Wiedervorlage

Wie aus kleinster Burg Europas die Alsterphilharmonie wird

Die beiden Burgherren Miriam und Helge Hager veranstalten Lesungen, Film- und Glücksspielabende

Die beiden Burgherren Miriam und Helge Hager veranstalten Lesungen, Film- und Glücksspielabende

Foto: Andreas Laible / HA / A.Laible

Eigentümer haben aus der 1887 erbauten Miniatur ein Kulturzentrum für Poppenbüttel gemacht. Warum hier so viel verboten ist.

Hamburg.  Poppenbüttels heimliches Konzert- und Kulturzentrum funktioniert bestens: auf Spendenbasis in Europas kleinster Ritterburg. Idyllisch an der Alster und direkt an der Poppenbütteler Schleuse gelegen, hat sich die nur 43 Quadratmeter große Hennebergburg auf dem gut 3000 Quadratmeter großen Parkgrundstück in nur zwei Jahren fest in den Herzen der Alstertaler etabliert. Mit einem vielfältigen Programm aus Musik, Film, Lesungen, Gesundheit und einem Glücksspielabend zum Jahreswechsel.

„Wir haben tolle, zum Teil begeisterte und sogar dankbare Resonanz gefunden“, sagt Miriam Hager, die neue Burgherrin. Das Geld für das Gebäude, die Künstler, Seminarleiter und Fest-ausrichter kommt allein aus Spenden. Denn in der 1887 als Kulisse für die Gartenfeste des Alstertaler Großgrundbesitzers Albrecht Henneberg erbaute Miniburg ist heute fast alles verboten. Dauerhaftes Wohnen geht nicht, Gewerbe auch nicht. Baurecht, Denkmal- und Naturschutz entfalten hier ihre schönsten Blüten.

Konzerte im kleinen Rittersaal

Feste und Einladungen zu Seminaren und ähnlichem sind aber erlaubt. Und in diesem Rahmen darf die gemeinnützige Stiftung der beiden Burgherren Miriam und Helge Hager veranstalten, einladen und Geld vereinnahmen, solange es freiwillig gespendet und nicht zwangsweise erhoben wird.

„Das funktioniert ganz gut“, sagt Miriam Hager, „nicht alle, aber viele Gäste sind sehr großzügig. Die Burg kann überleben und sogar etwas wachsen.“ Silvester gab es ein Fest mit echten Croupiers, Roulette- und Blackjack-Tisch und einem Glücksspielsieger des Abends (ohne Geldgewinne), ansonsten dominieren Kammerkonzerte, Singer-Songwriter und argentinische Musik, Yoga-Kurse, Lesungen und Gesundheitsangebote. Einmal monatlich gibt es mit der „Milonga an der Alster“ Tango-Abende (von April bis September) sowie Kultur-Kino mit Originalfilmen im Rittersaal.

Die Burg entstand 1887 als Nachbau des aus dem elften Jahrhundert stammenden thüringischen Familienstammsitzes der Hennebergs im Maßstab 1:4. Kein Wunder also, dass ein breiter, voll aufgerödelter Ritter mit Rüstung nicht in den Turm passt.

Auch der „Henneberg“ ist künstlich. Er wurde eigens für die Gartenanlage im damals bäuerlichen Poppenbüttel aufgeschüttet. Doch schon um 1910 war es vorbei mit der Landwirtschaft, und die Hennebergs selbst beteiligten sich an Parzellierung und Verkauf der Ländereien für den Siedlungsbau. Die Burg geriet in Vergessenheit. Erst 2013 kauften sie die Hagers als leer stehende, arg verwohnte Datscha und zugewachsen wie Dornröschens Schloss. Die Pantry flog heraus, der Garten wurde bezähmt, das schwülstige Ledersofa entsorgt, der „Rittersaal“ mit rund 50 Plätzen für Konzerte hergerichtet und mit einem stilvollen Holzofen gegen Kälte bewehrt.

Philharmonie an der Alster

2016 kam mit der „Alsterphilharmonie“ die kleine, überdachte Außenbühne am Wasser dazu. Mit immerhin schon 125 Plätzen. Für Konzerte und Tanzveranstaltungen. Dann mauserte sich ein kleines Nebengebäude am Fuße des „Berges Henne“ und direkt am Wasser zur Kapelle: Es erhielt ein Türmchen, einen gotischen Bogen und einen französischen Fliesenfußboden. Etwa 25 Menschen finden auf den Bänken Platz für Seminare, Konzerte oder auch Hochzeiten. Von Oktober an sollen sogar Standesbeamte anrücken, um den kirchlichen Segen amtlich zu vervollständigen.

Jüngstes Projekt ist der Anbau eines Bades. So soll den Gästen in Kapelle und „Alsterphilharmonie“ der doch recht lange Aufstieg zum WC erspart bleiben, der bislang zwingend ist: Nur die Burg auf der Spitze des Hennebergs hat sanitäre Einrichtungen. Die Gastgeber wollen ebenfalls profitieren: Das Bad soll Platz für einen Geschirrspüler bieten und damit die Reste der Feste besser spülbar machen. Im Namen der Leichtigkeit, Harmonie und Kultur.

Das Burgenprogramm und Reservierungen: www.burg-henneberg.de oder per E-Mail an reservierung@burg-henneberg.de