Glosse

Liebe Studenten: Nicht schlafen, nicht essen, fleißig sein!

Das Hamburger UKE will mit einem Verhaltenskodex für besseres Benehmen in Lehrveranstaltungen sorgen. Ob das klappt?

Hamburg. Die Vorlesung, der natürliche Feind des Studierenden. Entweder sie fängt zu früh an, hört zu spät auf oder kollidiert sonstwie mit dem persönlichen Kalender. Das führt gern zu Überschneidungen der Lehrveranstaltung mit Mahlzeiten, dringenden Verabredungen oder – im schlimmsten Fall – dem Ankleiden.

Auch inhaltlich hat man oft seine Mühen mit den Pflichtveranstaltungen im Stundenplan: "Ist das prüfungsrelevant?" gehört zu den am meisten verabscheuten Fragen, die ein Dozent beantworten kann. Die Antwort "Nicht direkt" führt zu spontaner Selbstabschaltung des Studentenhirns, die Antwort "Alles ist relevant" zu kollektivem Aufstöhnen und endlosen Diskussionen über die genauen Modalitäten der Prüfung.

Den Benehmens-Stilblüten des medizinischen Nachwuchses versucht das UKE mit dem Start dieses Semesters nun einen Riegel vorzuschieben. Es gilt ein Verhaltenskodex, der aufgrund "mitunter unzufriedener Stimmen über das Verhalten Einzelner" erlassen wurde, wie Andreas Guse, der Prodekan für Lehre betont. Man habe das "proaktiv angehen und verbessern" wollen.

Pünktlich erscheinen und nicht nach Kneipe riechen

Herausgekommen sind Maßgaben, die aus erwachsener Perspektive eigentlich nicht der weiteren Erwähnung bedurft hätten: eine über die physische Anwesenheit hinausgehende Beteiligung an den Tag legen; nicht auf dem Handy herumspielen; pünktlich erscheinen – ohne Frühstücksbuffet unter dem Arm. Und zumindest in Anwesenheit von Patienten vollständig bekleidet sein und nicht nach Kneipe riechen.

Das alles fällt allerdings in den tiefroten Bereich der Sekundärtugenden, die von Spätadoleszenten schon seit Anbeginn der Tage abgelehnt werden. Regeln sind schließlich was für Spießer und hindern einen an der freien Entfaltung der just erwachten Persönlichkeit. Zumindest so lange, bis man die Seiten gewechselt hat und auf einmal selber vor einem Haufen gelangweilter, halb angezogener, verkaterter Jungspunde steht. Dann schließt sich der Kreis und man kann endlich über das saumäßige Benehmen der Jugend von heute meckern.