Hamburg

Osterfeuer in Blankenese steht auf der Kippe

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Katy Krause
Schaulustige beobachten an der Elbe in Hamburg-Blankenese bei untergehender Sonne das traditionelle Osterfeuer (Archiv)

Schaulustige beobachten an der Elbe in Hamburg-Blankenese bei untergehender Sonne das traditionelle Osterfeuer (Archiv)

Foto: Angelika Warmuth / dpa

Starke Windböen sind vorhergesagt. Das Wetter und strengere Behördenauflagen demotivieren die Aufbauer. Aufseher vor Ort.

Hamburg.  Die Aussichten für Ostersonnabend sind trüb. Das Wetter soll schlecht werden. Aber nicht nur das drückt auf die Stimmung der Blankeneser Osterfeuerhelfer. Es sind vor allem die neuen Regeln, die das Bezirksamt Altona für die Großveranstaltung am Elbstrand festgelegt hat, die ihnen Kopfzerbrechen bereiten. Erstmals gibt es in diesem Jahr die klare Ansage, dass die Feuer bei Südwind ausbleiben. So blicken Aufbauer und Besucher gebannt auf die Wettervorhersage. Die gibt bislang wenig Grund zur Freude.

--- Wo sich die Hamburger in den Stadtteilen zum Osterfeuer treffen ---

„Die Osterfeuer stehen aus meteorologischer Sicht auf der Kippe“, sagt Alexander Hübener vom Institut für Wetter- und Klimakommunikation am Mittwoch. Nach derzeitigen Modellen und Berechnungen käme der Wind zwar aus westlicher bis nordwestlicher Richtung.

Vorhersage der Windrichtung schwierig

„Gestern ging die Tendenz aber noch mehr zu Südwesten“, so Hübener. Da sich ein Tiefdruckgebiet durchgesetzt habe, das mit unterschiedlichen Windrichtungen einhergehe, sei es schwer, die genaue Richtung vorherzusagen.

„Eine kleine Änderung der Zugentwicklung kann große Auswirkungen auf die Windrichtung haben“, erklärt Hübener. Klar ist, dass es am Ostersonnabend kalt und windig wird. Windböen der Stärke sechs bis sieben sagt Hübener anhand der Berechnungsmodelle voraus. Die Temperaturen würden zwischen sieben bis zehn Grad Celsius liegen. Sprich: Wer sich zum Elbstrand aufmacht und dem Wetter trotzt, wird das Bedürfnis haben, sich am Feuer zu wärmen.

Bezirksamt will kurzfristig entscheiden

Hübener rechnet damit, dass am Freitagnachmittag klar ist, woher der Wind zu Ostern weht, und somit, ob die Feuer angezündet werden dürfen. Das sieht man auch beim Altonaer Bezirksamt so. „Es ist momentan schwer zu sagen, ob die Veranstaltung stattfinden kann“, sagt Martin Roehl, Sprecher des zuständigen Altonaer Bezirksamts, mit Blick auf die Wettervorhersagen. „Man wird kurzfristig entscheiden.“

Für die zahlreichen Blankeneser, die sich Jahr für Jahr zusammenfinden, um die vier großen Osterfeuer am Elbstrand gemeinsam aufzuschichten, ist das keine aufbauende Nachricht. Dabei ist die Stimmung unter den Anwohnern ohnehin schlecht. Grund dafür: Nach Problemen im vergangenen Jahr zieht das Amt die Zügel straffer. Das heißt: Beim Ausmaß der Feuer gibt es keinen Spielraum mehr. Überdimensionierte Holzhaufen werden rigoros abgeräumt. Die dafür nötigen Geräte sollen einsatzbereit am Strand stehen.

Zudem werden diesmal bei jedem der vier großen Osterfeuer Verwaltungsmitarbeiter stehen. Sie sollen kontrollieren, ob die Regeln eingehalten werden, und notfalls eingreifen. Die Vorgaben lauten: Nicht breiter als acht Meter, nicht höher als fünf Meter (bis auf den zehn Meter hohen Mittelmast, an den die Puppe kommt), kein Brandbeschleuniger und keine belasteten Brennmaterialien.

Veranstalter der Osterfeuer gibt es nicht

Unter den Augen von Kontrolleuren zu arbeiten mit Blick auf die Bagger als latenter Drohung – diese Aussicht schmeckt den Blankenesern überhaupt nicht. Viele Helfer überlegen in diesem Jahr, sich die harte körperliche Arbeit und den Aufwand zu sparen. Dann wäre die Debatte um die Windrichtung ohnehin egal. Denn einen Veranstalter der Osterfeuer gibt es nicht, sie werden vom Bezirk geduldet. Seit Jahrhunderten finden sich die Blankeneser einfach zusammen, bauen das jeweils zu ihnen gehörende Feuer auf.

„Es droht, eine Tradition verloren zu gehen, die es seit mehr als 600 Jahren gibt“, sagt ein Blankeneser Notar. Wie viele der Aufbauer möchte er aufgrund von Haftungsfragen nicht mit Namen genannt werden. „Das ist so schade, was hier gerade passiert. Die Osterfeuer sind etwas, das diesen Ort ausmacht und ihn von einem Millionärshügel abhebt“, so der Blankeneser.

60 Feuerwehrleute und Rettungskräfte bereit

Er verfasste auch ein fünfseitiges Schreiben an das Bezirksamt und appelliert inniglich, die besondere Tradition der Blankeneser Osterfeuer nicht durch Behördenregularien im Keim zu ersticken. Bislang blieb sein Bitten ungehört. Der Wunsch der Feuerbauer, die Maße bei Bedarf etwas auszudehnen, wird vom Bezirksamt abgelehnt. „Wenn etwas passiert, stecken wir in der Bredouille, und das will doch nun wirklich niemand“, argumentiert Kersten Albers als stellvertretender Bezirksamtschef.

Damit nichts passiert und keine Funken die reetgedeckten Häuser im Treppenviertel in Brand setzen, werden am Sonnabend mindestens 60 Feuerwehrleute und noch einmal so viele Rettungskräfte im Einsatz sein – wenn die Feuer entzündet werden.

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