Cavusoglu-Auftritt

Das Netzwerk des Hamburger Erdogan-Mannes

Bülent Güven (2.v.r.) am Dienstag mit dem türkischen Außenminister Mevlüt Cavusoglu (M.)

Bülent Güven (2.v.r.) am Dienstag mit dem türkischen Außenminister Mevlüt Cavusoglu (M.)

Foto: Bülent Güven

Bülent Güven, Mit-Organisator des Außenminister-Auftritts, ist SPD-Mitglied und Geschäftspartner von CDU-Chef Heintze.

Hamburg. Der Auftritt des türkischen Außenministers Mevlüt Cavusoglu im türkischen Konsulat am Dienstagabend sorgt weiter für Debatten – dabei geht es auch um das Netzwerk eines Mit-Organisators. Am Dienstag waren auf der Uhlenhorst vom Balkon des Konsulats der von den extremistischen „Grauen Wölfen“ verwendete nationalistische Wolfsgruß und eine Geste gezeigt worden, die der islamistischen Muslimbruderschaft zugerechnet wird.

Einer der Mit-Organisatoren der Veranstaltung war der 45 Jahre alte Bülent Güven, ein in der Hamburger Politik gut vernetzter Deutsch-Türke. Güven ist Vorstandsmitglied der Union Europäisch-Türkischer Demokraten (UETD), die auch für Politiker der Erdogan-Partei AKP Wahlkampfauftritte in Deutschland organisiert. Gleichzeitig ist er seit vielen Jahren SPD-Mitglied und Bekannter des Hamburg-Mitte Kreisvorsitzenden Johannes Kahrs.

SPD-Mitglied Güven ist Geschäftspartner von CDU-Chef Heintze

Parallel ist der Mann, der bei einem Essen am Dienstag direkt neben dem Erdogan-Außenminister saß, auch ein guter persönlicher Bekannter und langjähriger Geschäftspartner des Hamburger CDU-Chefs Roland Heintze. 2010 eröffnete Güven für Heintzes Firma Faktenkontor ein Büro in Istanbul, außerdem war er freiberuflich für ihn tätig. So organisierte er 2016 für Faktenkontor mit der türkischen Investitionsagentur Ispat eine PR-Reise für Journalisten in die Türkei. Medien berichteten später, dass auf der Reise gegen Erdogan-kritische Journalisten gehetzt worden sei. Auch privat pflegen Güven und Heintze offenbar ein freundschaftliches Verhältnis. Ein von Güven bei Facebook veröffentlichtes Foto zeigt die beiden Männer beim gemeinsamem Wasserpfeife-Rauchen.

Dass Güven für die UETD und das türkische Wahlkampfkommitee die Veranstaltung für die Erdogan-Mitstreiter mit plante, irritiert die SPD. „Dass Herr Güven die Veranstaltung offenbar angemeldet hat, bedrückt uns“, sagte SPD-Landesgeschäftsführer Tim Petschulat dem Abendblatt. „Die Türkei entwickelt sich immer mehr zu einer Autokratie. Journalisten und politische Gegner werden grundlos verhaftet und inhaftiert. Die Demokratie ist gefährdet. Deshalb habe ich Herrn Güven im Namen der Parteiführung angeschrieben und um Stellungnahme gebeten.“

Auch SPD-Mitte Kreischef Kahrs geht auf Distanz. Güven bekleide in der SPD weder ein Amt noch besitze er ein Mandat, so Kahrs. Dass sich Güven so für Erdogans AKP engagiere, sei „nicht hilfreich“. Zugleich heißt es aus der Partei, es sei nicht einfach, Mitglieder wieder loszuwerden. Man habe bereits seit längerem von Güvens Aktivitäten gewusst und sei dessen Wunsch auf eine Förderung seiner politischen Karriere daher nicht nachgekommen.

CDU-Chef und PR-Agentur-Besitzer Heintze geht ebenfalls auf Abstand zu Güven. „Derzeit arbeiten wir nicht zusammen, in der Vergangenheit hat er uns sporadisch freiberuflich unterstützt“, sagte Heintze. Seine Firma habe „kein nennenswertes Türkeigeschäft“. Linken-Fraktionschefin Cansu Özdemir wirft der CDU gleichwohl ein doppeltes Spiel vor. „Sie kritisiert den Einfluss Erdogans, aber ihr Parteivorsitzender macht fleißig Geschäfte mit der türkischen Regierung“, so Özdemir. „Das ist heuchlerisch.“ Güven habe „den Auftritt Cavusoglus mitorganisiert und ist somit auch für die Show der Grauen Wölfe vor der Residenz mit verantwortlich. Wer mit solchen Lobbyisten kooperiert, stärkt sie.“

Bülent Güven distanzierte sich von dem extremistischen Wolfsgruß. „Ich bin gegen jede Art von Nationalismus, egal ob türkischer, deutscher oder kurdischer Nationalismus“. Bei der Planung der Veranstaltung habe er lediglich „mitgeholfen“, so Güven. „Ich sehe mich als Brückenbauer. Deutsche und Türken sind wie Geschwister“, so Güven. „Die aktuell schlechten Beziehungen kränken mich persönlich sehr.“