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Poppige Zeitmesser: Bunte Fliegeruhren aus Hamburg

Axel Kmonitzek, Geschäftsführer der Hamburger Firma Zeitgeber, mit einer
Auswahl seiner bunten Fliegeruhren

Axel Kmonitzek, Geschäftsführer der Hamburger Firma Zeitgeber, mit einer Auswahl seiner bunten Fliegeruhren

Foto: Roland Magunia / HA

Das Unternehmen Zeitmesser wächst mit seinen innovativen Produkten. Doch die Konkurrenz ist groß.

Hamburg.  Ein mattschwarzes Zifferblatt, weiße Zahlen an den Stundenmarken, ein auffälliges Dreieck anstelle der „12“ und reichlich Leuchtmasse auf den Zeigern – so sehen viele legendäre Fliegeruhren der 1930er- bis 1950er-Jahre aus. „Ich fand diese klassischen Stücke sehr schön, aber weil sie doch sehr militärisch wirken, habe ich mich gefragt, ob man sie nicht auch modern interpretieren kann“, sagt Axel Kmonitzek, Geschäftsführer der Hamburger Firma Zeitgeber. Das war die Idee, die zu der Uhrenmarke Pop-Pilot führte.

In der Form lehnen sich diese Uhren stark an ihre historischen Vorbilder an, während die mühelos wechselbaren Nylonbänder, die Zifferblattaufschriften und bei vielen Modellen auch die Zifferblätter selbst in leuchtenden Farben gehalten sind. Ganz anders als die klassischen Armbandinstrumente mit ihrem streng professionellen Charakter sind die Pop-Pilot-Stücke, die im Jahr 2014 an den Start gingen, eher als „Spaßuhren“ gedacht, die zu dem gerade vom Besitzer getragenen Outfit passen sollen: „Es gibt Kunden, die vier oder fünf in der Schublade haben.“

Auch bei Frauen seien die poppigen Zeitmesser gefragt, so Kmonitzek: „Von den vier Damenuhrenmodellen, die wir schon früh im Programm hatten, haben wir genauso viele verkauft wie von den zwölf Ausführungen für Herren.“ Mit Preisen zwischen 129 und 219 Euro bedienen die Hamburger ein ähnliches Marktsegment wie etwa die aus Schweden stammende Marke Daniel Wellington, die ebenfalls klassisch anmutende Designs mit bunten Textilbändern kombiniert.

Die Uhrentradition reicht in Hamburg 200 Jahre zurück

„Im Vergleich zu anderen Wettbewerbern, die modische Uhren anbieten, ist unsere Kollektion aber relativ teuer“, sagt Kmonitzek. Ihm sei wichtig, dass sie eine gewisse „Wertigkeit“ ausstrahlen: „Sie dürfen nicht wirken wie aus dem Kaugummiautomaten.“

Diese Ausrichtung hat womöglich manche Tür im Vertrieb geöffnet, die sonst verschlossen geblieben wäre: „Schon eine Woche nach dem Vertriebsstart in unserem Onlineshop meldete sich bei uns ein Juwelier aus dem Ruhrgebiet, der sonst Luxusmarken wie Rolex, Omega und Breitling führt. Er wollte unsere Uhren unbedingt auch verkaufen.“

Solche Kontakte werden sicherlich dadurch erleichtert, dass sich Axel Kmonitzek in der Branche schon zuvor im Zusammenhang mit exklusiven Manufakturstücken einen Namen gemacht hat. Denn er ist Mitgründer und Geschäftsführer der Hamburger Firma Fischer & Cie., die sogenannte Maßuhren nach individuellen Kundenwünschen und mit mechanischen Werken herstellt. Hier beginnt die Preisskala bei knapp unter 4000 Euro, nach oben ist sie offen.

Dabei ist Fischer & Cie. nicht die einzige Uhrenmanufaktur in der Hansestadt, die gemeinhin nicht als traditionsreicher Standort für die Fertigung von mechanischen Zeitmessern bekannt ist. Doch schon vor rund 200 Jahren wurden in Hamburg Chronometer für Schiffe produziert, 1878 eröffnete eine Uhrmacherschule in Altona – zeitgleich mit der im sächsischen Feinmechanik-Zentrum Glashütte. Damals soll es in Hamburg mehr Chronometer-Macher gegeben haben als in Genf.

Maßuhren findet man auch bei Fischer & Cie.

Auf diese Tradition beruft sich Andreas Hentschel mit seiner Manufaktur, die ebenso wie Fischer & Cie. hochwertige Maßuhren anbietet. Mehr auf klare, moderne Designs setzt Christine Genesis, die seit 2005 Uhren in Kleinserien zu Preisen zwischen 2000 und 3000 Euro herstellt. Darüber hinaus ist Hamburg die Heimat der international vertretenen Juwelierkette Wempe, die auch selbst produzierte Uhren im Programm hat. In Hamburg entstehen zwar Zeitmesssysteme für Schiffe wie die „Queen Victoria“, die Armbanduhren jedoch kommen aus Glashütte.

Die Pop-Pilot-Kollektion, in der Quarzwerke des japanischen Herstellers Miyota ticken, wird noch deutlich weiter von Hamburg entfernt gefertigt – in Hongkong. „Dazu stehen wir“, sagt Kmonitzek. Einige andere Anbieter bezögen zwar praktisch alle Komponenten ihrer Uhren aus dem Ausland, verkauften sie aber dennoch als „made in Germany“, nur weil einige abschließende Handgriffe hier erfolgten. Diesem Beispiel will Kmonitzek nicht folgen.

Während Fischer & Cie. jährlich nur eine dreistellige Zahl von Maßuhren absetzt, liegt der Absatz der Pop-Pilots in diesem Jahr „im fünfstelligen Bereich“. Bereits im September habe man mit ihnen den Umsatz des gesamten Vorjahres erreicht, „obwohl die drei starken Monate erst noch kommen“. Aktuell sehe man Zuwachsraten im gut zweistelligen Prozentbereich im Vergleich zu den Vorjahresmonaten und habe mit der Kollektion die Gewinnzone erreicht: „Wir sind mehr als zufrieden.“

Die Uhren werden über die eigene Internetseite und über insgesamt 500 Juweliere in Deutschland, Österreich, Polen und Spanien verkauft, neuerdings auch in Indonesien.

Für Anfang 2017 plant Kmonitzek eine Ergänzung der Pop-Pilot-Reihe durch Ausführungen mit mechanischen Werken, ebenfalls von der Citizen-Tochter Miyota. Diese Uhren werden voraussichtlich 500 bis 600 Euro kosten. Auch mindestens eine ganz neue Marke, die preislich etwas oberhalb von Pop-Pilot angesiedelt werden soll, ist angedacht. Im Zuge des Wachstums dürfte auch die Mitarbeiterzahl von Zeitgeber – derzeit sieben – steigen.