Stadtentwicklung

Hamburg investiert Millionen in Flüchtlings-Stadtteile

Zwei Viertel als spezielle Fördergebiete ausgewiesen. Senat hofft, dass so soziale Brennpunkte verhindert werden können.

Hamburg. Der Senat hat zwei Standorte mit großen Flüchtlingsunterkünften zu besonders förderungswürdigen Wohnvierteln erklärt. Die Quartiere Mittlerer Landweg in Bergedorf und Neugraben-Fischbek seien als sogenannte Rise-Quartiere festgelegt worden, teilte Stadtentwicklungssenatorin Dorothee Stapelfeldt (SPD) am Dienstag mit.

Damit könne die städtische Infrastruktur frühzeitig ausgebaut und verbessert werden. Ziel sei es, den sozialen Zusammenhalt in den Wohnvierteln zu stärken. Die Flüchtlingsunterkünfte sollten zu sozial stabilen Quartieren entwickelt werden, sagte die Senatorin.

Insgesamt würden in Hamburg derzeit vier Wohngebiete mit Flüchtlingsunterkünften mit zusätzlichen finanziellen Mitteln unterstützt. Im vergangenen Jahr hatte der Senat bereits in Eidelstedt und in Jenfeld zwei Gebiete unter den sozialen Schutz gestellt. 2016 seien rund 51 Millionen Euro an Bundes- und Landesmitteln für integrierte Stadtteilentwicklung ausgegeben worden.

Sporthalle am Mittleren Landweg geplant

In die Expresswohnungen am Mittleren Landweg seien bereits 300 Flüchtlinge eingezogen, sagte Stapelfeldt. Am Ende sollen dort 2500 Flüchtlinge leben. Durch den Zuzug von Flüchtlingen wird die Zahl der Bewohner des Gebietes auf mehr als 3000 steigen. „Das Gebiet soll zu einem attraktiven Wohnstandort im Grünen werden“, sagte Stapelfeldt.

Dazu würden für das Gebietsmanagement bis zum Jahr 2023 rund 1,2 Millionen Euro bereitgestellt. Zudem seien Investitionen in Höhe von 3,7 Millionen Euro geplant: für den Bau einer Sporthalle und die Ausstattung eines Gemeinschaftstreffs. Zudem solle noch in diesem Jahr das Kulturheim modernisiert werden.

Bezirksamtsleiter: Flüchtlingsunterkunft liegt isoliert

Arne Dornquast, Bezirksamtsleiter von Bergedorf, räumte ein, dass das Quartier Mittlerer Landweg etwas isoliert liege. Es werde eine Herausforderung sein, das Wohngebiet an andere Stadtteile anzubinden. Zudem sei das Quartier die größte Flüchtlingsunterkunft in Hamburg.

Dornquast betätigte auf Nachfrage, dass es vor Ort auf Kritik an dem Bau der Wohnungen für Flüchtlinge gebe. „Die Menschen vor Ort machen sich Sorgen. Das ist ganz normal.“ Mit dem Rahmenprogramm „Integrierte Stadtteilentwicklung“ werde viel Geld in die Infrastruktur vor Ort gesteckt. Zudem sollten 60 Prozent der Flüchtlinge, die dort untergebracht würden, Familien sein.

Das städtische Unternehmen „Fördern & Wohnen“, das für die Betreuung der Einrichtung zuständig sei, führe dafür extra Auswahlgespräche durch, weil alle wüssten, dass diese große Einrichtung besonders viel Aufmerksamkeit erfordere. „Das wird kein Quartier sein, das im Augenwinkel irgendwo mitläuft“, sagte Dornquast.

Widerstand von Anwohnern

Senatorin Stapelfeldt verwies darauf, dass viele Maßnahmen verhindern sollen, dass am Mittleren Landweg ein sozialer Brennpunkt entsteht. Der Widerstand von Anwohnern sei für sie neu, sagte die Senatorin. Der Bauherr, der eigene Veranstaltungen gemacht habe, habe anderes berichtet.

In Neugraben-Fischbek werde die Bevölkerung um 12.000 Einwohner wachsen, sagte Stapelfeldt. Derzeit leben dort rund 27.000 Menschen. Frühzeitig sollten deshalb die städtischen Infrastrukturen an das Bevölkerungswachstum angepasst werden. Die Stadtentwicklungsbehörde stelle rund 1,8 Millionen Euro zur Verfügung.

Thomas Völsch, Bezirksamtsleiter von Harburg, verwies auf die Herausforderungen, die ein derart große Bevölkerungswachstum innerhalb kurzer Zeit mit sich bringe. Dazu sei ein Dialog mit den bereits dort lebenden Menschen von Anfang nötig. Er sei positiv überrascht, dass die Beteiligung der Bürger sehr groß sei. „Es zeigt, dass Interesse da ist.“