Gesundheit

Hamburgs Berufsanfänger sind immer häufiger krank

Ein junger Mann ist an seinem Arbeitsplatz überfordert, die Arbeit stapelt sich (Symbolbild)

Ein junger Mann ist an seinem Arbeitsplatz überfordert, die Arbeit stapelt sich (Symbolbild)

Foto: picture alliance

Spät kommen, früh gehen: Ist die Generation Z eine Horde Weicheier? Studie legt Unternehmen nahe, sich der Jungen anzunehmen.

Hamburg.  Aua am Rücken, hoher Blutdruck oder psychische Probleme: Schon Berufsanfänger sind heute in Hamburg häufig krank. Das geht aus dem aktuellen Gesundheitsreport der Barmer GEK für die Hansestadt hervor, in dem Diagnosen, Arzneimittelverordnungen und Krankschreibungen der Altersgruppe der 16- bis 30-Jährigen repräsentativ ausgewertet wurden. Diese sogenannte Generation Z aus jungen Berufstätigen und Studierenden hat andere Erwartungen an die Arbeitswelt als etwa die Generation Y (ab 1980), die Generation X (ab 1965) oder die Babyboomer (ab 1950). Christian Scholz, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Saarbrücken, hat den Zustand der jungen Generation für den Gesundheitsreport untersucht.

Großraumbüros sind für junge Leute das Böse

Erkenntnis Nummer eins: Die Vorstellungen der jungen Menschen von ihrem Arbeitsleben stimmt mit den gegenwärtigen Entwicklungen nicht überein. Laut Scholz lehnt die Generation Z die Vermischung von Arbeits- und Privatleben überwiegend ab und zieht eine strikte Trennung von Freizeit und Beruf mit Kernarbeitszeiten vor. Scholz: "Möglichst spät kommen, dafür aber früh gehen".

Auch für Großraumbüros kann sich diese Altersgruppe kaum begeistern. „Die Generation Z lehnt das Großraumkonzept ,Open Office‘ überwiegend ab. Sie präferiert kleinere Einheiten für zwei bis maximal vier Personen“, so Scholz. Und der eigene Schreibtisch sei für die Generation Z ebenso unverzichtbar wie für die anderen Generationen.

Von Ausnahmen abgesehen verhalte sich die Generation Z tendenziell gesundheitsbewusst. Auch ihre bevorzugte Arbeitsweise, unter anderem weniger Anforderungen von Unternehmen an ihre Flexibilität und klare Trennung von Beruf und Arbeitsleben, sei gesundheitsfördernd, so Scholz. Unternehmen müssten diese Bedürfnisse kennen und verstehen, um Arbeitsbedingungen und gesundheitsfördernde Maßnahmen entsprechend anpassen zu können, fordert Frank Liedtke, Landesgeschäftsführer der Barmer GEK in Hamburg. Die Entwicklung hin zu häufigen Krankheiten sei nämlich besorgniserregend, Ursachenforschung hält er für angebracht.

Ein Drittel der Arbeitnehmer leidet an Rückenschmerzen

Denn wie der Gesundheitsreport der Krankenkasse zeigt, haben schon viele junge Arbeitnehmer gesundheitliche Probleme. Dafür hat die Krankenkasse die verfügbaren Daten der Altersgruppe der 15- bis 30-Jährigen in den Jahren 2014 und 2015 analysiert. In Hamburg sind das 28.758 Versicherte der Barmer GEK, Schüler, Studierende, Auszubildende und bereits Berufstätige.

In den Ergebnissen wurde deutlich, dass bereits rund 36 Prozent der 16- bis 30-jährigen Hamburger an Erkrankungen des Bewegungsapparates leiden, insbesondere unter Rückenschmerzen. 2014 erhielten 22 Prozent der weiblichen Beschäftigten die Diagnose Rückenschmerzen, bei den Männern 16,5 Prozent. Letztere haben dafür häufiger Bluthochdruck. Bei den 26- bis 30-Jährigen sind es bereits 5,1 Prozent. 3,3 Prozent der männlichen Versicherten dieser Altersgruppe nehmen Blutdrucksenker ein.

Jeder Vierte hatte bereits psychische Probleme

Bei 24,66 Prozent aller 16- bis 30-Jährigen wurde 2014 mindestens einmal eine psychische Erkrankung festgestellt. Am häufigsten ging es dabei um sogenannte somatoforme Störungen, also körperliche Beschwerden, für die keine organische Ursache gefunden werden konnte, und um Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen. Solche Krisen führten bei Frauen häufiger zu einer Krankheitsdiagnose als bei Männern. Ob sie wirklich häufiger betroffen sind oder schneller einen Arzt aufsuchen, ist unklar.

Auffällig ist auch, dass es Unterschiede zwischen jungen Berufstätigen und Studierenden gab. So traten Krankheiten des Bewegungsapparates bei jungen Arbeitnehmern häufiger auf als bei Studierenden. Bei der Diagnose Depressionen sind Studierende zwischen 26 und 30 Jahren häufiger betroffen als ihre berufstätigen Altersgenossen.

Junge häufiger krank, aber nicht für lange Zeit

Insgesamt zeigt der Report, dass junge Berufstätige 2015 häufiger krank geschrieben waren als ältere Arbeitnehmer, aber meistens nur für wenige Tage. So liegen die Fehlzeiten bei den 15- bis 19-Jährigen durchschnittlich bei 6,7 Tagen, bei den 30- bis 34-Jährigen bei 11,3 Tagen und bei den 60- bis 64-Jährigen bei 21,6 Tagen

Unternehmensleitungen sollten sich auf Verhaltensmuster junger Leute einstellen, forderte Scholz. Dies sei "eine Bereicherung für eine neue Personalarbeit". Zwar seien in allen konkreten Fällen "sicherlich Kompromisse zwischen den verschiedenen Vorstellungen nötig". Doch es sei schon "weit mehr als nichts", die Differenzen überhaupt zum Thema zu machen. Schon dies könne helfen, Stress und Anfälligkeit für Krankheiten abzubauen. Sicher sei jedoch, dass aktuelle Vorschläge zur Ausgestaltung einer "Arbeitswelt 4.0" mit immer größerer Flexibilisierung alles andere als gesundheitsfördernd seien.