St. Pauli

Neue Ideen für den Spielbudenplatz gesucht

Der Spielbudenplatz während des Reeperbahn-Festivals.
Die Fläche auf St. Pauli gilt als Publikumsmagnet – die bisherigen Betreiber aus dem Viertel müssen sich nun einem Wettbewerb stellen

Der Spielbudenplatz während des Reeperbahn-Festivals. Die Fläche auf St. Pauli gilt als Publikumsmagnet – die bisherigen Betreiber aus dem Viertel müssen sich nun einem Wettbewerb stellen

Foto: Roland Magunia / HA

Hamburg schreibt die Veranstaltungsfläche europaweit aus. Kritik gibt es an den bisherigen Betreibern.

Hamburg.  An der Reeperbahn könnte eine neue Zeit beginnen: Ab dem kommenden Jahr steht die bisherige Nutzung des Spielbudenplatzes mit einer Showbühne, Festen, Außengastronomie und dem Weihnachtsmarkt „Santa Pauli“ wieder zur Disposition. „Ich habe die Entscheidung getroffen, den Betrieb des Spielbudenplatzes neu ausschreiben zu lassen“, sagte Falko Droßmann (SPD), Leiter des Bezirksamtes Mitte, dem Abendblatt.

Seit dem Jahr 2006 wird der Spielbudenplatz auf St. Pauli von einem Konsortium der Anlieger betrieben, dem auch der Theatermacher Corny Littmann (Schmidt, Schmidts Tivoli) angehört – der Vertrag war jedoch auf zehn Jahre befristet. Seit 2015 wurde mit der Zustimmung des Bezirks weiterhin an dem Konzept festgehalten. „Die Nutzungsfristen sind aber bewusst begrenzt, damit auch andere Ideen eine Chance darauf haben, geprüft zu werden“, sagt Droßmann.

Kommentar: Eine Chance für St. Pauli

Deshalb solle über die Hamburger Finanzbehörde nun ein europaweiter Wettbewerb gestartet werden. Der Bezirksamtsleiter betont, dass es dabei „keine Denkverbote“ geben soll. Ein Sprecher der Finanzbehörde sagte, dass die Ausschreibung „in Kürze“ veröffentlicht wird.

Schon in der Vergangenheit gab es teils spektakuläre Planungen für den prominenten Platz. Nach zähen Streitigkeiten investierte die Stadt vor elf Jahren 9,5 Millionen Euro in die Umgestaltung. Das Konsortium übernahm den Betrieb und baute das Angebot aus. In diesem Jahr sind etwa erstmals ein „Craft-Beer-Festival“ und Fahrradflohmärkte geplant, der Spielbudenplatz wird auch jeden Mai für die große ARD-Party und die deutsche Punktevergabe zum Eurovision Song Contest genutzt. Der Spielbudenplatz gilt als Publikumsmagnet. „Wenn man einmal 20 Jahre zurückblickt, kann man mit der Entwicklung wirklich sehr zufrieden sein“, sagt Corny Littmann.

Zusatzbühne in unterschiedlichen Größen

Das Konsortium kündigte gegenüber dem Abendblatt an, mit dem bisherigen Konzept in den Wettbewerb gehen zu wollen, ohne große Veränderungen daran vorzunehmen. „Es hat sich aus unserer Sicht eindeutig bewährt und wird dort, wo es Sinn macht, weiterentwickelt“, sagt Jochen Bohnsack, Geschäftsführer des Betreiberkonsortiums. Es habe keine Anzeichen von Unzufriedenheit mit dem bisherigen Betrieb seitens des Bezirkes gegeben.

Was aus früheren Plänen wurde

Die zweite Bühne auf dem Spielbudenplatz, die im September 2015 von Unbekannten in Brand gesetzt und zerstört wurde, soll nach Abendblatt-Informationen voraussichtlich nicht wieder errichtet werden. Die Betreiber sehen stattdessen je nach Anlass eine Zusatzbühne in unterschiedlichen Größen vor.

Die Grünen im Bezirk Mitte begrüßen die Pläne des Bezirksamtsleiters: „Eine Ausschreibung ist notwendig und wichtig. Das vergangene Betreiberkonzept hatte noch Luft nach oben“, sagt Fraktionschef Michael Osterburg Außerdem fordert Osterburg: „Wir erwarten, dass bei der Bewerbung neue Ideen mit mehr Leben und Innovation für den Spielbudenplatz an den Start gehen. Es wäre schön, wenn auch Bäume gepflanzt werden würden.“

Für CDU-Fraktionschef Gunter Böttcher steht fest: „Es muss eine Ausschreibung geben. Die bestehenden Betreiber haben nach Startschwierigkeiten zwar ein einigermaßen tragfähiges Konzept gehabt, aber es besteht noch Verbesserungsbedarf.“ Wichtig sei, dass der Platz regelmäßig bespielt wird und ein Programm biete, dass alle Hamburger anspreche.

Bislang noch keine Investoren

Bislang haben sich noch keine möglichen Investoren mit Ideen beim Bezirk gemeldet. Das aktuelle Betreiberkonsortium sagt, dass für eine andere Nutzung auch hohe Investitionen nötig wären und ein neuer Betreiber zudem die Akzeptanz des Viertels gewinnen müsse. „Wir sind natürlich nicht glücklich darüber, dass neu ausgeschrieben wird. Denn wir haben hier viel Geld investiert und ein Konzept entwickelt, mit dem der Platz das ganze Jahr erfolgreich bespielt wird“, sagte Uwe Christiansen, Inhaber der Bar „Das Herz von St. Pauli“ und ebenfalls Gesellschafter des Konsortiums. Die verbliebene Bühne auf dem Spielbudenplatz ist reparaturbedürftig – offen ist, ob sie vor Ende der Ausschreibung noch ausgebessert wird. Die Gespräche zwischen dem Bezirk und den Betreibern dazu dauern an.