Wettbewerb

Hamburger S-Bahn-Fahrer zeigt besonders viel Herz

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Claudia Eicke-Diekmann
S-Bahn-Fahrer Sven Krolikowski brachte nach Dienstschluss in der Nacht eine ältere Dame nach Hause

S-Bahn-Fahrer Sven Krolikowski brachte nach Dienstschluss in der Nacht eine ältere Dame nach Hause

Foto: Privat/HA

Sven Krolikowski brachte nach Betriebsschluss in der Nacht eine ältere Dame nach Hause. Dafür wurde er in Berlin geehrt.

Hamburg. Sven Krolikowski wurde am Mittwochabend vom Verein Allianz pro Schiene in Berlin als Eisenbahner, der im Dienst "besonders viel Herz gezeigt hat", geehrt. Der S-Bahn-Fahrer ist damit Hamburger Landessieger im Wettbewerb "Eisenbahner mit Herz". Vorgeschlagen für die Auszeichnung hatte ihn Fahrgast Birgit Stolzke aus Buxtehude.

Die Dame hatte im vergangenen Jahr den Opernball in Stade besucht. Für die Rückfahrt hatte sie sich die letzte S3 ab Stade um 1.35 Uhr im Internet herausgesucht. Umso ratloser war sie, als sie mitten in der Nacht am Bahnhof ankam und keine Anzeige mehr zu sehen war. Eine S3 aus der Gegenrichtung fuhr ein und Birgit Stolzke wandte sich in ihrer Not an den Lokführer, der gerade aus seinem Führerhäuschen kletterte. Es war die letzte S3 für diese Nacht.

Birgit Stolzke fährt jetzt noch lieber mit der Bahn

Nun war die Reisende wirklich ratlos. „Sollte das heißen, dass ich in meinem nicht allzu warmen Kleid und den dünnen Schuhen auf die erste S-Bahn am Morgen warten muss? Oder dass ich für 60 Euro mit dem Taxi nach Buxtehude fahre?“ Der Lokführer Sven Krolikowski von der Hamburger S-Bahn überlegte nicht lange. „Es klang für mich fast wie ein Scherz, aber er sagte: Wenn Sie einen Augenblick Zeit haben, fahre ich Sie nach Hause.“ Birgit Stolzke, die aus einer Bahnerfamilie stammt, fasste Vertrauen und zögerte keinen Augenblick, das freundliche Angebot anzunehmen. „Ich fand die selbstlose Hilfe meines Lokführers einer älteren Frau gegenüber nach seinem Feierabend einfach nur klasse“. Ihr Fazit: Sie fährt jetzt noch lieber mit der Bahn.

Der Verein Allianz pro Schiene vergibt die Auszeichnung "Eisenbahner mit Herz" jährlich. Mit Gold ehrt die Jury in diesem Jahr zwei Mitarbeiter von Abellio, die eine blutige Messerstecherei auf einem Zug mit kühlem Kopf bestanden haben. Der Triebfahrzeugführer Dirk Otte und die Kundenbetreuerin Maria Voigt „sind trotz der Gefahr fürs eigene Leben vorbildlich für die Verletzten und ihre Fahrgäste dagewesen“, urteilte die Jury.

Zugbegleiter überwindet Sprachgrenzen

Silber erhält der Zugbegleiter Sadik Tubay von National Express, der die Notlage einer Flüchtlingsfrau ohne Fahrkarte mit kreativen Dolmetscherkünsten löste. „Das ist ein Eisenbahner, der alle Sprachgrenzen überwindet“, begeisterte sich die Jury.

Bronze gewinnt der ICE-Zugbegleiter Christian Mainka von DB Fernverkehr München, der eine versprengte Reisegruppe aus den USA wieder zusammengeführt hat. „Dieser Zugchef macht keine halben Sachen“, lobte die Jury. „Er lieferte die beiden Schüler aus Texas höchstpersönlich am Bestimmungsort ab.“

Lokführer rettet verletzten Uhu

Der Sonderpreis Naturschutz geht an den DB Cargo-Lokführer Kai Steinkamp, der eine verletzte Eule zwischen den Rädern seiner Lokomotive geborgen und der Tierrettung übergeben hat. Dass der Uhu den Zusammenstoß mit dem Güterzug überlebt hat, „zeigt dass dieser Lokführer viel Herz besitzt und viel Verstand dazu", so die Jury.

Landessieger aus neun Bundesländern

Bahnkunden hatten bis zum Januar rund 160 Geschichten an die Allianz pro Schiene geschickt. Aus den besten Reisegeschichten kürte die Jury neben den Bundessiegern in diesem Jahr auch Landessieger aus neun Bundesländern.

Der Wettbewerb Eisenbahner mit Herz findet in diesem Jahr zum siebten Mal in Folge statt. Die Zahl der Einsendungen ist seit dem Start auf über 1400 angewachsen. Geschichten von Bahnkunden für die nächste Runde nimmt die Allianz pro Schiene ab sofort wieder unter www.eisenbahner-mit-herz.de entgegen.

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