Landgericht

Mord vor 13 Jahren – Urteil gegen Mustafa G. rechtskräftig

Die Richter der Großen Strafkammer in Hamburg

Die Richter der Großen Strafkammer in Hamburg

Foto: Lukas Schulze / dpa

2003 tötete Musfafa G. den Liebhaber seiner Frau. Erst 2016 wurde er dafür verurteilt. Er legte Revision ein, die er jetzt zurückzog.

Neustadt.  Mustafa G. muss lebenslänglich ins Gefängnis. Das Urteil, das das Landgericht Hamburg Anfang März wegen Mordes gegen den 46-Jährigen verhängte, ist rechtskräftig. Das teilte das Gericht am Mittwoch mit.

Anfang März hatte das Landegericht Hamburg Mustafa G. wegen der Ermordung des Liebhabers seiner Ehefrau im Jahr 2003 zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. G. legte gegen das Urteil Revision ein, die er aber nach Bekanntgabe der schriftlichen Urteilsbegründung durch seinen Verteidiger am vergangenen Freitag zurücknehmen ließ.

Verurteilter wollte Nebenbuhler ursprünglich mit Schlägen abstrafen

Nach den Feststellungen der Schwurgerichtskammer drang Mustafa G. in der Nacht vom 3. auf den 4. Oktober 2003 gemeinsam mit einem inzwischen verstorbenen Komplizen in die Wohnung des Opfers T. ein, die dieser für heimliche Treffen mit der Ehefrau des Verurteilten angemietet hatte. Ursprünglich wollte der Verurteilte den dort schlafenden T. mit Schlägen abstrafen und von weiteren Kontakten zu seiner Frau abhalten. Beim Anblick gemeinsamer Urlaubsfotos des Liebhabers und seiner Ehefrau geriet Mustafa G. in Rage. Er holte ein Messer aus der Küche und stach mehrfach auf den im Bett schlafenden T. ein.

Das Opfer erwachte und versuchte vergeblich, den Angriff abzuwehren. Nachdem die Klinge des Messers im Brustbein Opfers steckengeblieben und der Griff abgebrochen war, verließ Mustafa G. mit seinem Begleiter die Wohnung und ging davon aus, den Liebhaber seiner Ehefrau getötet zu haben. Tatsächlich schleppte sich der Todgeweihte, schreiend vor Schmerzen und blutend, in den Hinterhof – dort lauerte ihm sein Peiniger erneut auf. Wieder stach er auf ihn ein, diesmal mit einem anderen Küchenmesser, und trat ihm mehrfach ins Gesicht. Mustafa G. wollte den Mann sogar enthaupten – bei dem Versuch brach die Klinge jedoch erneut. Der Geschäftsmann starb kurz darauf an den Folgen der zahlreichen Stich- und Schnittverletzungen.

Drei Männer stellten Mustafa G. falsches Alibi aus

Weil drei Zeugen Mustafa G. nach der Tat ein falsches Alibi ausstellten, waren die umfangreichen Ermittlungen gegen ihn zunächst eingestellt worden. Im August 2012 wurden sie wieder aufgenommen, nachdem sich ein Bekannter des 2006 verstorbenen Komplizen von Mustafa G. bei der Polizei gemeldet hatte – ihm hatte der Mittäter vor seinem Tod die wahre Geschichte vom Mord an Mustafa T. anvertraut. Um aufzuklären, was sich in jener Nacht abgespielt hatte, setzte die Polizei später sogar einen verdeckten Ermittler ein, der sich Zugang zu den Männern verschaffte, die für Mustafa G. gelogen hatten. Aufgrund der so gewonnenen Erkenntnisse wurde schließlich im September 2014 Haftbefehl erlassen und der Verurteilte kurz darauf in Untersuchungshaft genommen. Nach Erhebung der Anklage begann am im März 2015 die Hauptverhandlung. Für das Gericht glich die Aufklärung des Falls einer Sisyphusarbeit, der Prozess erstreckte sich über 51 Verhandlungstage bis zum 8. März 2016.

Nach Überzeugung der Kammer handelte der Verurteilte heimtückisch, indem er Mustafa T. in seiner Wohnung schlafend angriff und ihn in einem Zustand der Arg- und Wehrlosigkeit überraschte. Eine verminderte Schuldfähigkeit sah das Gericht nicht. Eine besondere Schwere der Schuld wurde nach Abwägung aller schulderschwerenden und schuldmindernden Gesichtspunkte nicht festgestellt.