Hamburg

G20-Gipfel: Polizei verstärkt Schutz von Innensenator Grote

Innensenator Andy Grote (SPD) traf sich während des OSZE-Gipfels
mit Polizisten vor den Messehallen

Innensenator Andy Grote (SPD) traf sich während des OSZE-Gipfels mit Polizisten vor den Messehallen

Foto: André Zand-Vakili / HA

Dafür müssen Zivilfahnder, die eigentlich Taschendieben das Handwerk legen sollen, abgezogen werden.

Hamburg.  Die Zivilfahnder der Region Mitte 1 sind umtriebig und dauernd im Einsatz – immerzu Taschen- und Trickdieben auf der Spur. Ihr Spezialgebiet ist die Alltagskriminalität. Sie patrouillieren beispielsweise entlang der Mönckebergstraße und im Bereich Neuer Wall – genau dort, wo Kleinkriminelle bevorzugt zuschlagen. Im Bereich zwischen St. Georg und St. Pauli verzeichnet die Polizei mehr als 10.000 derartige Taten pro Jahr. Auch die Soko „Castle“, die für die Einbruchsbekämpfung zuständige Eliteeinheit, baut auf diese Kräfte.

Wie die im Verborgenen operierenden 32 Polizeibeamten, die an den Innenstadtwachen 11, 14, 15 und 16 beschäftigt sind, mit dem G20-Gipfel zusammenhängen? Nach Informationen des Abendblatts sollen sie jetzt, 100 Tage vor Beginn der politischen Großveranstaltung in Hamburg, „in relevanter Größe“ im Bereich der sogenannten Vorfeld-Aufklärung rund um die Wohnung von Innensenator Andy Grote (SPD) eingesetzt werden. Für die Bekämpfung der Alltagskriminalität stehen sie dann nicht mehr im gewohnten Umfang zur Verfügung. Auch andere Polizeikräfte sollen in die neue Aufgabe eingebunden werden.

Heiße Gipfelphase

Bisher erhielt nur Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) neben dem obligatorischen Personenschutz einen Objektschutz durch „verpostetes“, also permanent dort abgestelltes Personal. Weil im Zuge der anlaufenden heißen Gipfelphase die Sicherheitsmaß­nahmen für gefährdete Personen hochgefahren werden, wird nun auch der Objektschutz auf Senator Grote ausgedehnt. Bisher gab es für seine Wohnung lediglich technische Sicherungsmaßnahmen.

Die ersten Hundertschaften sind schon da

Die Maßnahme, die von sofort an gilt, verwundert kaum: 100 Tage vor dem Beginn des Gipfels gab es bereits mehrere Anschläge. An der Schmarje­straße, unweit der Wohnung von Bürgermeister Scholz, steckten mutmaßlich Linksextremisten ein Polizeifahrzeug an; gleichzeitig brannte ein Minibus der Gewerkschaft der Polizei (GdP). Erst am Montag der vergangenen Woche gingen im Hinterhof der Eimsbütteler Polizeidienststelle an der Grundstraße vier Mannschaftswagen in Flammen auf. Aufgeklärt sind diese Fälle noch nicht. „Allerdings nehmen wir eine erhöhte Aufmerksamkeit der Bevölkerung im Zusammenhang mit Fahrzeugbrandstiftungen wahr“, sagte Polizeisprecher Timo Zill.

Brandstiftung an Autos in Blankenese:

Dann bekannte sich eine Gruppe namens „eat the rich“ im Internet zu einem Brandanschlag auf drei Luxusautos in Blankenese am vergangenen Freitag. Wie das Abendblatt aus linken Kreisen erfuhr, soll der April als „Aktionsmonat“ die „heiße Phase“ vor dem Gipfel einläuten. Die Polizei rechnet daher mit weiteren „Mobilisierungsstraftaten“. Grote selbst steht als Innensenator ganz besonders im Fokus der Szene: So protestierten Linke mehrfach lautstark vor seiner Wohnung auf St. Pauli, zuletzt versammelten sie sich dort am 27. März.

Gerechtfertigt ist der Einsatz der Zivilfahnder damit allemal. Nur fehlen sie dann möglicherweise dort, wo sie eigentlich benötigt werden. Wie erfolgreich sie arbeiten, zeigt auch ein Blick in die Kriminalstatistik. Nach mehreren Schwerpunkteinsätzen sank die Zahl der Taschendiebstähle 2016 im Vergleich zum Vorjahr um fast zehn Prozent.

Wie viele Zivilfahnder (und andere Polizisten) zur Überwachung von Grotes Wohnung abgestellt werden, gibt die Polizei aus taktischen Erwägungen nicht preis. Ein Einfallstor für Taschendiebe soll die Innenstadt aber durch den partiellen Abzug der Kräfte nicht werden. „Neben der Bekämpfung priorisierter Kriminalitätsfelder wird es uns natürlich hauptsächlich darum gehen, die Auswirkungen für die Hamburger Bevölkerung so gering wie möglich zu halten“, sagte Zill.

Allerdings sind die Kräfte der Hamburger Polizei begrenzt, sie muss mit mehreren Bällen jonglieren, um den bisher größten Einsatz in ihrer Geschichte zu händeln. Vor und während des Gipfels werden mehr als 15.000 Polizisten aus allen Bundesländern in Hamburg eingesetzt, Sicherheitsbehörden gehen von rund 150.000 Demons­tranten und wenigstens 4000 gewaltbereiten Menschen aus dem linken Spektrum aus. Schon jetzt gibt es 19 angemeldete politische Veranstaltungen – eine gewaltige Herausforderung.

Herausforderung für die Polizei

Das führt auch dazu, dass das auf Kriminalitätsphänomene wie Taschendiebstahl spezialisierte Personal kurzfristig andere Aufgaben übernimmt. Polizeisprecher Zill: „Die Herausforderung für die Polizei in den nächsten knapp 100 Tagen wird darin bestehen, diese zusätzliche Aufgabe mit anderen Maßnahmen wie beispielsweise der Bekämpfung des Taschendiebstahls, der öffentlich wahrnehmbaren Drogen­kriminalität, des Wohnungseinbruchs, Maßnahmen am Hauptbahnhof, aber auch Großveranstaltungen wie dem Hafengeburtstag klug auszutarieren.“