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Was die Hamburger verdienen, wie viel sie ausgeben

In Blankenese wohnen
besonders viele
reiche Hamburger

In Blankenese wohnen besonders viele reiche Hamburger

Foto: Andreas Laible / HA

Gehalt so hoch wie nirgendwo sonst in Deutschland. Exklusiver Abendblatt-Vergleich zeigt, wie es um die Finanzen der Hamburger steht.

Hamburg.  Den Hamburgern geht es finanziell derzeit besonders gut. Ob Verdienst, Konsum oder Vermögen: In vielen Bereichen liegen sie bundesweit an der Spitze. Die Durchschnittswerte werden von vielen Faktoren beeinflusst. Viele gut bezahlte Jobs und eine seit Jahren zunehmende Beschäftigung zählen dazu. So stieg die Zahl der Erwerbstätigen in den vergangenen fünf Jahren um 15 Prozent. „Hamburg profitiert vom Zuzug gut qualifizierter Arbeitnehmer und dem wachsenden Angebot an Arbeitsplätzen“, sagt Michael Bräuninger, Leiter des Economic Trend Research. Das Abendblatt schlüsselt auf, was die Hamburger verdienen, wofür sie es ausgeben und wie sie ihr Geld anlegen.

Einkommen

Beim Verdienst der Arbeitnehmer liegt Hamburg an der Spitze aller Bundesländer. Im Schnitt betragen die Monatsbruttoverdienste der Vollzeitbeschäftigten im produzierenden Gewerbe, im Dienstleistungsbereich und bei den Beamten im öffentlichen Dienst laut dem Statistikamt Nord 4094 Euro, wobei es eine große Spanne zwischen Leitungspositionen (7144 Euro) und ungelernten Arbeitnehmern (2055 Euro) gibt. Facharbeiter haben 3298 Euro auf dem Lohnzettel stehen.

Gehalt in Hamburg ist so hoch wie nirgendwo

Eine weitere wichtige Größe ist das Einkommen der Haushalte. Hier fließt mehr ein als das Gehalt. „Auch staatliche Leistungen wie Kinder- oder Wohngeld gehen in diese Rechnung ebenso ein wie Mieteinnahmen oder Kapitaleinkünfte“, sagt Dörte Nitt-Drießelmann vom Hamburgischen WeltWirtschaftsInstitut, das das verfügbare Einkommen in den 20 größten Städten verglichen hat. Hamburg liegt auf dem vierten Platz hinter München, Düsseldorf und Stuttgart. In der Hansestadt beträgt das verfügbare Einkommen pro Haushalt 39.380 Euro.

Ausgaben fürs Wohnen

Hohe Beschäftigung und stetiger Zuzug machen gleichzeitig das Wohnen immer teurer. So stieg die Einwohnerzahl in den Jahren 2000 bis 2015 um sieben Prozent, rund 117.000 Neu-Hamburger siedelten sich hier an, noch stärker nahm die Zahl der Haushalte zu: um 124.000. So nimmt der Druck in gefragten Stadtteilen derart zu, dass das Wohnen hier fast so teuer wie in München ist. Das zeigt der Wohnkostenindex von Immobilienscout24. In Stadtteilen wie Hoheluft-Ost, Sternschanze, Ottensen und St. Pauli müssen bis zu 35 Prozent des Einkommens für die Miete ausgegeben werden. „Die Hansestadt nähert sich mehr und mehr an Münchner Verhältnisse an, wo der Wohnkostenanteil bis zu 38 Prozent des Einkommens beträgt“, sagt Jan Herbecker von Immobilienscout24. Der Durchschnittswert in Hamburg: 23 Prozent.

Wer in die eigenen vier Wände ziehen will, profitiert zwar von den niedrigen Zinsen, muss aber immer höhere Kaufpreise stemmen. „Die Bereitschaft, sich mehr zu verschulden, steigt weiter an“, sagt Ralf Weitz von Immobilienscout24. Hamburger nehmen jetzt im Schnitt einen Kredit von 274.000 Euro auf. Das sind 34 Prozent mehr als im bundesweiten Durchschnitt.

Konsumausgaben

Wie beim Verdienst liegt Hamburg auch bei den Konsumausgaben bundesweit an der Spitze. Pro Einwohner und Jahr stehen dafür laut Statistikamt Nord 22.000 Euro zur Verfügung. Das sind zwölf Prozent mehr als im Bundesdurchschnitt. „Die Hamburger sind sehr konsumfreudig und erreichen in einigen Bereichen außerordentliche hohe Abweichungen vom Bundesdurchschnitt“, sagt Cornelia Lichtner vom Marktforschungsunternehmen GfK. Hamburger seien auch sehr technik-affin. So liegen die jährlichen Ausgaben pro Kopf für Telekommunikation 27 Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Für Unterhaltungselektronik werden 21 Prozent mehr ausgegeben. In absoluten Beträgen sind das 204 Euro pro Kopf und Jahr. Bei Bekleidung liegen die Hamburger nur leicht über dem Bundesdurchschnitt. 481 Euro legen sie pro Jahr für neue Klamotten auf die Ladentische.

Einer der größten Posten in den Konsumausgaben sind Lebensmittel. Jeder Hamburger gibt dafür im Schnitt 2596 Euro im Jahr aus, so die Prognose der GfK. Damit liegen die Hamburger zehn Prozent über dem Bundesschnitt. „Einsame Spitze sind die Hamburger bei Süßwaren mit 197 Euro pro Kopf im Jahr“, sagt Lichtner. Auch für Fisch, Käse, Molkereiprodukte, Kaffee und Tee verzeichnen die Statistiker überdurchschnittliche Ausgaben. So werden allein für Käse 114 Euro aufgewendet, und Kaffee schlägt mit 78 Euro pro Kopf und Jahr in der Haushaltsrechnung zu Buche.

Geldanlage

Das Geldvermögen beträgt in Hamburg pro Haushalt rund 44.000 Euro. Nach der Aufstellung des Statistikamtes Nord liegen im Schnitt 6500 Euro auf dem Sparbuch und 1800 Euro auf dem Bausparkonto. In den Depots haben die 1,3 Millionen Hamburger Haushalte im Schnitt 15.100 Euro in Form von Anleihen, Aktien oder Investmentfonds. Diese Durchschnittswerte sagen aber nichts über die tatsächliche Verbreitung von Aktienanlagen, die wegen der historisch niedrigen Zinsen immer wichtiger werden. Denn tatsächlich halten nach einer Untersuchung der Comdirect Bank nur 9,4 Prozent der Hamburger Aktien. Je nach Stadtteil ist der Aktienbesitz sehr unterschiedlich verteilt. Hohe Anteile finden sich mit rund 16 Prozent in Wellingsbüttel, Groß Flottbek und Nienstedten. Bei der Geldanlage bevorzugen die Hamburger aber Sparbuch sowie Tages-und Festgeld.

Erben

Jeder vierte Norddeutsche rechnet in den nächsten Jahren mit einer Erbschaft, geht aus einer Studie der Deutschen Bank hervor. Spezielle Zahlen für Hamburg gibt es nicht. Immer häufiger wird das Erbe künftig von Immobilien bestimmt. 58 Prozent der künftigen Erben gehen davon aus, eine selbst genutzte Immobilie zu erben. Vor drei Jahren erwarteten das 37 Prozent. Bis 2024 wird in Deutschland insgesamt ein Privatvermögen von 3,1 Billionen Euro vererbt. Das wird auch die Vermögenslage der Hamburger weiter verbessern.

Überschuldung

Rund zehn Prozent der Hamburger über 18 Jahre müssen sich ganz andere Gedanken um das Geld machen, denn sie sind überschuldet. Sie können also mit ihrem Einkommen die fälligen Forderungen nicht mehr begleichen. In der Hansestadt liegt der Anteil der Überschuldeten mit 10,57 Prozent leicht über dem Bundesdurchschnitt (9,92 Prozent). Die Hauptursachen für Überschuldung sind Arbeitslosigkeit, Krankheit, Scheidung. „Häufig gibt es keinen alleinigen Auslöser, sondern es ist ein Zusammentreffen vieler Faktoren“, sagt Michael Knobloch, Vorstand der Verbraucherzentrale Hamburg. Im Schnitt belaufen sich die Verpflichtungen der Überschuldeten in Hamburg auf rund 26.000 Euro.