Restaurants

Gastronomen erobern die Hamburger Innenstadt

Steffen Henssler mit seinem Bruder Peter bei der Vorstellung seines neuen Restaurants Ahoi in der Hamburger Innenstadt

Steffen Henssler mit seinem Bruder Peter bei der Vorstellung seines neuen Restaurants Ahoi in der Hamburger Innenstadt

Foto: imago

Steffen Henssler und Til Schweiger haben jüngst Restaurants eröffnet. Zwei ausländische Ketten wollen nach Hamburg kommen.

Hamburg.  Die Gastronomie rückt in die Hamburger Innenstadt vor. Bei neu vermieteten Flächen hat sie inzwischen einen Anteil von 21 Prozent. Innerhalb von fünf Jahren hat sich damit ihr Anteil verdoppelt. „Kleinere Flächen und gesunkene Mieten machen es erst möglich, dass Gastronomen auch in der Innenstadt Lokale eröffnen können“, sagt Mario Litta, Leiter Vermietung beim internationalen Makler Jones Lang LaSalle (JLL) in Hamburg.

Längst sind es nicht nur Gastronomieketten, die neue Standorte wagen. Neben Til Schweigers Barefood Deli an der Lilienstraße hat kürzlich auch das „Ahoi“ von Fernsehkoch Steffen Henssler an der Spitalerstraße eröffnet. „Wir rechnen in diesem Jahr mit weiteren internationalen Gastronomen in der City“, sagt Litta. So will die Burgerkette Five Guys in diesem Jahr eine Filiale in Hamburg eröffnen. Auch die britische Restaurantkette Turtle Bay hat Pläne für die Hansestadt. Während Five Guys in Deutschland überhaupt noch nicht vertreten sind, gibt es Turtle Bay mit seinen karibischen Gerichten bereits in anderen Städten, etwa in Köln und Dresden.

Steffen Henssler über das "Ahoi" und Til Schweiger
Steffen Henssler über das "Ahoi" und Til Schweiger
Video: abendblatt.tv

Auch die ehemalige Commerzbank-Filiale am Gänsemarkt wird zu einem Restaurant umgebaut, und auch in den Stadthöfen an der Stadthausbrücke werden Restaurants und Bars nicht fehlen. „Hamburg hat eine große Kompetenz bei Getränken und Food“, sagt Richard Winter, Hamburg-Chef von JLL. Das werde sich künftig stärker im Stadtbild niederschlagen. Das Einkaufen bekomme so auch einen größeren Erlebnischarakter.

Beim Branchenmix zeichnen sich noch weitere Veränderungen ab. „Der Anteil des Textileinzelhandels nimmt deutlich ab“, sagt Litta. So lag der Anteil der Textilgeschäfte bei Neuvermietungen vor fünf Jahren noch bei 43 Prozent, im vergangenen Jahr hatten diese Läden nur noch einen Anteil von 21 Prozent. „In Zeiten des Onlinehandels brauchen viele Waren keine Einzelhandelsflächen mehr“, sagt Litta. Das bekomme der Textileinzelhandel besonders zu spüren.

Türkische Modekette kommt

Dennoch werden auch neue Textilmarken in Hamburg erwartet. Für den türkischen Filialisten Yargici wird die Hansestadt der erste Standort außerhalb der Türkei sein. „Noch in diesem Jahr wird eine Filiale an der Mönckebergstraße eröffnet“, sagt Winter. Die türkische Mode- und Accessoires-Kette Koton, die mit H&M vergleichbar ist, hat ihren 1800 Quadratmeter großen Flagship-Store in der Einkaufspassage Perle eröffnet. Die Textilhändler bekommen verstärkt Konkurrenz von Filialisten wie Rituals, Hunkemöller und Depot, die sehr expansiv sind.

30 Prozent der Neuvermietungen nach Flächen entfielen 2016 auf den Bereich Heim-, Haus- und Wohnbedarf. Vor fünf Jahren waren es zwölf Prozent. In dieses Segment fallen sowohl Händler wie Clas Ohlson am Jungfernstieg wie auch das Wohndesign-Kaufhaus Illums Bolighus am Neuen Wall. „Da das Wohnen in der Innenstadt wieder stärker an Bedeutung gewinnt, suchen auch Baumärkte innerstädtische Flächen“, sagt Litta. Natürlich wären solche Konzepte nur auf kleineren Flächen möglich. Die Elektronikkette Saturn setzte sein Konzept Connect in Kölns teuerster Einkaufsstraße bereits um – mit abgespecktem Sortiment, das von Smartphones über Tablets bis zu Kopfhörern reicht.

In Hamburg wurden im vergangenen Jahr knapp 20.000 Quadratmeter Einzelhandelsfläche neu vermietet. Gegenüber 2015 ist das ein Rückgang von 27 Prozent.