Neues Buch

Hier können Sie Vögel in Hamburg entdecken

Buntspechte hört
und sieht man
häufig am
Ohlsdorfer Friedhof

Buntspechte hört und sieht man häufig am Ohlsdorfer Friedhof

Foto: picture alliance

Die Stadt bietet bis zu 160 Vogelarten Lebensraum. Wo man welche antrifft, verrät ein neues Buch. Fünf Beispiele.

Hamburg.  Fast überall in der Stadt wachsen neue Wohnungen in den Himmel – und Grünflächen verschwinden. Doch der Hamburger Biologe und Buchautor Thomas Schmidt bleibt optimistisch: „Unsere gefiederten Nachbarn wissen sich in der Stadt zu behaupten.“ Damit meint er jene Mitbewohner in der Metropole, die Amsel, Meise und Spatz, Neuntöter und Pirol heißen. Die Hansestadt ist ein wahres Paradies mit insgesamt 160 brütenden Vogelarten, das zu Entdeckungstouren einlädt, findet Vogelexperte Schmidt. Und so hat er ein Buch mit dem Titel „Was piept und fliegt in Hamburg?“ veröffentlicht. Von heute an ist es im Handel erhältlich.

Wer singt wann?

Es ist ein ebenso informativer wie unterhaltsamer vogelkundlicher Führer durch 13 Biotope in der Stadt – von Duvenstedter Brook bis Fischbeker Heide. Das Abendblatt stellt fünf Touren vor.


In Planten un Blomen steht eine alte Platane, die bereits 1821 gepflanzt wurde. Der Tierforscher Alfred Brehm (1829–1884) lustwandelte an ihr vorbei, und unzählige Zilpzalpe, Heckenbraunellen und Gimpel rasteten unter ihren großen Blättern. Bis heute. Am Ufer des großen Teichs in den Wallanlagen putzen Stockenten, Teichhühner und Haubentaucher in der Frühlingssonne ihr Gefieder. Mitten in der Stadt piept und fliegt es zu jeder Jahreszeit. „Mehr als 30 Vogelarten wurden hier gezählt“, weiß Schmidt, der seit vielen Jahren vogelkundliche Kurzwanderungen durch die Hansestadt veranstaltet.

Wer in Planten un Blomen selbst auf Vogeltour gehen will, startet an den U-Bahn-Stationen St. Pauli (U 3) oder Stephansplatz (U 1).


Wo auf dem heutigen Höltigbaum in Rahlstedt vor rund 13.000 Jahren Rentierjäger lebten, können heute auf einer offenen Weidelandschaft seltene Vögel wie Steinschmätzer, Wachtelkönig und Neuntöter beobachtet werden. Vorausgesetzt, man hat ein bisschen Glück, sie zu entdecken. Weil zahllose Insekten – allein 189 Nachtfalterarten fliegen auf dem Höltigbaum – reichlich Nahrung bieten, brüten hier 117 verschiedene Vogelarten. Vom Neuntöter mit der schwarzen Banditenmaske wird überliefert, dass er seine Beute (Mäuse, Eidechsen) erst dann verspeist, wenn er neun Exemplare erlegt hat. Selbst einen Turmfalken hat Vogelkundler Schmidt bei einer Wanderung über die Weiden beobachtet – „rüttelnd in der Luft“ und zum Sturzflug auf sein ahnungsloses Opfer, eine Maus, bereit.

Zum Höltigbaum mit der RB 81 bis Rahlstedt, danach mit dem Bus 462 bis Eichwischen.


Wer den Elbwanderweg erkundet, sollte nicht nur auf das Wasser, sondern auch mal auf Deiche, Wiesen und in den Himmel schauen. 40 Brutvogelarten sind hier zu Hause, allen voran die Möwen und die rotschnäbeligen Austern­fischer, die laut und keck „Kliip“ rufen. Der Haussperling ist dagegen immer seltener in der Stadt anzutreffen. Teilweise beträgt der Rückgang um mehr als 40 Prozent. Ein Grund liegt darin, dass durch Altbausanierung Brutplätze verloren gehen. „Es fehlt außerdem an Häusern, die mit Efeu und wildem Wein bewachsen sind“, schreibt Thomas Schmidt.

Der Elbwanderweg reicht von Neumühlen bis Wedel (Elbfähre 62; u. a. Buslinie 112).


Auf dem Ohlsdorfer Friedhof, dem mit 400 Hektar größten Parkfriedhof der Welt, nisten 50 Vogelarten. Häufig ist das Trommeln der Buntspechte zu hören. Und manchmal ertönt aus einer knorrigen Eiche in der Nähe des Haupteingangs ein unheimliches „Uu-hu“. Seit einigen Jahren brütet der Uhu auf dem Ohlsdorfer Friedhof. Auch für die Waldohreule gibt es unter den 36.000 Bäumen zahlreiche Verstecke. In Hamburg ist sie mit 90 Brutpaaren die häufigste Eulenart.

Haupteingang Ohlsdorfer Friedhof: U 1 und S 1/S 11 bis Ohlsdorf.

Der Duvenstedter Brook, Hamburgs zweitgrößtes Naturschutzgebiet, ist längst zur Kinderstube der Kraniche geworden. Mittlerweise kommen jährlich bis zu 15 Kranichpaare vor. Um sie zu schützen, wachen Nabu-Mitarbeiter von Ende März bis Ende Juni darüber, dass die Kraniche unbehelligt ihren Nachwuchs großziehen können. Im Herbst starten sie mit ihren typischen Trompetenrufen Richtung Spanien und Afrika.

Mit der S-Bahn (S 1/S 11 ) bis Poppenbüttel, dann mit der Buslinie 276 zum Duvenstedter Triftweg.