Jahresbilanz

Hamburger Kupferhersteller Aurubis senkt die Dividende

Jürgen Schachler ist seit Anfang Juli Aurubis-Chef.
Er will den Kupferkonzern „schneller und agiler“ machen

Jürgen Schachler ist seit Anfang Juli Aurubis-Chef. Er will den Kupferkonzern „schneller und agiler“ machen

Foto: Andreas Laible / HA

Das Unternehmen hat ein schweres Jahr hinter sich. Der Stillstand des Hamburger Werks belastet.

Hamburg.  Es war seine erste Jahresbilanz, und über das Ende September beendete Geschäftsjahr 2015/16 hatte der neue Aurubis-Chef Jürgen Schachler wenig Erfreuliches zu sagen: Der Gewinn des Hamburger Kupferkonzerns ist gegenüber dem Rekordjahr 2014/15 deutlich zurückgegangen, der operative Gewinn vor Steuern (EBT) sank um annähernd 40 Prozent von 343 auf 213 Millionen Euro. „Das stellt uns nicht zufrieden, auch wenn es dafür nachvollziehbare Gründe gibt“, sagte Schachler. Ein deutlich niedrigeres Ergebnis war vom Konzern erwartet und auch vorhergesagt worden.

Schachler, der den Vorstandsvorsitz bei Europas größtem Kupferhersteller Anfang Juli übernommen hatte, deutete am Mittwoch zugleich erstmals an, wie sich das Unternehmen unter seiner Führung weiterentwickeln soll. Er sprach von einer „Periode der Veränderungen“, und auch mögliche Zukäufe spielen in den Überlegungen der Konzernspitze wieder eine größere Rolle.

Verbesserung von Arbeitsprozessen

Der Vorstand werde bei der Hauptversammlung Anfang März eine Konkretisierung der Konzernstrategie vorstellen, kündigte Schachler an. „Wir werden zu Akquisitionen übergehen, wenn sie das Kerngeschäft von Aurubis verstärken“, sagte er. Aurubis sei finanziell gut aufgestellt und habe das Potenzial dazu. Derzeit würden die Möglichkeiten analysiert. „Wir haben keine konkreten Projekte im Moment, wobei wir natürlich immer in Gesprächen sind.“

Zugleich hat Schachler das Ziel, die Arbeit der weltweit 6400 Mitarbeiter – davon etwa 2300 in Hamburg – „schneller und moderner“ zu gestalten. „Das Unternehmen und seine Beschäftigten stecken voller Ideen. Auch aus Mangel an Mitarbeitern und Kompetenzen konnte manches davon bisher nicht umgesetzt werden.“ Daher sollen im kommenden Jahr in Hamburg 40 bis 50 weitere Beschäftigte eingestellt werden, sowohl im Bereich Forschung und Entwicklung als auch für die Analyse und Verbesserung von Arbeitsprozessen.

Ein Bereich, der dem neuen Vorstandschef wichtig ist. „Aurubis ist ein sehr traditionsbewusstes Unternehmen. Die Art der Zusammenarbeit – intern und auch mit unseren Lieferanten und Kunden – verändert sich aber. Wir werden sehr stark daran arbeiten, künftig schneller von einer Idee zu einem Projekt und zu dessen Umsetzung zu kommen“, sagte Schachler.

Der Standort Hamburg bietet aus seiner Sicht zudem gute Voraussetzungen für die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle. „Unsere Produkte sind besser und reiner als die der allermeisten anderen Mitbewerber, die Umweltstandards des Hamburger Werks sind wegen seiner Innenstadtnähe sehr hoch. Es gibt immer wieder Anfragen anderer Unternehmen, die wissen wollen: ,Wie macht ihr das?‘“, berichtete Schachler. Daher ist es aus seiner Sicht naheliegend, aus diesen besonderen Kompetenzen im Stammwerk neue Businessmodelle zu entwickeln. „Hamburg wird weiter Kern unseres Unternehmens bleiben“, sagte Schachler.

Wärmeversorger für die östliche HafenCity?

Das Hamburger Werk könnte sogar zum Wärmeversorger für die östliche HafenCity werden. Derzeit laufen Verhandlungen, einen Teil der bei der Kupferherstellung entstehenden Abwärme von 2018 an für das Beheizen von Wohnungen zu nutzen.

Ein wichtiger Grund für den deutlich geringeren Gewinn im abgelaufenen Geschäftsjahr war die Modernisierung der Aurubis-Kupferhütte im bulgarischen Pirdop. Sie war im April und Mai fast acht Wochen lang für Wartung und Reparaturen komplett abgeschaltet, der Konzern investierte dort 44 Millionen Euro. Negativ wirkten sich zudem deutlich niedrigere Raffinierlöhne für Altkupfer und sinkende Verkaufspreise für Schwefelsäure aus. Sie ist ein Nebenprodukt der Kupferherstellung. Die Dividende pro Aktie soll nach den Vorstellungen von Vorstand und Aufsichtsrat auf 1,25 Euro sinken. Im vergangenen Jahr waren es 1,35 Euro gewesen.

Für das laufende Geschäftsjahr ist der Vorstand optimistischer. Der ­Kupferpreis sei seit Oktober um gut 20 Prozent gestiegen. Daher sei die Marktsituation bei Altkupfer besser, hieß es. „Insgesamt erwarten wir für das Geschäftsjahr 2016/17 ein deutlich steigendes operatives EBT“, sagte Schachler. Bei Aurubis versteht man darunter einen um mehr als zehn Prozent höheren Gewinn vor Steuern als im Vorjahr. Belastet wird das Ergebnis durch einen weiteren geplanten Stillstand: Das Hamburger Werk war im Oktober und November für Wartungsarbeiten drei Wochen lang teilweise stillgelegt.