Verbraucherschutz

Wie Sie sich vor Schlüsseldienst-Abzocke schützen können

Ein Schlüsseldienst kann Retter in der Not sein

Ein Schlüsseldienst kann Retter in der Not sein

Foto: dpa picture alliance/ Ulrich Baumgarten / picture alliance

Einige Anbieter locken mit günstigen Preisen, kassieren dann aber richtig ab. Was die Verbraucherschutzzentrale rät.

Hamburg.  Eine Sekunde der Unachtsamkeit reicht aus. Und in dem Moment, in dem es Klack macht und die Tür ins Schloss gefallen ist, ist es eh zu spät. Meist folgt auf die böse Ahnung noch minutenlanges Wühlen in Hosentaschen, Jackentaschen, Handtaschen. Aber in Wahrheit weiß man eh, dass der Schlüssel noch auf der Ablage in der Wohnung liegt und dass es jetzt nur eine Lösung gibt: Den Schlüsseldienst.

Dienstleister gibt es im Internet etliche. Und viele werben mit günstigen Preisen ab 20 Euro. Immer wieder gibt es aber Fälle, in denen der Verbraucher die Bedeutung des Wörtchens „ab“ sehr deutlich zu spüren bekommt. Nämlich dann, wenn aus 20 plötzlich 300, 400, 500 Euro oder mehr werden.

Wenn aus 20 plötzlich 500 Euro werden

Nach Angaben der Verbraucherzentrale in Hamburg kommt genau das ziemlich häufig vor. Der Bericht eines Hamburger Kunden bestätigt die Einschätzung. Ihm war vor Kurzem der Wohnungsschlüssel abgebrochen, die Spitze blieb im Zylinder stecken. Weil er den ortsansässigen Schlüsseldienst telefonisch nicht erreichen konnte, suchte er im Internet nach einem anderen Anbieter – und wurde fündig. 40 Minuten nach seinem Anruf erschien ein Firmenmitarbeiter.

Wie der Kunde berichtet, machte der Monteur keine Versuche, das abgebrochene Stück herauszubekommen, stattdessen wollte er direkt ein neues Schloss einbauen. Erst in letzter Sekunde rückte er nach mehrfachem Nachfragen mit dem Preis heraus: 700 bis 800 Euro. Der Hamburger Kunde stoppte den Vorgang sofort, gab dem Monteur 85 Euro für die Fahrt und schickte ihn weg.

Angemessener Preis beträgt maximal 150 Euro

Laut Julia Rehberg von der Verbraucherschutzzentrale hat der Kunde intuitiv vieles richtig gemacht – bis auf die Sache mit dem Fahrtgeld. „Da bestand keine Zahlungspflicht.“ Viele andere Kunden hätten nicht den Mut, in einer solchen Situation einzuschreiten. Verbraucherschützerin Rehberg schildert einen typischen Fall: „Jemand sperrt sich nachts aus der Wohnung aus und ruft den Schlüsseldienst, der sich am Telefon nicht auf einen Festpreis einlässt und nach erledigter Arbeit dann 300 Euro sofort und in bar fordert. Und weil der Kunde aufgeregt und überrumpelt ist, zahlt er.“

Oft würden die Kunden die geforderten Beträge zahlen, weil sie keine Alternative sehen und nicht über ihre Rechte Bescheid wüssten. Dabei gebe es klare Regelungen: „Für eine einfache Türöffnung ohne Austausch des Schlosses sind 100 Euro und am Wochenende oder nachts bis zu 180 Euro angemessen.“ Wird mehr verlangt, sollte sich der Verbraucher auf keinen Fall darauf einlassen, den gesamten Betrag zu zahlen. Rehberg rät dazu, nur einen Teil der Rechnung sofort zu begleichen und um eine detaillierte Gesamtrechnung zu bitten, die man dann später ganz in Ruhe prüfen kann.

Ebenfalls sei es ratsam, sich bereits am Telefon erläutern zu lassen, was hinter den „ab“-Preisen steckt. Meist werde dabei die An- und Abfahrt einbezogen. „Man sollte also in jedem Fall vorher fragen, wie weit die Anreise des Schlüsseldienst-Monteurs ist.“

Wer vor lauter Aufregung den Preis schon gezahlt hat, habe dennoch gute Chancen, das Geld erstattet zu bekommen. „Das geht allerdings meist nur vor Gericht“, sagt Rehberg. Entsprechende Urteile sind auf der Homepage der Verbraucherzentrale aufgelistet. 2010 etwa ist ein Fall vor dem Amtsgericht Hamburg verhandelt worden, bei dem für eine einfach Türöffnung 520 Euro verlangt wurden. Das Gericht entschied, dass es sich dabei um Wucher handelt. Der Beklagte musste 320 Euro zurückzahlen.

„Vor Gericht zu gehen, ist natürlich anstrengend, aber wenn es um ein paar Hundert Euro geht, kann es sich schon lohnen.“ Vorher empfiehlt es sich aber, von der Verbraucherzentrale prüfen zu lassen, ob tatsächlich Wucher vorliegt. „Davon spricht man in der Regel, wenn mehr als das Doppelte des üblichen Preises verlangt wird“, so Julia Rehberg weiter.

Es gibt auch seriöse Anbieter

Selbstverständlich gibt es aber auch Unternehmen, bei denen es am Ende keine böse Überraschung gibt. Etwa bei dem Hamburger Schlüsselnotdienst „Alles Klar – Sicherheitstechnik“, der seit zwölf Jahren von Detlef Wilhelm geführt wird. Hier gibt es keine „ab“-Preise oder 15-Minuten-Taktungen für die An- und Abfahrt. Tagsüber kostet das einfache Türenöffnen 49 Euro, von 18 bis 20 Uhr 78 Euro, bis 24 Uhr 87 Euro und nachts 98 Euro. In dem Preis ist die An- und Abfahrt sowie Mehrwertsteuer bereits enthalten. „Zusätzlich können noch Materialkosten dazukommen, die etwa dann entstehen können, wenn die Tür nicht nur ins Schloss gefallen, sondern auch abgeschlossen ist.“, sagt Wilhelm. Davon werde aber kein Kunde vor Ort überrascht. „Wir lassen uns die Situation vorher beschreiben und können dann in jedem Fall am Telefon einen Festpreis ausmachen.“ Dass einige Konkurrenten angeben, das könne man erst nach einer Begutachtung vor Ort entscheiden, hält er für Abzocke. „Jeder seriöse Schlüsseldienst kann den Preis vorher ermitteln, alles andere stimmt einfach nicht.“

Für den Hamburger Kunden, der 800 Euro für das Austauschen des Schlosses bezahlen sollte, stellte sich die Entscheidung, nach einem anderen Anbieter zu suchen, übrigens als sehr sinnvoll heraus. Das Türschloss ist inzwischen von einem ortsansässigen Schlüsseldienst repariert worden – für 155 Euro.