Nahverkehr

HVV plant Busse auf Bestellung – und wird wieder teurer

Der HVV will seinen Kunden in Randzeiten und -gebieten weiter entgegenkommen

Der HVV will seinen Kunden in Randzeiten und -gebieten weiter entgegenkommen

Foto: Christian Charisius / dpa

Modellversuche zu Bussen auf Abruf und einem automatischen Ticketsystem sollen den HVV attraktiver machen – Preise steigen trotzdem.

Hamburg. Der öffentliche Nahverkehr in Hamburg zieht immer mehr Passagiere an: Der Hamburger Verkehrsverbund (HVV) meldet für das vergangenen Jahr insgesamt 770,5 Millionen Fahrgäste, 19,5 Millionen mehr als noch 2015.

Auch die Ticketeinnahmen stiegen um 36 Millionen auf 825 Millionen Euro – unter anderem durch die gestiegene Nachfrage von Studenten und Flüchtlingen. Dennoch kündigt der HVV an, dass eine weitere Preiserhöhung zum 1. Januar ansteht. Bis dahin sollen mehrere innovative Angebote in den Betrieb gehen.

HVV plant Kleinbusse auf Bestellung – aber nicht als Taxi-Konkurrenz

Erstmals sollen Fahrgäste an den Randgebieten der Stadt Kleinbusse „bestellen“ können, sagten die Geschäftsführer Lutz Aigner und Dietrich Hartmann an. In Testzonen – unter anderem im Hamburger Hafen und in Billbrook – soll es eine Plattform geben, auf der Kunden nach Bedarf einen Kleinbus bestellen können, der sie innerhalb des HVV-Netzes an ihr Ziel bringt. So solle in Randzeiten und gering frequentierten Gebieten langfristig ein flexibles Nahverkehrsangebot entstehen, sagte Hartmann.

Das Angebot richte sich etwa an Mitarbeiter von Unternehmen im Hafen. Auch einzelne Fahrgäste könnten von den Bussen „auf Zuruf“ abgeholt werden – allerdings nicht ab der eigenen Haustür, sondern entlang der bestehenden Streckenkorridore. „Das Angebot ist keine Konkurrenz zu Taxis“, betonte Dietrich Hartmann. Der Modellversuch soll im Jahr 2018 evaluiert werden, auch die Hamburg Port Authority (HPA) ist als Partner eingebunden.

Digitale Abokarten und ein automatisches Handy-Ticket

Parallel dazu setzt auf der HVV darauf, das Ticketsystem zu digitalisieren. Sukzessive werden bei bis zu 50.000 Kunden pro Monat die bisherigen Abo-Karten mit Wertmarke durch eine elektronische Plastikkarte ersetzt. Das System hat aus Sicht der Betriebe zwei Vorteile: Die Wartezeiten in den Servicestellen sollen reduziert und der Handel mit gefälschten Tickets eingedämmt werden. Professionelle Banden hatten nach Schätzungen des Verbundes zuletzt damit einen Schaden von zehn Millionen Euro im Jahr angerichtet.

Im Rahmen des Modellprojektes „Check In / Be Out“ testet der HVV zudem ein vollautomatisches Ticketsystem für das Smartphone. Ab Mitte des Jahres sollen auf Teilstrecken sogenannte „Beacon“-Empfänger an den Zügen und Bussen mit der Handy-App der Passagiere korrespondieren und anhand der Fahrstrecke die richtige Fahrkarte buchen. Gelingt der Modellversuch, soll das System bereits ab 2018 im gesamten HVV-Netz gelten.

Die geplante Preiserhöhung hänge nicht mit den Investitionen zusammen, sondern errechne sich wie in den vergangenen Jahren etwa aus Personal- und Kraftstoffkosten, so die HVV-Geschäftsführer. Wie viel Prozent die Tickets zum kommenden Jahr teurer werden, steht noch nicht fest.