Abendblatt-Gespräch

Georgier diskutieren über ihre Situation in Deutschland

Eter Turadze mit Silvia Stöber (3. v. l.), Frauke Hamann (3. v. rechts) und Georgierinnen, die in Hamburg studieren, leben und arbeiten

Eter Turadze mit Silvia Stöber (3. v. l.), Frauke Hamann (3. v. rechts) und Georgierinnen, die in Hamburg studieren, leben und arbeiten

Foto: HA / HA / Mark Sandten

Chefredakteurin Eter Turadze der Zeitung „Batumelebi“ hat zum Gespräch über Visa-Liberalisierung und falsche Vorstellungen eingeladen

Hamburg.  Zu einer Diskussionsrunde zur Situation georgischer Migranten in Deutschland hatte die Chefredakteurin der georgischen Zeitung „Batumelebi“, Eter Turadze, in Hamburg eingeladen. Zu Gast beim Hamburger Abendblatt waren neben georgischen Studenten auch Georgierinnen, die seit Langem in Hamburg arbeiten und leben, die ARD-Journalistin Silvia Stöber und Frauke Hamann, Programmleiterin Journalismus von der „Zeit“-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius.

Turadze kam mit Unterstützung der internationalen Organisation New Diplomacy nach Hamburg. Im Rahmen dieses Projektes bearbeitet die Journalistin das Thema „Georgische Migranten und Flüchtlinge in Deutschland“. Zur Zeit absolviert Turadze beim Abendblatt ein Praktikum und recherchiert die Lage von Flüchtlingen in der Hansestadt.

22.000 Georgier leben in Deutschland

Ein Thema, das die Teilnehmer der Diskussionrunde sehr bewegt, ist eine mögliche Visa-Liberalisierung und die daraus entstehenden Möglichkeiten und Risiken. Für Georgier könnte es ab 2017 möglich sein wird, innerhalb der EU ohne Visum zu reisen.

Zu den Risiken zählt eine Zunahme der Zahl der Migranten aus Georgien. Über die Migration aus dem Kaukasusland und die damit verbundenen Ängste und Stigmas berichtete die ARD-Journalistin Silvia Stöber in der Redaktion des Abendblatts. Stöber befasst sich schon seit Monaten intensiv mit diesem Thema. Für Stöber ist die Migration „eines der sensibelsten Themen in den deutsch-georgischen Beziehungen“. Nach ihren Angaben leben heute in Deutschland nicht viele Georgier: „Gegenwärtig sind es 22.000. Im Jahr 2015 wurden knapp 3000 Asylanträge gestellt, 1400 wurden abgelehnt. Teilweise sind Leute auch abgeschoben worden in die Länder, in die sie zuerst eingereist sind. Offiziell sind 2015 etwa 600 Menschen eingereist, das sind aber keine Asylbewerber, das sind Leute, die offiziell in der Emigration angereist sind“.

Georgier schützen Deutsche in Afghanistan

Wie Stöber meint, haben die Georgier, die in die EU streben, ein falsches Bild über Deutschland und ihre Perspektiven in der EU: „Gerade letzte Woche ist es mir wieder passiert, dass ein Taxifahrer in Georgien mich angesprochen und mich gefragt hat, wie man am besten nach Deutschland kommt.“ Er benötige eine Herz-Behandlung in Deutschland und wollte wissen, wie er diese in Wege leiten könnte. „Und dann fragte er mich, ob er Asyl beantragen soll. Ein Freund von ihm habe das gemacht. Das habe funktioniert. Dann habe ich versucht, ihm zu erklären, dass das eben nicht funktioniert“.

Nach offiziellen Angaben des Europäischen Parlaments sollte in Europa keine Angst herrschen, dass durch die Visa-Liberalisierung für Georgien die Zahl der Einreisenden erheblich steigen würde. Allerdings gebe es ein gewisses Angstgefühl in der Gesellschaft. Darüber wird laut Stöber in der deutschen Medien sehr viel berichtet. Organisierte Kriminalität und Diebstähle durch Georgier sind in Deutschland aktuelle Themen. Auch in Hamburg, wenn es um Einbrüche geht.

Georgier berichten über Schwierigkeiten in Deutschland

In der Diskussion betonte Stöber auch, dass die Zahl der Georgier, die in Deutschland kriminell werden, nicht sehr hoch ist: „Das ist kein ganz einfaches Thema, und es ist vor allem so, wie es dargestellt wurde, nicht ganz richtig. So viel kann man auf jeden Fall sagen, dass die Zahl derjenigen, die dort tatsächlich festgenommen werden, im Vergleich zu früher sehr hoch ist. Die Steigerung war sehr hoch im Jahr 2015, aber die Zahl der Georgier an sich, die überhaupt als Verdächtige festgestellt wurde, ist an sich gar nicht so hoch. Also im Vergleich zu vielen anderen Ländern, auch zu EU-Ländern. Das ist ein wichtiger Fakt, den man beachten muss.“

Stöber ging auch auf die Rolle Georgiens und dessen militärischen Einsatz in Afghanistan ein. Sie betonte, dass Georgier ihren Beitrag leisten, obwohl das Land nicht Mitglied der Nato ist. Sie erinnerte an die Tatsache, dass Georgier zur Sicherung der Deutschen im Konsulat in Masar-i-Sharif beitragen – was in Deutschland kaum berichtet werde.

Stöber sprach auch über Georgier, die in Deutschland erfolgreich sind. Sie kenne viele Georgier, die in Deutschland studiert haben und zurück in ihre Heimat gefahren sind, um ihre Pläne dort zu verwirklichen.

An der Diskussion nahmen auch Georgier teil, die bereits die deutsche Staatsbürgerschaft haben. Sie berichteten über die Schwierigkeiten, die sie in den ersten Jahren in Deutschland hatten. Studenten aus Georgien sagten, dass sie viel arbeiten müssten, um ihr Studium zu ermöglichen. (HA)