Krankenhäuser

Gute Noten für Hamburgs Herzmedizin

Eine Herzoperation im Albertinen-Krankenhaus in Schnelsen. 2015 wurden in Hamburg mehr als 25.000 Eingriffe am Herzen durchgeführt

Eine Herzoperation im Albertinen-Krankenhaus in Schnelsen. 2015 wurden in Hamburg mehr als 25.000 Eingriffe am Herzen durchgeführt

Foto: Roland Magunia

Der Krankenhausspiegel veröffentlicht erstmals Qualitätsergebnisse der spezialisierten chirurgischen Kliniken.

Hamburg.  Die Hamburger Herzmedizin liegt in vielen Bereichen mit ihren Behandlungsergebnissen über dem Bundesdurchschnitt. Das zeigt der Hamburger Krankenhausspiegel, der in diesem Jahr neben Behandlungsergebnissen anderer Krankheitsbilder aus 28 Hamburger Kliniken erstmals auch Qualitätsergebnisse der Herzchirurgie veröffentlicht. Neu sind auch Ergebnisse von Defibrillator-Operationen, bei denen Patienten mit gefährlichen Herzrhythmusstörungen ein schrittmacherähnliches Gerät eingesetzt wird, welches das Herz wieder in den richtigen Takt bringt.

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In der Herzchirurgie wurden Ergebnisse für Bypass- und Herzklappenoperationen und kombinierte Eingriffe von Bypass- und Klappenoperationen des Universitätsklinikums Eppendorf, der Asklepios Klinik St. Georg und des Albertinen-Krankenhauses aus dem Jahr 2015 dargestellt. Die vierte Herzchirurgie wurde nicht erfasst, weil sie 2015 von Eimsbüttel in die Asklepios Klinik (AK) Harburg umzog. Insgesamt wurden 2015 in Hamburg mehr als 25.000 Eingriffe am Herzen durchgeführt: 1500 Bypass-Operationen, 1280 Herzklappenoperationen und 200 kombinierte Bypass-Herzklappen-Operationen. Zudem gab es 18.600 Herzkatheter-Behandlungen, 1460 Defibrillator- und mehr als 2500 Herzschrittmacher-Eingriffe.

1,3 Prozent der Patienten starben nach einer Bypass-OP

Einige Ergebnisse im Einzelnen: In Hamburg starben 1,3 Prozent der Patienten nach einer Bypass-Operation, im Bundesdurchschnitt waren es 2,9 Prozent. Am UKE lag die Sterblichkeitsrate bei 0,9 Prozent, im Albertinen-Krankenhaus bei 1,1 Prozent und in der Asklepios Klinik St. Georg bei 2,0 Prozent. Nach offenen Herzklappenoperationen starben in Hamburg 0,8 Prozent der Patienten, im Bundesdurchschnitt 3,0 Prozent. Bei kombinierten Operationen traten neurologische Komplikationen wie Schlaganfälle nur bei 0,6 Prozent der Hamburger Patienten auf, bundesweit waren es 1,8 Prozent. Beim Einsatz von Herzschrittmachern kam es in Hamburg bei 0,5 Prozent der Patienten zu Komplikationen, im Bundesdurchschnitt waren es 0,9 Prozent.

Anders sieht es aus bei Eingriffen, bei denen Aortenklappen zwischen Hauptschlagader und linker Herzkammer mithilfe eines Katheters ausgetauscht wurden. Das ist ein Eingriff, der nur bei Patienten durchgeführt wird, für die eine offene Operation aufgrund ihres hohen Alters oder schwerer Erkrankungen zu riskant ist. Bei diesen Eingriffen hatten alle Hamburger Herzchirurgien (auch die in der Asklepios Klinik Harburg) Sterblichkeitsraten zwischen fünf und 5,8 Prozent. Insgesamt lag die Sterberate in Hamburg bei 5,4 Prozent, im Bundesdurchschnitt bei 3,9 Prozent. Defibrillatoren zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen wurden an 13 Hamburger Krankenhäusern eingesetzt. Die Hamburger Sterblichkeitsrate lag dabei mit 1,2 Prozent über dem Bundesdurchschnitt von 0,6 Prozent. Außerdem gibt es in dem Portal auch Qualitätsergebnisse zu Herzkatheter-Anwendungen.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in Deutschland immer noch Todesursache Nummer Eins. Privatdozent Dr. Gerian Groenefeld, Chefarzt der Kardiologie in der AK Barmbek, berichtete, wie sich die Behandlung des Herzinfarktes entwickelt hat. „Heute kann mithilfe eines Katheters ein verschlossenes Herzkranzgefäß innerhalb von Minuten wieder eröffnet werden“, sagte Groenefeld. Das habe die Überlebensraten deutlich verbessert. Kritisch sei die Zeit zwischen den ersten Schmerzen bis zur Ankunft im Krankenhaus. Je schneller das verschlossene Blutgefäß wieder eröffnet werde, umso besser seien die Überlebenschancen. In Hamburg sterben 48 von 100.000 Einwohnern am Herzinfarkt, in Sachsen-Anhalt 99.

Ergebnisse aus zwölf weiteren Behandlungsgebieten

Im Krankenhausspiegel werden auch Ergebnisse zu anderen Krankheitsbildern veröffentlicht. Dazu zählen Durchblutungsstörungen in den Beinen, Brustkrebs, Lungenentzündung, Oberschenkelhalsbruch und Schlaganfall, die Vermeidung von Druckgeschwüren durch langes Liegen, die Geburtshilfe und die Behandlung von Frühgeborenen und kranken Neugeborenen, gynäkologische Operationen und Eingriffe an der Halsschlagader, Hüft- und Kniegelenkersatz. „Sehr komplizierte medizinische Indikatoren werden so erklärt, dass man sich als Patient ein gutes Bild machen kann, wenn man ein Krankenhaus sucht“, sagte Dr. Claudia Brase, Geschäftsführerin der HKG. Der Krankenhausspiegel wird 30.000- bis 40.000-mal im Monat besucht. Am häufigsten werden Ergebnisse zu Hüft- und Kniegelenksendoprothesen, Herzkatheteranwendungen und Geburtshilfe abgefragt. Auch Ergebnisse zur Patientenzufriedenheit werden oft aufgerufen.