Rührende Geschichte

So retten Hamburger einen Obdachlosen aus der Kälte

Benjamin auf seinem Stammplatz am Glockengießerwall. Jetzt müssen der junge Mann und seine Hunde nicht mehr in der Kälte übernachten

Benjamin auf seinem Stammplatz am Glockengießerwall. Jetzt müssen der junge Mann und seine Hunde nicht mehr in der Kälte übernachten

Foto: Gine Stelli

Eine Hamburgerin ruft bei Facebook zu Spenden für den Mann auf. Von den Reaktionen sind die Frau und der Obdachlose überwältigt.

Hamburg. Auch wenn der eisige Wind ganz besonders ungemütlich bläst, sitzt Benjamin am Glockengießerwall gegenüber vom Hamburger Hauptbahnhof und bittet um eine Spende für sich und seine zwei Hunde. Die Nacht verbringt der Obdachlose in seinem Schlafsack auf der bloßen Erde – und das bei Minusgraden. Manchmal, wenn der Frost kommt, darf er in einem Gartenhaus eines Vereins, der ihn seit einigen Monaten unterstützt, übernachten.

Anfang Februar wurde Benjamin das Angebot gemacht, das Objekt für 300 Euro zu erwerben, wenn er das Geld innerhalb von sechs Wochen zusammenbekommt. Eine Hamburgerin, die dem Obdachlosen seit Jahren an seinem festen Platz in der Innenstadt begegnet und sich hin und wieder mit ihm austauscht, war von seiner Geschichte so ergriffen, dass sie bei Facebook einen Spendenaufruf startete. „Da kommt doch die Idee auf, dass wenn jemand einen Euro über hat, einfach mal am Glockengießerwall vorbeischlendert“, schrieb die Frau, die sich Gine Stelli nennt, in dem sozialen Netzwerk.

Kaufsumme kommt nach zwei Tagen zusammen

Ihr Beitrag verbreitete sich rasant, inzwischen wurde er bereits 8700-mal geteilt. Nach gerade mal zwei Tagen hatte Benjamin sogar mehr als die aufgerufene Kaufsumme zusammen. Alleine an Überweisungen habe er 420 Euro erhalten, teilte Gine Stelli am 8. Februar bei Facebook mit, um sich bei allen Unterstützern zu bedanken. „Von Benjamin soll ich ausrichten, dass er damit nicht gerechnet hat und er unendlich dankbar ist“, schreib die Hamburgerin.

Doch Benjamin ist nicht der Einzige, der im Freien bei Minusgraden frieren muss und dem geholfen werden kann, lässt er über Gine Stelli ausrichten. „Seine Worte: Es gibt noch mehr Benjamins. Er will nicht mehr als er wünscht und freut sich, wenn die vielen Anfragen auch andere glücklich machen könnten.“

Pachtvertrag für Gartenhaus ist unterschrieben

Deshalb empfiehlt Gine Stelli, die auch einige Tage danach noch Spenden-Anfragen erhält, allen hilfsbereiten Hamburgern die mobile Bullysuppenküche finanziell zu unterstützen. Einen entsprechenden Hinweis postete sie als Kommentar unter ihren Spendenaufruf für Benjamin: „Jetzt fängt er an, die Hütte mit ein paar netten Handwerkern auszubauen und wenn er fertig ist, gibt er Bescheid, was er noch benötigt. Benjamin: Aber nur, wenn es keine Umstände macht.“

Das Wichtigste in diesen kalten Tagen konnte der Obdachlose vom Glockengießerwall dank der Hilfe von Gine Stelli und vielen Hamburgern bereits möglich machen: Benjamin hat jetzt ein Dach über dem Kopf.