Große Freiheit

Nach Vergewaltigung in Kiezbar: Haftbefehl gegen 34-Jährigen

Die 24-Jährige war am Wochenende in einer Bar auf der Großen Freiheit tanzen

Die 24-Jährige war am Wochenende in einer Bar auf der Großen Freiheit tanzen

Foto: dpa Picture-Alliance / Christian Charisius / picture alliance / dpa

24-Jährige auf Toilette missbraucht. Polizei fasst Verdächtigen noch am Tatort. Es ist ein polizeibekannter Asylbewerber aus Marokko.

Hamburg.  Nach der Vergewaltigung einer 24 -Jährigen in der Bar "99 Cent" auf der Großen Freiheit hat das Amtsgericht am Montag Haftbefehl gegen einen 34 Jahre alten Mann erlassen.

Der Marokkaner soll die Frau, die ihn zurückgewiesen hatte, auf der Toilette der Bar missbraucht haben. Der 34 Jahre alte Mann war im September 2015 als Flüchtling nach Deutschland gekommen und lebt hier als Asylbewerber.

Die Tat ereignete sich am frühen Sonntagmorgen. Das spätere Opfer war mit einer Freundin in die Bar gekommen. Der Laden war zu der Zeit sehr gut besucht. Auf der Tanzfläche, so ermittelte die Polizei, hatte der Mann versucht, mit der 24-Jährigen anzubändeln. „Er hatte sie mehrfach angetanzt. Die Frau hatte sich ihm gegenüber eindeutig ablehnend verhalten“, sagt ein Beamter. Als die 24-Jährige dann zur Toilette ging, folgte der Mann ihr unbemerkt.

Verdächtiger noch in der Bar festgenommen

Die Frau schilderte die Tat später so: Sie wurde von dem Mann gepackt, in eine Toilettenbox gezerrt, die der 34-Jährige von innen abschloss. Dann missbrauchte der Mann sein Opfer. Die Polizei hat bislang keine Zweifel an der Darstellung der jungen Frau.

Die 24-Jährige vertraute sich nach der Tat ihrer Freundin an. Die rief sofort die Polizei. Beamte riegelten das Lokal ab. Der Verdächtige wurde noch auf der Toilette festgenommen. Er war der Polizei bekannt. Der Marokkaner saß bis vor wenigen Wochen wegen Verdachts des schweren Diebstahls in Untersuchungshaft. Seit seiner Freilassung hatte er keinen Wohnsitz, der den Behörden bekannt war. Am Sonntag sollte der Mann erneut dem Haftrichter vorgeführt werden.

Polizei will an Silvester Präsenz zeigen

Allerdings gilt auch für den 34 Jahre alten Marokkaner die Unschuldsvermutung, solange er nicht rechtskräftig verurteilt ist. Im ersten Halbjahr 2016 waren Flüchtlinge überproportional als Tatverdächtige im Zusammenhang mit sexuell motivierten Delikten aufgefallen. Nach einer internen Statistik der Hamburger Polizei waren 19,5 Prozent aller Tatverdächtigen, gegen die wegen Beleidigung auf sexueller Grundlage ermittelt wurde, Flüchtlinge. Bei Vergewaltigungen lag der Anteil der ermittelten Flüchtlinge als Tatverdächtige bei 18,9 Prozent. Polizeiintern wird der große Anteil von Asylbewerbern an sexuell motivierten Delikten mit der Vielzahl von Anzeigen aus der Silvesternacht begründet. Bundesweit war im Jahr der Flüchtlingskrise 2015 die Zahl der Vergewaltigungen und sexuellen Nötigungen allerdings um 4,4 Prozent auf 7022 Fälle zurückgegangen. Das geht aus der „Polizeilichen Kriminalstatistik Bund, 2015“ hervor.

Die Hamburger Polizei will Silvester in diesem Jahr auf dem Kiez und am Jungfernstieg besonders viel Präsenz zeigen. „Wir haben uns intensiv auf den Silvestereinsatz vorbereitet“, sagt Polizeisprecher Timo Zill. „In unsere Konzeption sind natürlich auch die Handlungsanweisungen der Arbeitsgruppe eingeflossen, die die Silvestervorfälle bundesweit analysiert hatte. Wir sehen uns gut vorbereitet.

Zivilfahnder und Überwachungskameras

Nicht nur uniformierte Polizisten, sondern auch Zivilfahnder sollen in großem Umfang auf dem Kiez und am Jungfernstieg sowie an den Landungsbrücken eingesetzt werden. Zudem setzt die Polizei auf Überwachungskameras. Am Jungfernstieg soll für zusätzliche Beleuchtung gesorgt werden. „Zahlenmäßig mehr Beamte werden wir aber nicht im Dienst haben“, sagt Joachim Lenders, Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG). „Zu Silvester waren schon in den vergangenen Jahren alle verfügbaren Polizeibeamten im Einsatz.“ Grundsatz müsse sein, frühzeitig Probleme zu erkennen und konsequent vorzugehen. „Das beinhaltet auch, dass bereits bei verbalen Attacken gegen Frauen beispielsweise von Platzverweisen Gebrauch gemacht wird, damit es gar nicht erst zu körperlichen Übergriffen kommt.“

In Hamburg hatten nach Silvester mehr als 400 Frauen vorwiegend wegen Sexualdelikten Anzeige erstattet. Nur in drei Fällen kam es zur Anklage. Ein 19 Jahre alte Afghane wurde zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Er hatte sein Opfer bis nach Stellingen verfolgt und überfallen. Die Polizei hatte Spermaspuren gesichert. In den beiden anderen Fällen kam es zu Freisprüchen.