Professorenkatalog

Das „Who is who“ der Hamburger Universität

In zwei Jahren wird die Hamburger Universität 100 Jahre alt. Im Hinblick auf dieses Jubiläum wurde der Katalog erstellt

In zwei Jahren wird die Hamburger Universität 100 Jahre alt. Im Hinblick auf dieses Jubiläum wurde der Katalog erstellt

Foto: Marcelo Hernandez / HA

An der Hochschule wurde der Professorenkatalog erstellt. Darin sind alle Lehrenden seit 1919 bis in die Gegenwart erfasst.

Hamburg. Carl Friedrich von Weizsäcker, Karl Schiller, Otto Stern – berühmte Namen schmücken die Hamburger Universität. Jetzt kann man genau nachlesen, wann und wie lange sie an der Universität gelehrt haben, im Hamburger Professorinnen- und Professorenkatalog, der am Donnerstag in Hamburg vorgestellt wurde. Darin sind alle Lehrenden, also Privatdozenten und Professoren, der Hamburger Universität seit ihrer Gründung 1919 bis in die Gegenwart erfasst.

Innerhalb der letzten drei Jahre hat Matthias Glasow in der Arbeitsstelle für Universitätsgeschichte mehr als 5000 Datensätze zusammengetragen, die ab sofort online (www.hpk.uni-hamburg. de) einzusehen sind. Bislang sind alle Daten der Lehrenden von 1919 bis 2010 online, die Daten für 2010 bis 2017 sollen demnächst veröffentlicht werden, und bis zum 100. Geburtstag der Universität 2019 sollen alle Lehrenden von der Gründung bis in die Gegenwart in dem Katalog stehen.

Auch die Lebensdaten erfasst

Nachlesen kann man dort den Zeitraum, in dem die Personen an der Uni Hamburg tätig waren, in welchem Fach sie gelehrt haben und an welchem Institut. Soweit vorhanden, sind auch die Lebensdaten erfasst, Art der Professur und Tätigkeiten in der Selbstverwaltung.

Zudem bietet der Katalog Möglichkeiten der Analyse. „Er ist eine wichtige Grundlage für die wissenschaftsgeschichtliche und universitätsgeschichtliche Forschung“, sagte Prof. Rainer Nicolaysen, Leiter der Arbeitsstelle für Universitätsgeschichte. Es gibt zwar auch an anderen deutschen Städten solche Kataloge. „Aber der Hamburger Katalog ist der einzige, der die Zeit von der Gründung der Universität bis in die Gegenwart abbildet“, sagte Nicolaysen.

Im Folgenden stellen wir einige der Professorinnen und Professoren vor, die durch ihre Arbeit weit über Hamburgs Grenzen hinaus bekannt geworden sind:

Roland Wiesendanger (geb. 1961)

Der Physiker hat seit 1992 eine Professur für Festkörperphysik an der Hamburger Universität und leitet seit 2003 das Institut für Angewandte Physik in Hamburg. Er ist Experte für Nanotechnologie. Mit seiner Arbeitsgruppe untersucht er vor allem den Magnetismus im Nanobereich. Für seine Arbeit erhielt er bereits zahlreiche Auszeichnungen. So wurde ihm 2015 als erstem Forscher der Hansestadt der mit 100.000 Euro dotierte Hamburger Wissenschaftspreis verliehen.

Brigitte Röder (geb. 1967)

Die Psychologin Brigitte Röder leitet seit 2003 den Arbeitsbereich Biologische Psychologie und Neuropsychologie an der Universität Hamburg. Sie untersucht unter anderem, wie anpassungs­fähig das Gehirn ist und wie sich die Lernfähigkeit des Gehirns im Laufe der Entwicklung verändert. Für ihre Forschungen wurde die Wissenschaftlerin schon mehrfach ausgezeichnet. Unter anderem erhielt sie 2013 den Leibniz-Preis, den mit bis zu 2,5 Millionen Euro höchstdotierten Forschungsförderpreis in Deutschland.

Christian Büchel (geb. 1965)

Der Mediziner ist seit 2005 Professor und Leiter des Instituts für Systematische Neurowissenschaften am Universitätsklinikum Eppendorf und hat auch eine Professur für Psychologie in der Psychologischen Fakultät. Zu den Schwerpunkten seiner Forschung gehören unter anderem Untersuchungen, wie Schmerz im Gehirn verarbeitet wird und was bei Angst und Furcht im Gehirn abläuft. Für seine Forschungen wurde der Wissenschaftler schon vielfach ausgezeichnet. 2015 erhielt er dafür den Leibniz-Preis.

Carl Friedrich von Weizsäcker (1912– 2007)

Der Physiker hat wesentlich dazu beigetragen, das öffentliche Bewusstsein für die politische Verantwortung der Naturwissenschaften zu fördern. So initiierte er 1957 die „Göttinger Erklärung“. Darin sprachen sich 19 Atomphysiker gegen die Absicht von Bundeskanzler Konrad Adenauer und Verteidigungsminister Franz Josef Strauß aus, die Bundeswehr mit Atomwaffen aufzurüsten. An dieser Erklärung wurde der Wandel Weizsäckers deutlich. Denn während des NS-Regimes hatte er noch von 1939 bis 1942 am sogenannten Uranprojekt zur militärischen Nutzung der Kernspaltung mitgearbeitet. 1957 war auch das Jahr, in dem er an einen Lehrstuhl des Philosophischen Seminars an der Universität Hamburg berufen wurde, den er bis 1969 innehatte. 1970 übernahm Weizsäcker mit dem Philosophen Jürgen Habermas die Leitung des Max-Planck-Instituts zur Erforschung der Lebensbedingungen der wissenschaftlich technischen Welt und festigte in dieser Tätigkeit seinen Ruf als Internationaler Friedens- und Konfliktforscher.

Otto Stern (1888–1969)

Der Physiker Otto Stern leitete von 1923 bis 1933 das Institut für Physikalische Chemie und baute es zu einem international anerkannten Forschungszentrum für Molekularphysik aus. 1933 kam er seiner Entlassung wegen seiner jüdischen Abstammung zuvor und emigrierte in die USA. Dort erhielt er eine Forschungsprofessur in Pittsburg und baute ein neues Labor auf. Für seine Hamburger Forschungen wurde Stern 1944 rückwirkend für 1943 mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet.

Karl Schiller (1911–1994)

Der Ökonom war nicht nur Wissenschaftler, sondern auch ein bedeutender Politiker der Bundesrepublik. Seine Tätigkeit an der Hamburger Universität begann 1946/47, als er den Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre zunächst als Vertretung übernahm. Ein Jahr später wurde er Direktor des Instituts für Außenhandel und Überseewirtschaft und übernahm kommissarisch die Leitung der Akademie für Gemeinwirtschaft. 1948 wurde der inzwischen der SPD beigetretene Wissenschaftler Senator für Wirtschaft und Verkehr in Hamburg. Von 1961 bis 1965 war Schiller Wirtschaftssenator in Berlin und wechselte dann in die Bundespolitik, als Minister für Wirtschaft (1966 bis 1972) von 1971 bis 1972 zusätzlich als Finanzminister.

Wolfgang Pauli (1900–1958)

Der Physiker war als Professor für Theoretische Physik von 1924 bis 1928 an der Hamburger Universität und arbeitete dort auch mit Otto Stern zusammen. Er entdeckte das nach ihm benannte Ausschließungsprinzip, ein physikalisches Gesetz in der Quantenphysik. Für diese Entdeckung erhielt Pauli 1945 den Nobelpreis für Physik. 1928 wurde der Wissenschaftler an die ETH Zürich berufen. Dort baute er eines der weltweit bedeutendsten Zentren der theoretischen Physik auf. Nach 1945 beschäftigte sich Pauli intensiv mit philosophischen und psychologischen Fragen, etwa der Lehre des Psychoanalytikers Carl Gustav Jung.

Agathe Lasch (1879 bis nach 1942)

Die Philologin war die erste weibliche Lehrstuhlinhaberin an der Hamburger Universität. Dort habilitierte sie sich 1919 und wurde 1923 zur Professorin für Niederdeutsche Philologie ernannt. Sie war auch die erste Germanistikprofessorin Deutschlands und wurde bekannt durch bahnbrechende Wörterbuchprojekte. 1934 wurde sie wegen ihrer jüdischen Abstammung entlassen. Im August 1942 wurde Agathe Lasch mit ihren Schwestern in Berlin verhaftet. Danach verliert sich ihre Spur.

Albrecht Mendelssohn-Bartholdy (1874–1936)

Der jüdische Jurist und Enkel des Komponisten Felix Mendelssohn-Bartholdy zählte zu den bedeutendsten Gelehrten an der Hamburger Universität. Er war Professor für Zivilrecht, Auslandsrecht und Internationales Privat- und Prozessrecht, von 1920 bis zu seiner Zwangsemeritierung 1933. Seit 1923 leitet er eines der weltweit ersten Friedensforschungsinstitute. 1934 emigrierte der Jurist nach Oxford, wo er nur zwei Jahre später starb.

Ernst Cassirer (1874–1945)

Der Philosoph gehörte zu den größten Denkern an der Hamburger Universität und war einer der letzten Universal­gelehrten des 20. Jahrhunderts. Gleich nach der Gründung 1919 wurde er als Professor an die neu gegründete Universität berufen und leitete dort das philosophische Seminar. Als ihm 1933 wegen seiner jüdischen Abstammung der Lehrstuhl entzogen wurde, emigrierte er noch im selben Jahr zusammen mit seiner Frau Toni. Dabei reiste er in mehrere Länder und blieb schließlich in Schweden. Nach seiner Emeritierung ging er 1941 als Gastprofessor in die USA und starb 1945 in New York.