Hamburg

Hamburger können als Erste den neuen ICE testen

Triebkopf des neuen ICE4.

Triebkopf des neuen ICE4.

Foto: HA / Klaus Bodig

Vierte Zuggeneration soll zunächst nach München pendeln. Bahn investiert 100 Millionen Euro in Eidelstedt und Langenfelde.

Hamburg.  Die Hamburger können den neuen ICE 4 als Erste testen. Zwei Züge sollen nach Abendblatt-Informationen schon Ende Oktober auf der Strecke zwischen der Hansestadt und München eingesetzt werden. Bis Jahresende sollen es dann sieben sein. Insgesamt hat die Deutsche Bahn (DB) 130 Züge des Typs ICE 4 bei dem Herstellerkonsortium (Bombardier und Siemens) bestellt, die bis zum Jahr 2023 ausgeliefert werden sollen.

Das Werk Hamburg der DB spielt dabei eine wichtige Rolle: Die Deutsche Bahn wird rund 100 Millionen Euro in den Ausbau der Standorte Eidelstedt und Langenfelde investieren, denn hier sollen die ICE 4 vornehmlich gewartet, repariert und gereinigt werden.

Dafür werden unter anderem die vorhandenen Gleise umgebaut und modernisiert. In der vier Fußballfelder große Wagenhalle in Langenfelde werden die Züge des Typs ICE 4 künftig auf fünf Gleisen instand gesetzt.

346 Meter lang ist das neue Flaggschiff der Bahn. Der ICE 4 verfügt über 830 Sitzplätze. Am Mittwoch hatte die Bahn zum Ortstermin in Langenfelde eingeladen. „Das ist ein bisschen wie Rallye fahren. Der ICE 4 ist sehr sportlich“, beschreibt Lokführer Oliver Speetzen das Fahrgefühl. Der schnelle Antrieb und die sanfte Fahrweise zeichneten die neue Zuggeneration aus, sagt Speetzen.

Er kennt sich aus. Seit mehr als 20 Jahren ist der 49-Jährige im Führerstand der ICE-Flotte zu Hause. Jetzt bildet er seine Kollegen aus, damit diese von Ende Oktober an auch den neuen ICE fahren können. Sein Fazit: „Bei unseren Testfahrten haben wir durchweg positive Erfahrungen gewonnen. Es macht einfach Spaß, diesen Zug zu fahren“, sagt Speetzen.

Und was zeichnet das neue Flaggschiff der Deutschen Bahn, das in Görlitz und Henningsdorf bei Berlin gefertigt wurde, sonst noch aus? Von einer „behutsamen Modernisierung“ spricht ICE-4-Fahrzeugmanager Michael Bromm beim Termin an Bord.

Sofort ins Auge fällt das LED-Band oberhalb der Sitzreihen: „Die Beleuchtung passt sich der Tageszeit an“, sagt Bromm. Morgens sei sie eher hell, mittags ein zartes Lila und in den Abendstunden ein rötliches Schummerlicht.

Dann nimmt Bromm in der ersten Klasse Platz: Neu ist, dass die Sitze in der ersten und zweiten Klasse über Rückenlehnen verfügen, die beim Verstellen nicht nach hinten, sondern in den Sitzrahmen verschwinden. In der ersten Klasse hat außerdem jeder Sitz eine eigene Leselampe. Steckdosen sind an allen Plätzen der ersten und zweiten Klasse Standard. Neu ist im ICE 4 auch, dass die Platznummern und Reservierungsanzeige jetzt in die Kopfstützen am Gang integriert worden sind.

Der Fahrzeugmanager zeigt auch die künftige Barrierefreiheit an Bord des ICE 4: Es ist Platz für bis zu vier Rollstuhlfahrer und eine Begleitperson auf dem Sitz daneben. Die Tische in diesem Bereich sind höhenverstellbar und verfügen über einen Notrufknopf. Weiter geht es in das Bordrestaurant: Anstatt wie bisher leuchtend rot ist die Farbe der Sitzbänke nun eher Weinrot und etwas zurückhaltender gestaltet. Sitzplätze im Bordbistro gibt es nicht mehr, es sind nur noch Stehtische vorhanden. Dafür ist die Auslage am Tresen größer, und dementsprechend soll das Angebot ausgeweitet werden.

Bislang waren Fahrräder an Bord der ICE-Flotte verboten. Das ändert sich jetzt: In der neuen Fahrzeuggeneration stehen acht Stellplätze zur Verfügung. Fahrzeugmanager Bromm kündigt an: „Wir testen das jetzt, und wenn die Nachfrage groß ist, werden wir entsprechend reagieren.“

Kritik gibt es häufig am schlechten Handy-Empfang in den ICEs: Der ICE 4 soll laut Bromm mit der modernsten WLAN- und Telefonie-Technologie ausgestattet sein. Auch in der zweiten Klasse sollen die Kunden künftig kostenlos WLAN empfangen können. Dieser Service soll bis Ende des Jahres in der gesamten ICE-Flotte zur Verfügung stehen.

Wenn es draußen heiß ist, herrschen manchmal auch an Bord des ICE Saunatemperaturen, denn die Klimaanlage fällt häufiger mal aus. Das soll künftig nicht mehr passieren: Die Technik soll Umgebungstemperaturen von minus 25 Grad bis zu 45 Grad Celsius standhalten. Stolz sind die Kon­strukteure darauf, dass der ICE mit seinen zwölf Wagen und rund 670 Tonnen Leergewicht um rund 120 Tonnen leichter ist als der ICE 1.

Das neue Flaggschiff ist mit einer Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h aber nicht der schnellste Zug der Flotte. Der ICE 2 ist bis zu 280 km/h schnell. Der ICE 3 erreicht eine Spitzengeschwindigkeit von bis zu 330 km/h. Bromm sagt dazu: „Die meisten unserer Strecken sind nur auf eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 250 Kilometer pro Stunde ausgelegt, und dort wird der ICE 4 eingesetzt.“