Trauer

Hamburger Ex-Baudirektor Egbert Kossak gestorben

Der Stadtentwickler galt als einer der Väter der Hafencity und prägte das Gesicht von Hamburg. Kossak starb im Alter von 79 Jahren.

Hamburg. Egbert Kossak war das Stadtbild Hamburgs stets ein Herzensanliegen und er nahm kein Blatt vor den Mund, wenn ihm etwas missfiel. Die Hafencity, zu dessen Vätern er mit Hamburgs früherem Ersten Bürgermeister Henning Voscherau zählt, bezeichnete Kossak einmal als einen „Architekturzoo“, der mit der Identität Hamburgs nichts zu tun habe. Jetzt wurde bekannt, dass der frühere Oberbaudirektor bereits am 10. August 2016, nur wenige Tage vor seinem 80. Geburtstag, gestorben ist.

Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz würdigte Kossak als bedeutenden Stadtentwickler, der in beinahe zwei Jahrzehnten seines Wirkens als Oberbaudirektor das moderne Hamburg tief geprägt habe. „Als er 1981 sein Amt antrat, hieß es, die City sei tot“, erklärte Scholz am Sonnabend. „Als er 1999 in den Ruhestand ging, hinterließ er eine unter anderem durch das Passagenviertel lebendigere Innenstadt, die angelegte Perlenkette entlang des Elbufers, eine attraktive Fleetinsel, auf der Arbeiten und Wohnen nebeneinander Platz fanden.“

Kossak prägte das Gesicht der Stadt mit

Kossak war zwischen 1981 und 1999 Oberbaudirektor von Hamburg und damit die entscheidende stadtentwicklungspolitische Instanz der Hansestadt. In seiner Amtszeit prägte er das Gesicht der Stadt mit. Vor allem gelang in den Jahren seines Wirkens die Wiederbelebung der Innenstadt. Zudem wurden Stadtviertel wie St. Georg, Ottensen und das Schanzenviertel zu attraktiven Wohnquartieren, auch wenn von Kritikern später der Vorwurf der Gentrifizierung erhoben wurde.

Der 1936 geborene Kossak hatte Architektur und Städtebau an der TU Berlin studiert und bis 1981 als Professor für Städtebau an der Universität Stuttgart gearbeitet. Er setzte Städtebauprojekte in Südamerika, Ägypten und Europa um.

Kossaks wichtigstes Vermächtnis sei die Hinwendung der Stadt zum Hafen, nachdem die Stadt sich über Jahrhunderte an Alster und Wallring orientiert hatte, erklärte Bürgermeister Scholz. „Er betrachtete Hamburg mit dem klaren Blick des virtuosen Architekten und dem liebenden Auge des waschechten Hamburger Jung.“

Zu seinem Vermächtnis dürfte das im Jahr 2012 erschienene Werk „1100 Jahre Stadtbild Hamburg - Mythos. Wirklichkeit. Visionen“ gehören. Darin unternahm Kossak „das Wagnis, das Stadtbild Hamburgs über 1100 Jahre Geschichte kritisch zu rekonstruieren“, wie sein Verlag schrieb.

Kossak habe in dem Buch das Bild einer Stadt gezeichnet, „die allen kriegerischen Ereignissen, wirtschaftlichen Hochs und Tiefs und sozialen Konflikten zum Trotz von Jahrhundert zu Jahrhundert ihre Identität weiterentwickelt und entfaltet hat“.