Klavierbauer

Mehr Flügel nach Maß – was der neue Steinway-Chef plant

Guido Zimmermann
ist seit
März Geschäftsführer
bei Steinway
& Sons

Guido Zimmermann ist seit März Geschäftsführer bei Steinway & Sons

Foto: Klaus Bodig / HA

Guido Zimmermann soll Privatgeschäft beim Hamburger Klavierbauer ankurbeln. Weltweit Investitionen von 20 Millionen Euro

Hamburg.  Dass es eine komplexe Sache ist, einen Flügel zu bauen, war Guido Zimmermann klar. Wie viel Handwerkskunst und Leidenschaft dazugehört, lernt der neue Chef beim Hamburger Instrumentenbauer Steinway & Sons gerade. In den ersten Abteilungen hat er inzwischen hospitiert, Arbeitsabläufe und Mitarbeiter kennengelernt. „Man spürt überall in der Fabrik die besondere Sprache der Musik“, sagt der Manager und klingt dabei ausgesprochen begeistert.

Das hat etwas mit seiner Geschichte zu tun: Der Marketing- und Vertriebsprofi stammt aus einer Tischlerfamilie und ist passionierter Musikliebhaber. Zugleich hat seine Berufung zum Vice President & Managing Director Europe in dem sehr auf Tradition bedachten Unternehmen auch etwas von einem Tabubruch. Zimmermann kommt vom Edelfüller-Hersteller Montblanc, blickt anders als etwa sein Vorgänger Werner Husmann nicht auf eine lange Steinway-Geschichte. „Ich bringe die Erfahrungen bei einer Premiummarke mit ähnlichen Werten mit“, sagt der 44-Jährige, der die Geschäfte noch bis Anfang 2018 mit Manfred Sitz als Doppelspitze führt, bevor dieser altersbedingt ausscheidet.

Nachfrage stagniert

Beim führenden Flügelbauer hatte man offenbar jemand von außen gesucht. Zwar stehen Steinway-Flügel nahezu in jedem Konzerthaus der Welt, insgesamt stagniert die Nachfrage in der Branche aber seit Jahren. Konkrete Verkaufszahlen nennt das Unternehmen nicht. Erste Aufgabe für den Mann an der Spitze ist eine Neukonzeption des Angebots für den privaten Markt. Im Mittelpunkt steht das Steinway-Selbstspielsystem Spirio. Eingebaut in einige Modelle können sich Liebhaber Künstler wie Lang Lang oder Jazzer Jacob Karlzon akustisch nach Hause holen – und auch selbst in die Tasten greifen.

500 Mal wurde die Innovation bislang weltweit verkauft, zu Preisen ab 100.000 Euro. „Die Nachfrage ist groß. Dieses Jahr sind wir fast ausverkauft“, sagt Zimmermann. 2018 werde die Produktion erhöht. Weitere Ideen zur Vermarktung hat der neue Geschäftsführer von Montblanc mitgebracht: So soll der Bereich der Maßanfertigungen ausgebaut werden. Derzeit sind 95 Prozent der mehr als 1200 in Hamburg gebauten Instrumente schwarz lackiert. Neu sind auch limitierte Editionen. Erster Kooperationspartner ist der italienische Möbelhersteller Baldi. „Maxime bleibt die perfekte Produktqualität, die wichtig ist als betriebswirtschaftliche Kennzahlen“, sagt Zimmermann.

In Paris eröffnet der erste Flagship-Store

Auch das Einzelhandelskonzept will er weiterentwickeln. Dabei setzt Steinway wieder verstärkt auf den europäischen Markt. Im Mai eröffnet in Paris der erste Flagship-Store. Die Kunden erwarte dort „ein exklusiver Showroom“, so Zimmermann. Steinway London wird noch in diesem Jahr renoviert.

Insgesamt plant das Unternehmen 2017 Investitionen in Höhe von 20 Millionen Euro. Im wachsenden asiatischen Markt stellt sich der Premium-Flügelbauer neu auf. In Shanghai entsteht ein Distributionszentrum, in Peking wird ein Laden eröffnet. Auch die sieben Standorte in Deutschland bekommen eine Aufhübschung. Dabei soll an dem Steinway-Geschäft gegenüber der Klavierfabrik in Bahrenfeld nicht gerüttelt werden. Aber, so der neue Chef, „es ist nicht auszuschließen, dass es in Hamburg irgendwann einen zweiten Showroom in zentraler Lage gibt.“