Religion

Hamburg: Auch Muslime mögen Weihnachten

Nur wenige dieser Erstklässler feiern zu Hause Weihnachten. Mit den Vorbereitungen auf das Fest beschäftigen sie sich aber alle gern

Nur wenige dieser Erstklässler feiern zu Hause Weihnachten. Mit den Vorbereitungen auf das Fest beschäftigen sie sich aber alle gern

Foto: Theresa Philipp

An Schulen, in denen Christen in der Minderheit sind, wird in der Adventszeit selbstverständlich gefeiert.

Hamburg.  Am deutschtürkischen Elitegymnasium Lisesie in Istanbul sollte Weihnachten verboten werden. Mittlerweile ist diese Anordnung wohl vom Tisch – dennoch ist der Vorfall ein guter Anlass, das Thema mal anders­herum anzugehen: Wie gehen Hamburger Schulen mit überwiegend muslimischer Schülerschaft eigentlich mit dem christlichen Fest um?

Das Abendblatt hat sich umgehört. Und festgestellt: Auch muslimische Schüler feiern gern Weihnachten. Ihre Eltern – und auch das Islamische Zen­trum in Hamburg – stehen dem Fest offen gegenüber.

Muslimische Kinder für Weihnachtsdekoration

An der Geschwister-Scholl-Schule in Lurup war in diesem Jahr eigentlich nichts zu Weihnachten geplant. Doch dann setzten sich explizit die muslimischen Kinder für die Weihnachtsdekoration an der Schule ein, wie eine Lehrerin berichtet.

Kein Einzelfall: In der Aula der Grundschule Speckenreye in Horn etwa steht ein prächtig geschmückter Weihnachtsbaum – dabei feiern etwa in der Klasse 1a nur sieben von 19 Kindern zu Hause Weihnachten.

Weihnachten Thema in mehreren Fächern

Dennoch brennt in der Vorweihnachtszeit jeden Morgen eine Adventskerze im Klassenzimmer. Lehrerin Frauke Schmidt behandelt Weihnachten gleich in mehreren Fächern: In Geometrie haben die Schüler Weihnachtsbilder gemalt und dabei geometrische Formen verwendet. In Sachkunde haben sie sich mit dem Stern von Bethlehem beschäftigt. „Wir thematisieren Weihnachten eher überkonfessionell und sprechen über verschiedene religiöse Feste im Unterricht“, sagt Frauke Schmidt.

Wie jeden Tag in der letzten Zeit singen die Kinder auch heute Weihnachtslieder. Danach basteln sie Grußkarten für ihre Familien – für welches Fest, ist ihnen überlassen. Es werde Rücksicht auf alle Religionen genommen, sagt Schmidt. Für hohe, im Islam begangene Feste könnten sich muslimische Kinder sogar vom Unterricht befreien lassen.

Auch Eltern offen für christliche Religion

Salma, deren Eltern arabischer und russischer Herkunft sind, bastelt eine Karte für das muslimische Bayram-Fest, das am Ende der Fastenzeit gefeiert wird. „Obwohl wir zu Hause kein Weihnachten feiern, singe und bastele ich gerne“, sagt die Siebenjährige. Ihre Eltern fänden es gut, dass sie in der Schule auch christliche Feste kennenlernt. Eine Einstellung, die laut Frauke Schmidt viele Eltern muslimischer Schüler teilen. „Die Mütter haben sogar angeregt, ein Weihnachtfrühstück für die Kinder zu veranstalten.“

Auch Astrid Sanders, didaktische Leiterin der Nelson-Mandela-Schule, hat erlebt, dass viele Eltern muslimischer Schüler offen für die christliche Religion sind. Manche Kinder hätten ihr sogar erzählt, dass sie zu Hause einen Weihnachtsbaum haben.

Die Schulbehörde sieht das Weihnachtsfest vor allem als Chance der Integration. „Dennoch muss die Diversität der Schülerschaft geachtet und niemand darf zu etwas gezwungen werden“, so Pressesprecher Peter Albrecht. Laut Mohammad Ale Hosseini vom Islamischen Zentrum Hamburg ist Weihnachten auch für den Islam ein bedeutendes Fest – im religiösen Sinne (als Geburtstag des „Propheten“ Jesus) und aus menschlicher Sicht (als Fest, an dem Freunde und Familie zusammenkommen). „Für Muslime ist jeder Tag ein Festtag, an dem es darum geht, Liebe, Frieden und Gerechtigkeit in die Welt zu tragen“, so Ale Hosseini. „Deshalb feiern muslimische Familien und vor allem ihre Kinder Weihnachten.“