Stillstand

Johannes Kahrs, der Fernsehturm und eine seltsame Verlosung

Der Hamburger Heinrich-Hertz-Turm  sendet unter anderem für das Digitalradio

Der Hamburger Heinrich-Hertz-Turm sendet unter anderem für das Digitalradio

Foto: dpa

Millionen Euro stehen für die Revitalisierung bereit, wie es mit dem Turm weitergeht ist aber offen. Dafür gibt es nun ein Gewinnspiel.

Hamburg. Die längst fällige Sanierung des Hamburger Fernsehturms wird offenbar zur One-Man-Show: Der Hamburger SPD-Bundestagsabgeordnete Johannes Kahrs verlost bis zum 29. März Karten für einen Besuch auf dem 279 Meter hohen Heinrich-Hertz-Turm. Das Bauwerk mit der Aussichtsplattform und dem Dreh-Restaurant ist seit 2001 geschlossen und steht in der nächsten Zeit wohl vor einer Renovierung.

"Jetzt teilnehmen und den Fernsehturm besuchen – eine derzeit einmalige Gelegenheit, das Hamburger Wahrzeichen nicht nur von unten zu sehen, sondern den Ausblick von oben zu genießen", fordert Kahrs auf seiner Homepage auf. Mit seinem Einsatz als Mitglied des Haushaltsausschusses des Deutschen Bundestages sei es ihm als Wahlkreisabgeordneten für Hamburg-Mitte schließlich gelungen, Bundesmittel für die Renovierung und Wiedereröffnung zu gewinnen. Passend zur Bundestagswahl im September heißt es weiter: "Mit Johannes Kahrs MdB auf den Hamburger Fernsehturm. Ihre Erststimme. Mein Einsatz. Tele-Michel wird saniert."

37 Millionen Euro stehen bereit

Wie das Abendblatt berichtete, stehen für die "Revitalisierung" des Tele-Michel insgesamt rund 37 Millionen Euro zur Verfügung. 18,6 Millionen Euro will der Bund beisteuern, die andere Hälfte soll Hamburg zahlen. Eingefädelt hatten das die Hamburger Bundestagsabgeordneten Kahrs und Rüdiger Kruse (CDU).

Kahrs verlost 20 Plätze, mitmachen kann, wer mindestens 18 Jahre alt ist und den Wohnsitz im Wahlkreis hat. Die Tour werde am 1. April stattfinden, sagt Kahrs. Anschließend lädt er zu einem Kaffeetrinken ein. Ein Schelm, wer denkt, dass es sich dabei um einen Aprilscherz handelt.

Allerdings stößt seine Aktion für das höchste Gebäude Hamburgs nicht überall auf Zustimmung. Die "Bild"-Zeitung zitiert den FDP-Bürgerschaftsabgeordneten Jens P. Meyer: "Kahrs lässt sich als Turm-Retter feiern. Statt auf SPD-Ticket zur Wahlkampfparty einzuladen, sollten sich die Verantwortlichen um schnelle Sanierung kümmern." Während Kahrs die Auffassung vertritt, dass die Bauarbeiten "irgendwann in diesem Jahr beginnen", hält sich der Senat bedeckt. Es gebe noch keinen abschließenden Zeitplan.

Kahrs: "Die Finanzierung steht"

Johannes Kahrs reagierte am Sonnabend prompt mit einem Tweet: "Die Finanzierung steht, dank meines Einsatzes. der Rest ist in Arbeit. Traumschön."

Auf dem 272 Meter hohen Heinrich-Hertz-Turm befindet sich unter anderem die zentrale Sendeanlage, die Hamburg und das Umland mit Digitalradio versorgt. Der Sender hat eine Strahlungsleistung von 10 kW und wird durch die Anlage in Moorfleet ergänzt. DAB Plus ermöglicht den rauschfreien Empfang der Sender und den Anbietern selbst, sich auch als Spartensender oder regionaler Anbieter zu besonders guten Konditionen zu etablieren.