Arbeitsmarkt

Hamburg erkennt immer mehr ausländische Ausbildungen an

Ein Auszubildender arbeitet mit einem Handhobel (Symbolbild)

Ein Auszubildender arbeitet mit einem Handhobel (Symbolbild)

Foto: David Ebener / dpa

Vor allem jüngere Menschen streben die Anerkennung ihrer im Ausland erworbenen Abschlüsse an.

Hamburg.  Immer mehr Menschen lassen in Hamburg ihre im Ausland erworbene Berufsausbildung anerkennen. Die vom Diakonischen Werk geführte Zentrale Anlaufstelle Anerkennung (ZAA) am Alten Wall verzeichnet ein wachsendes Interesse an Beratungsgesprächen. Wurden im Jahr 2014 noch insgesamt 1298 Beratungsgespräche geführt, waren es allein im ersten Halbjahr 2016 bereits 1113. Das ergibt sich aus einer Senatsantwort auf eine Kleine Anfrage des SPD-Bürgerschaftsabgeordneten Kazim Abaci.

Hintergrund: 2012 traten zuerst im Bund und dann auch in Hamburg Gesetze zur einfacheren Anerkennung ausländischer Berufsausbildungen in Kraft. Das Hamburger Gesetz wurde Ende 2015 weiterentwickelt. Ziel ist es, qualifizierten Arbeitskräften mit sicherem Aufenthaltsstaus den Zugang zum Arbeitsmarkt zu erleichtern.

Fast 60 Prozent waren 34 Jahre oder jünger

Nach der vorliegenden Statistik war das Interesse an einer Beratung bei Frauen zwischen dem 1. Januar 2014 und dem 30. Juni 2016 größer als bei Männern. 60 Prozent der Ratsuchenden waren Frauen. Vor allem jüngere Menschen streben die Anerkennung ihrer im Ausland erworbenen Abschlüsse an: Fast 60 Prozent der Ratsuchenden waren laut Statistik 34 Jahre oder jünger.

Mit 344 Personen waren die Syrer am stärksten unter den ZAA-Kunden vertreten, gefolgt von Russen (305), Polen (291), Iranern (276), Ukrainern (176), Afghanen und Spaniern (je 104). Die häufigsten Berufe (Januar 2015 bis Juni 2016) waren Lehrer (322), Ingenieure (275), Wirtschaftswissenschaftler (272), Erzieher (137), Gesundheits- und Krankenpfleger (101), Ärzte (88) und sozialpädagogische Berufe (65).

Zu den Anerkennungsverfahren gibt es bisher lediglich Daten aus dem Jahr 2014. Demnach gab es 885 Anerkennungsverfahren, von denen 825 abgeschlossen und 60 noch nicht beschieden wurden. Dabei wurden deutlich mehr Berufsabschlüsse anerkannt als Anträge abgelehnt. Insgesamt gab es 219 Ablehnungen, während die Ausbildungen in 399 Fällen als gleichwertig mit deutschen Abschlüssen anerkannt wurden.

In weiteren 207 Fällen wurde die Anerkennung mit einer Auflage verbunden, also etwa einer Weiterbildung oder einem „Anpassungslehrgang“. Insgesamt 559 Zugewanderte wurden mit Stipendien in unterschiedlicher Höhe ausgestattet. Die meisten der voll anerkannten Ausbildungen gehören zu den medizinischen Gesundheitsberufen (198), gefolgt von „lehrenden und ausbildenden Berufen“ (36), den Bereichen Technik/Forschung/Konstruktion (36) und Unternehmensführung (30).

„Mit den Anerkennungsgesetzen von Bund und Land haben 2012 viele Menschen mit ausländischen Abschlüssen eine zusätzliche Perspektive bekommen, um in Deutschland qualifiziert leben und arbeiten zu können“, sagte der Leiter der ZAA, Michael Gwosdz. „Es ist gut, dass es diese gibt. Vieles ist auch schon sehr fortschrittlich – so die Möglichkeit, Anträge auf Anerkennung vom Ausland aus stellen zu können oder bei Verlust der Zeugnisse durch Flucht und Krieg trotzdem eine Möglichkeit der Anerkennung zu haben. Da die Anerkennung in vielen Situationen nur eine Möglichkeit von mehreren ist, die den Menschen eine Perspektive bietet, stellen auch nicht alle, die es könnten, tatsächlich einen Antrag.“

Um die Zahlen zu verstehen, müsse man „aber auch wissen, dass alle Menschen, die allgemeine akademische Abschlüsse aus dem Ausland haben, wie Geschichte, Betriebswirtschaft, Chemie, nicht in der Statistik auftauchen“, so Gwosdz. „Die Zeugnisbewertung ausländischer Hochschulabschlüsse ist keine berufliche Anerkennung und fällt daher nicht unter die Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen.“

Der SPD-Abgeordnete Kazim Abaci bewertete es positiv, dass der Anteil der von Frauen und jüngeren Personen hoch sei. „Die Zahlen zeigen aber auch: Da ist noch Luft nach oben, gerade auch bei der Anerkennung von Qualifikationen von Flüchtlingen.“