Umfrage

Den Chef duzen? Hamburger sind da fast einer Meinung

Hans-Georg Frey, Vorsitzender des Vorstandes der Jungheinrich AG: "Ich bin kein Anhänger des Duzens"

Hans-Georg Frey, Vorsitzender des Vorstandes der Jungheinrich AG: "Ich bin kein Anhänger des Duzens"

Foto: Klaus Bodig / HA / Klaus Bodig

Viele Firmen führen lockerere Umgangsformen ein. Eine Umfrage ergab für Hamburg das bundesweit eindeutigste Ergebnis.

Hamburg. Soll man wirklich seinen Chef duzen? Nachdem der Vorstandsvorsitzende der Hamburger Otto Group, Hans-Otto Schrader (genannt "Hos"), seinen weltweit 53.000 Mitarbeitern das Du angeboten hat, ergab jetzt eine repräsentative Umfrage der GfK Markforschung Nürnberg im Auftrag der "Welt am Sonntag": 91,6 Prozent der Hamburger wollen gar nicht von ihren Chefs oder von ihren Untergebenen im Berufsalltag geduzt werden. In Hamburg sei die Ablehnung des Du im Bundesvergleich besonders hoch – so viel hanseatische Zurückhaltung muss schon sein. Bundesweit sind es zwei von drei Befragten, die sich gegen diese Anrede im Berufsalltag aussprechen.

Bei den Berlinern sind es 88,1 Prozent. In den ostdeutschen Bundesländern ist die Ablehnung des vertraulichen Du (79,8 Prozent) größer als in den westdeutschen (63,2 Prozent). Das Duzen unter gleichrangigen Kollegen dagegen finden fast 88 Prozent der Befragten gut oder akzeptabel.

Auch beim Einkaufen kein Du

Ein ähnliches Bild ergibt sich beim Einkaufen oder im Restaurant. Zwei von drei Befragten wollen nicht von Verkäufern oder Kellnern geduzt werden. Für die Erhebung wurden den Angaben zufolge 1000 Deutsche ab 14 Jahren befragt.

Dass die angeblich lockeren Umgangsformen in Hamburg tatsächlich nicht überall auf Akzeptanz stoßen, hatte unlängst der Chef von Jungheinrich, Hans-Georg Frey, in einem Abendblatt-Interview betont. "Ich bin kein Anhänger des Duzens und glaube, dass das 'Sie' auch Ausdruck des gegenseitigen Respekts ist", sagte er. "Es gibt Mitarbeiter, mit denen ich schon sehr lange sehr vertrauensvoll zusammenarbeite, trotzdem sind wir immer beim Sie geblieben."