Mode

Elbdirndl aus Hamburg sollen Asiatinnen begeistern

Simone Timm (l.) und Tina Hintze mit einer Auswahl ihrer umfangreichen Elbdirndl-Kollektion

Simone Timm (l.) und Tina Hintze mit einer Auswahl ihrer umfangreichen Elbdirndl-Kollektion

Foto: Andreas Laible / HA

Hamburger Designerin Tina Hintze verkauft ihre eigenen Kreationen für Preise zwischen 400 und 600 Euro. Nun wird sie international.

Hamburg.  Nach dem Oktoberfest ist vor der Hütten-Saison: An der langen Kleiderstange im Atelier von Tina Hint­ze raschelt es leise. Feine Seide bewegt sich hier. Dicht an dicht hängen ihre Kreationen nebeneinander: Pink und Mint, in knalligem Violett, in einem sanften Cremeton und in sattem Rot, mit Blumenmustern, Pelzbesatz, Schleifen – und auch mit viel, viel Glitzer. „Jedes Dirndl ist ein Unikat“, sagt Designerin Hintze und schiebt die Kleiderbügel vorsichtig auseinander. „Im Moment habe ich so viel zu tun, dass ich kaum hinterherkomme.“

Wie bitte? Traditionelle Trachtenmode made im feinen Hamburger Westen? Tina Hintze lächelt. Im vergangenen Jahr hat die 34-Jährige das Label Elbdirndl gegründet. Vor einigen Wochen hat sie Verkaufsprofi Simone Timm als Partnerin in das kleine Start-up geholt. Damit wächst eine überraschend neue Modekompetenz in Deutschlands Norden. Denn auch der Online-Trachtenshop Limberry hat seinen Sitz in der Hansestadt.

„Dirndl sind großartige Kleider, wenn sie gut gemacht sind und perfekt sitzen“, sagt Elbdirndl-Gründerin Tina Hintze. Und zum Beweis hat sie natürlich eines an: in Rot. Simone Timm trägt derweil blau. Die Idee für die Dirndl-Manufaktur an der Elbe war vor einigen Jahren entstanden, nachdem die beiden für einen Besuch mit ihren Ehemännern auf dem Oktoberfest die passende Gardrobe gesucht hatten. „Das war nicht so einfach“, sagt Hintze. Zwar werden inzwischen auch im Norden Dirndl in verschiedenen Preisklassen angeboten. Aber so richtig zufrieden war die Einzelhandelskauffrau, die lange bei edlen und international bekannten Modehäusern wie Chanel und Joop gearbeitet hat, nicht. Selbstbewusst beschloss sie: „Dann mache ich es selbst.“

Fachbücher und Video-Tutorials

Dass sich daraus ein Geschäftsmodell entwickeln könnte, habe sie damals nicht geahnt. Mit Hilfe von Fachbüchern und Video-Tutorials machte sie sich ans Werk. 2014 erschienen Hintze und Timm zum ersten Mal in selbstgeschneiderten Dirndln auf der Münchener Wiesn. Ein paar Monate später verkaufte sie das erste Modell über Ebay. „Das ging ganz schnell weg“, erinnert sich die Selfmade-Schneiderin. Weitere Aufträge folgten, dann kam die Existenzgründung. „Ganz ohne Kredite und Zuschüsse“, betont sie stolz. Im Herbst ging die erste Großbestellung ein. Das Ehepaar Hauser ordnete Elbdirndl für das Service-Personal der Almhütte am Hotel und Restaurant Süllberg als Dienstkleidung.

Zwei Tage dauert es im Schnitt, um ein Elbdirndl fertigzustellen, immer mit viel Liebe zum Detail. Es gibt zwei Grundmodelle, die variiert werden. „Die Qualität ist das Wichtigste. Wir verwenden ausschließlich Seide“, sagt Simone Timm, die für den neuen Job ihre Position als Sales-Managerin in einem Pharma-Unternehmen gekündigt hat. Knapp 400 bis 600 Euro kostet jede Kreation, Hochzeitsdirndl bis zu 800 Euro. Der Verkauf läuft über die Internetseite elbdirndl.de. Es gibt auch Blusen und Schmuckketten, sogenannte Charivaris Über die genauen Zahlen schweigen die Mode-Unternehmerinnen, „wegen der Konkurrenzsituation“. Nur so viel: Die Aufträge kämen inzwischen aus ganz Deutschland, aber auch aus der Schweiz und Österreich.

Im nächsten Jahr wollen die Hamburger Dirndl-Schneiderinnen weiter wachsen. „Asien ist ein Zukunftsmarkt“, ist Simone Timm überzeugt. Bei mehreren Veranstaltungen in München konnten sie ihre Modelle inzwischen präsentieren, samt Promi-Bonus etwa durch TV-Berühmtheit Narumol („Bauer sucht Frau“). Gerade entwickelt Tina Hintze auch ein Design für Westen für alle männlichen Trachtenfans. „Unser Ziel ist, Hamburg ins Dirndl zu bringen“, sagt sie und lacht.