Hamburg

Spektakuläre Bilder: Die unbekannten Seiten der Alster

Die Oberalster bei Rade in der Abenddämmerung – wie ein verwunschenes Märchenland

Die Oberalster bei Rade in der Abenddämmerung – wie ein verwunschenes Märchenland

Foto: KJM Buchverlag/Johannes Groht

So haben Sie die Alster noch nicht gesehen: Ein Buch zeigt, wie sich der Fluss von Schleswig-Holstein bis nach Hamburg schlängelt.

Hamburg.  Es sind faszinierende Bilder eines Flusses, den die Hamburger zwar ihr Eigen nennen, ihn jedoch nicht immer von Grund auf kennen – auch wenn die Stadt an der Alster gegründet wurde. Zwischen 1307 und 1310 von holsteinischen Grafen erworben, befindet sich der 56 Kilometer lange Wasserweg seit mehr als sieben Jahrhunderten in Hamburger Besitz. Ebenso erstaunlich: Ein Teil der Alster steht unter Denkmalschutz.

Dass es jetzt ganz neue An- und Einsichten gibt, ist ein Werk des KJM Buchverlags aus Blankenese. Der Titel des Fotobuchs „Die Alster – Das Wesen des Flusses“ ist Programm. Dahinter steckt neben einer Philosophie des Wassers eine pfiffige Idee. Atemberaubende Bilder, zu allen Jahreszeiten an allen möglichen Stellen fotografiert, stehen in Kontrast zu kunstvollen Aufnahmen von Wasserpartikeln, die an den jeweiligen Orten entnommen und mittels Dunkelfeldmikroskopie dokumentiert wurden. Das Ergebnis auf 176 Seiten ist sehenswert.

Erkundungen von der Quelle bis zur Mündung

„Welchen Weg nimmt eigentlich ein Wassertropfen, der aus der Quelle stammt?“, fragte sich Verleger Klaas Jarchow. „Und wohin fließt er?“ Der Hamburger Fotograf Johannes Groht, selbst im Dunstkreis der Alster aufgewachsen, machte sich auf den Weg, um den Flusslauf zu erkunden – von der Quelle bei Henstedt-Rhen bis zur Mündung bei der Graskellerschleuse in die Elbe.

„Die Alster erschien mir wie etwas Lebendiges, wie ein Wesen“, erkannte Groht. „Sie drückt sich aus in Geräuschen, im leisen Plätschern eines schmalen Baches wie im Tosen eines Wasserfalls am Wehr.“ Der Fluss verströme Dunst und Geruch, von den dunklen, moorigen Quellgründen bis zu der feinen, energiegeladenen Atmosphäre auf einer Brücke über dem fließenden Wasser.“ Groht gelang es, diese Eindrücke fotografisch festzuhalten.

Sein Fotografen-Kollege Ulrich Kurt Dierssen schuf tiefer gehende Aufnahmen. Die an unterschiedlichen Alsterstellen entnommenen Tropfen brachte er auf Glasträger auf, untersuchte sie mit dem Mikroskop im Dunkelfeld und fotografierte Mikrostrukturen, die das Wasser beim Verdunsten hinterließ. Das optische Resultat lädt zum Hingucken und Sinnieren ein. Es sind außerordentliche, geradezu magische Aufnahmen wie aus einer fremden Welt.

Unter dem Strich ergibt sich viel mehr als das gewohnte Alsterbild mit Booten und Dampfern auf dem früheren Mühlenteich, der Außen- und Binnenalster. Der aktuelle Bildband spannt den Bogen weiter. Garniert werden die Fotos von informativen Texten über die Arbeit der beiden Fotokünstler, aber auch über Kultur, Landschaft und Biologie der Alster. So sind Details über die Geschichte des Flusses zu erfahren – und über seine Zukunft. Die Renaturierung des Flusslaufs geht voran. Schon bald entstehen die ersten Fischtreppen. Mit den Fischen werden, so die Hoffnung, weitere Tiere zurückkehren. Das Wesen der Alster, so der Titel, wird belebt.

„Die Alster – Das Wesen des Flusses“, KJM Buchverlag, 176 Seiten, 24 Euro