Zeugnisse ausgestellt. Bei Bier und Wein werden unter lautem Gelächter die Tops (der nette Typ vom Nebentisch) und die Flops (der Kerl mit den Katzenvideos) ausgetauscht. Tenor: „Wir nehmen es einfach mit Humor und freuen uns, dass wir zumindest gleichgesinnte, nette Frauen kennengelernt haben“, sagt eine.

Auch Martin ist bis zum Ende geblieben. Er sitzt in einer kleinen Tischrunde, unterhält sich links und rechts und sieht ganz zufrieden aus. Er bleibt bis etwa halb zwei und radelt dann nach Hause. Tags darauf erzählt er, dass zwar nicht so richtig was dabei war, dass ihm der Abend aber trotzdem gefallen habe. Beim nächsten Face2Face-Abend würde er wieder teilnehmen. Aber der ist noch mindestens vier Wochen hin – wer weiß, was bis dahin passiert. Martin gönnt sich keine lange Pause. Morgen ist das nächste Date.