S-Bahn

Längste deutsche Schoko-Reklame am Jungfernstieg

Der gesamte S-Bahnsteig ist in Lila getaucht. Der Hersteller sagt: Schokolade gehört zum Leben – und hat Mega-Werbung plakatiert.

Hamburg. Wie bemisst man eigentlich Schokolade? Viele sagen: „Ich hatte heute schon eine.“ Heißt: Eine Tafel, ganz, 100 Gramm. Andere sagen gleich die Grammzahl an: 200 für die Heißhungrigen, 300 für die Schwergewichte unter den Chocoholics. Die Süßwarenindustrie macht da gut portionierte, abgepackte Angebote. Aber wie bewertet man 200 Meter Schokolade?

Über ungefähr diese Strecke windet sich eine gigantische Werbung entlang des S1- und S3-Bahnsteigs am Hamburger S-Bahnhof Jungfernstieg, der nach Angaben des Werbespezialisten Ströer von täglich rund 92.000 Menschen betreten wird. Beworben wird die neue Milka Peanut Caramel. Der Kampagnen-Slogan heißt nach Milka-Angaben „Mmmmhh“, wahlweise auch „Mmmmmmmmmmh“, wie auf den Plakaten zu lesen ist. Der Ausgeglichenheit halber sollte darauf hingewiesen werden, dass auch Ritter Sport, Lindt, Nestlé und Kinder tolle Werbung machen. Und sie schmecken alle unvergleichlich…

Werbung in ganzer S-Bahnstation kostete 287.000 Euro

Nach Werberangaben ist die Milka-Reklame die größte Werbefläche, die es in deutschen Bahnhöfen je gegeben hat, neben einer Annonce für einen Mobilfunkanbieter an selber Stelle vor eineinhalb Jahren. Damals wurde für die Werbefläche ein Listenpreis von schlappen 287.000 Euro aufgerufen, die Produktion der Plakate war da noch nicht eingerechnet. Bei Milka wurden jetzt keine Kosten genannt.

Warum ausgerechnet der Hamburger Jungfernstieg und dann die Strecken zwischen Poppenbüttel und Blankenese/Wedel sowie Pinneberg und Neugraben/Stade? Weil es die längsten S-Bahn-Verbindungen sind und am Jungfernstieg in etwa halbiert werden? Nach der vermutlich längsten Praline nun die längste Schokolade der Welt?

Marketing-Managerin Merle Meier-Holsten (Mondelēz International) sagte: „Als sogenannte ,Life Brand‘ nimmt Milka einen festen Platz im Lebensalltag der Menschen ein und sucht stets den Dialog mit seinen Konsumenten.“ Deshalb habe man den stark frequentierten Hamburger Jungfernstieg ausgesucht.

Das Lila wirkt dezent erschlagend, wenn man hier ein- oder umsteigen muss. Ströer spricht bei dieser Art der Werbung von „Bahnhofsdominanz“. Ein „n“ und ein „z“ am Ende des Wortes weniger – und man kann sich eine einpeitschende Wirkung auf die Kunden lebhaft vorstellen. Anders als Pink – der HSV experimentiert gerade sehr erfolgreich damit – hat Lila keine marktschreierische, sondern ein sich nachhaltig einschleichende Wirkung.

Den ganzen September über soll die Milka-Werbung den Jungfernstieg zieren. Wenn die schokoladigen Wände wegen der hohen Temperaturen nicht vorher schmilzen.