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So verabschiedet sich Thomas Roth von den Tagesthemen

Blumen zum Abschied: Moderator Thomas Roth (l.) mit den "Tagesthemen"-Kollegen Pinar Atalay und Christian Nitsche (2. Chefredakteur von ARD aktuell)

Blumen zum Abschied: Moderator Thomas Roth (l.) mit den "Tagesthemen"-Kollegen Pinar Atalay und Christian Nitsche (2. Chefredakteur von ARD aktuell)

Foto: dpa

Drei Jahre lang moderierte Roth das Nachrichtenmagazin. Jetzt verabschiedete er sich in den Ruhestand – mit einer letzten Bitte.

Hamburg. "Kommen Sie gut durch die Nacht", sagte Thomas Roth stets zum Ende einer Tagesthemen-Sendung. Zu seinem Gute-Nacht-Gruß kam der Moderator durch einen John Lennon-Song, den er an diesem Abend leicht abwandelte. Am Sonntag hat der 64-Jährige die Nachrichtensendung um 22.45 Uhr zum letzten Mal moderiert.

Gescheitertes Flüchtlingsreferendum in Ungarn, Brexit, Atomstreit mit Iran, Trump im US-Wahlkampf, Bundesliga – die Themen des Abends spiegeln auch drei für Deutschland und Europa bewegende Jahre wider, in denen Roth das Nachrichtenmagazin moderiert hat.

Nach seiner Premiere im August 2013 musste Roth als Nachfolger von Tom Buhrow zunächst herbe Kritik hinnehmen. Zuschauer schrieben ihn als Märchenonkel ab, der zu stark nuschele. Später zeichnete er sich jedoch durch seinen stets ruhigen und analytischen Moderationsstil aus.

Stationen in Johannesburg und Moskau

Unmittelbar davor arbeitete Roth als ARD-Korrespondent und Studioleiter in New York. Auslandserfahrung hatte der 1951 in Heilbronn geborene Journalist da schon seit vielen Jahren gesammelt, etwa in Johannesburg zum Ende der Apartheid, in Moskau inmitten des Zerfalls der Sowjetunion, in Köln als WDR-Hörfunkdirektor, wieder Moskau, dann Chef im ARD-Hauptstadtstudio in Berlin, nochmal Moskau und schließlich im pulsierenden New York. Zu den prägendsten Begegnungen seiner Laufbahn habe das Interview mit dem südafrikanischen Freiheitskämpfer Nelson Mandela gehört.

"Thomas Roth steht für den einordnenden, vermittelnden und kritisch nachfragenden Journalismus, der im Digitalzeitalter immer wichtiger wird", sagte Christian Nitsche, Zweiter Chefredakteur von ARD-aktuell. "Er ist mit seinen Moderationen nicht eingetreten in den Wettbewerb um Emotion und Quote. Er verkleidet keine Nachrichten, sondern schichtet sie ab, bis sie ihren Kern preisgeben. Mit ihm verlieren wir einen erfahrenen und analytisch brillanten Kollegen."

Und so verabschiedete Roth sich an diesem Abend mit gewohnt ruhiger Stimme nicht nur von den "Tagesthemen", sondern markiert damit auch das Ende einer beeindruckenden journalistischen Karriere.

"Eine Bitte habe ich noch"

"Es ist nun auch für mich soweit. Wie sagt man so schön: It's time to say Goodbye", sagte Roth am Ende seiner letzten Sendung an die Zuschauer gewandt. "Beinahe 38 Jahre durfte ich Sie aus vielen Ländern und Kontinenten informieren, die letzten Jahre dann hier im Tagesthemen-Studio. Vieles war schön, manches war schwierig und wieder anderes da draußen war auch gefährlich, aber gut - das gehört eben auch zu unserem Beruf als Journalisten."

Er möchte sich bei seinen Zuschauern für das Vertrauen bedanken, das sie ihm all die Jahre entgegengebracht haben. "Und ich sag' das, weil ich weiß: Das ist nicht selbstverständlich." Roth dürfte damit auf die anhaltenden Zweifel an der neutralen Berichterstattung der deutschen Medienlandschaft anspielen. Der Vorwurf der "Lügenpresse" bereite ihm Sorgen, sagte Roth einmal im Abendblatt-Gespräch. "Ich bin überrascht, wie einfach uns heutzutage unterstellt werden kann, dass wir von nichts eine Ahnung hätten. Dagegen müssen wir uns wehren".

Eine Bitte hatte der Journalist also am Schluss noch. "Schenken Sie dieses Vertrauen auch meinem Nachfolger Ingo Zamperoni, der in diesen Tagen aus Washington zurückkommt und dem ich alles Gute wünsche. Also danke und ein letztes Mal: Kommen Sie gut durch diese herbstliche Nacht."