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Til Schweigers “Tatort“ im Visier des Rechnungshofs

Viel Action mit viel Geballer: Til Schweiger ist im "Tatort" Haudrauf-Kommissar Nick Tschiller

Viel Action mit viel Geballer: Til Schweiger ist im "Tatort" Haudrauf-Kommissar Nick Tschiller

Foto: Gordon Timpen / dpa

Die „Tatort“-Folgen des NDR sind deutlich teurer als andere Krimi-Produktionen. Der Sender hat eine Erklärung dafür.

Hamburg. Der „Tatort“ gilt als Lieblings-Krimi der Deutschen und lockt sonntags regelmäßig Millionen Zuschauer vor die Fernsehgeräte. Und er kostet eine Menge Geld – vor allem die Folgen, in denen die Kommissare in Norddeutschland ermitteln. Der Hamburger Rechnungshof kritisiert in seinem jüngst vorgelegten Rechnungsbericht, dass die „Tatort“-Produktionen des Norddeutschen Rundfunks (NDR) zu teuer sind.

Sollte der NDR weiterhin viel Geld für Schauspieler und Mitarbeiter des "Tatorts" ausgeben?

Jedes Jahr zeigen die ARD-Anstalten 43 bis 48 neue „Tatort“-Folgen. Der NDR beteiligt sich mit Filmen, die in Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein spielen. Die Rechnungshöfe der drei Bundesländer haben neun der insgesamt 18 „Tatort“-Produktionen geprüft, die zwischen 2012 und 2014 vom NDR in Auftrag gegeben worden waren. Das Ergebnis: Die Produktionskosten des NDR betragen mit durchschnittlich 1,7 Millionen Euro deutlich mehr als bei den anderen ARD-Anstalten, die „nur“ 1,5 Millionen Euro für eine Folge des Krimi-Formats ausgeben.

Til-Schweiger-Tatort kostete 2,1 Millionen Euro

Ein „Tatort“ aus Hamburg sticht besonders hervor: Die Folge „Der große Schmerz“ mit Til Schweiger als Haudrauf-Ermittler Nick Tschiller und Schlager-Star Helene Fischer als russische Killer-Queen führt die Liste der kostspieligsten „Tatort“-Ausgaben des NDR nach Informationen des Abendblatts an: Rund 2,1 Millionen Euro kostete der dritte Schweiger-Krimi und lag damit sogar rund 40 Prozent über den durchschnittlichen ARD-Produktionskosten.

Zudem wirft der Rechnungshof dem NDR mangelnde Transparenz bei den Kosten der Produktionsfirmen vor. „Die tatsächlich abgerechneten Kosten übertreffen regelmäßig das Soll und zwar um bis zu 20 Prozent“, heißt es im Jahresbericht. Dabei seien die Mittel aus Filmförderung bereits berücksichtigt. Ein weiterer Kritikpunkt: Der NDR weise seine Gemeinkosten für die Tatortproduktionen nicht aus. „Obwohl diese den einzelnen Produktionen zugeordnet werden können und im Durchschnitt etwa 50 Prozent der Produktionskosten ausmachen“, moniert der Rechnungshof.

NDR setzt auf „herausragende Besetzungen“

Der NDR kann die Kritik des Landesrechnungshofes nicht nachvollziehen und wehrt sich gegen die Vorwürfe. „Der NDR hat nicht den Anspruch, alle seine ‘Tatort’-Produktionen mit dem gleichen Budget auszustatten“, sagt NDR-Sprecher Martin Gartzke dem Abendblatt. Höheren Kosten bei dem einen „Tatort“, die sich etwa aus der besonders schwierigen Realisierung eines Drehbuchs ergeben können, stehe ein geringerer Aufwand bei dem anderen „Tatort“ gegenüber. „Im Schnitt liegen die Produktionskosten der NDR-’Tatorte’ nahe am ARD-Mittel“, sagt Gartzke.

Zudem setze der NDR bewusst auf herausragende Besetzungen seiner „Tatort“-Produktionen. „Dies gilt für die Schauspielerinnen und Schauspieler, ebenso wie für Buch und Regie“, so Gartzke. Der NDR Sprecher betont, dass der Sender beim „Premium-Produkt ‘Tatort’“ mehr Drehtage und eine aufwendigere Postproduktion für richtig halte, etwa was Schnitt und Effekte angehe.

„Sorgsamer mit Gebühren der Bürger umgehen“

Beim Hamburger Rechnungshof ziehen diese Argumente nicht. „Auch die ‘Tatort’-Produktionen anderer Sendeanstalten sind mit hochkarätigen Darstellern besetzt“, heißt es in dem Jahresbericht. Darüber hinaus halten die Rechnungshöfe im Norden den Anteil der Regie- und Drehbuchhonorare in Relation zu den Gesamtaufwendungen der Produktionen von regelhaft unter fünf Prozent für vernachlässigenswert.

Der Bund der Steuerzahler in Hamburg hält die hohen „Tatort“-Produktionskosten ebenfalls für überflüssig. „Man könnte im Unterhaltungsprogramm des NDR etwas sorgsamer mit den Gebühren der Bürgerinnen und Bürger umgehen“, sagt Lorenz Palte, Vorsitzender des Bundes der Steuerzahler Hamburg e.V. „Auch ohne hohe Produktionskosten würde der ‘Tatort’ mit Sicherheit nicht von der Mattscheibe verschwinden, denn dafür ist dieses Krimi-Format über die Jahre viel zu sehr Bestandteil deutscher Fernsehkultur geworden.“

Drehen auf dem Land sei teurer

Doch der Norddeutsche Rundfunk kann einen weiteren Grund für die hohen Kosten nennen. „Kostensteigernd wirkt sich zudem aus, dass NDR-’Tatorte’ auch im ländlichen Raum, also an Orten ohne die entsprechende filmische Infrastruktur gedreht werden“, sagt Martin Gartzke. Auf die Berücksichtigung norddeutscher Regionen lege der NDR besonderen Wert. „Auch wenn eine Konzentration nur auf die Metropolen billiger käme.“

Nach Auffassung des NDR bestätigen die Einschaltquoten, dass die Strategie des Senders richtig ist. „Insgesamt haben in den Jahren 2012 bis 2015 zehn ‘Tatorte’ des NDR die Zehn-Millionen-Marke übertroffen – ein in dieser Breite herausragender Wert“, sagt Gartzke. Auch angesichts des hohen Repertoirewerts der Reihe „Tatort“ halte der NDR die Kosten für vertretbar.

Rechnungshof bemängelt Spannweite bei Gagen

Das sieht der Rechnungshof anders: „Die vom NDR erhoffte Reichweitensteigerung durch kostenintensivere Produktionen wird (...) nicht durchgängig durch die Reichweitenmessungen bestätigt.“ Der 2,1-Millionen-Euro-Tatort mit Til Schweiger etwa, der am 1. Januar 2016 ausgestrahlt wurde, knackte auf jeden Fall nicht die Zehn-Millionen-Marke bei den Zuschauern: Die Einschaltquote lag bei 8,24 Millionen Zuschauern. Der erster Schweiger-„Tatort“ mit dem Titel „Willkommen in Hamburg“ hatte hingegen rund 12,7 Millionen Menschen vor den Fernseher gelockt.

Der Rechnungshof der Stadt Hamburg bemängelt auch die hohe Spannweite bei den Schauspieler-Gagen. Seine Forderung lautet: „Die Rechnungshöfe haben den NDR aufgefordert, den Nachweis zu führen, dass insbesondere die hohe Spannweite bei den Vergütungen der Hauptdarsteller und die damit zusammenhängende hohe Varianz bei den Produktionskosten in einem angemessenen Verhältnis zur Reichweite der jeweiligen Tatortfolgen steht.“

20 Prozent der Gesamtkosten für Gagen der Schauspieler

Der NDR will das so nicht stehen lassen. „In der Filmbranche ist es vollkommen üblich, dass Gagen für die Darsteller individuell verhandelt werden“, kontert NDR-Sprecher Gartzke. Der mit der Allianz Deutscher Produzenten geschlossene Tarifvertrag sehe diese Möglichkeit ausdrücklich vor. „Dass renommierte, auch international erfolgreiche Darsteller einen höheren Marktwert erzielen als weniger bekannte Gesichter, liegt auf der Hand.“ Das dürfte sicher auch auf Schauspieler, Regisseur, Produzent und Gastronom Til Schweiger zutreffen. Wie hoch sein Honorar für seine „Tatort“-Einsätze war, ist jedoch nicht bekannt.

Nach Angaben des NDR machen Gagen und Honorare für die Darsteller im Schnitt 20 Prozent der Gesamtkosten für einen "Tatort" aus. Rund 30 Prozent der Kosten werden für Gagen und Honorare der Menschen ausgegeben, die hinter der Kamera arbeiten. Dazu zählen etwa 30 unterschiedliche Berufsgruppen wie Produktionsleitung, Regisseur, Kameramann/-frau, Kostümbildner, Beleuchter und Maskenbildner. Zehn Prozent der Gesamtkosten machen in der Regel die Außenaufnahmen aus – dazu zählen unter anderem Mieten und Genehmigungen.

Für eine Folge werden durchschnittlich 22 Tage gedreht. Von den 17,50 Euro Rundfunkbeitrag werden etwa 15 Cent pro Monat für den Tatort verwendet. Im November wurde die 1000. Folge "Tatort" ausgestrahlt.