Bürgerschaft

Die Visionen der Politik für den Hamburger Nahverkehr

In der Schweiz wird in diesem Sommer dieser Bus getestet, der autonom fährt und in Zukunft auch durch Hamburg rollen könnte

In der Schweiz wird in diesem Sommer dieser Bus getestet, der autonom fährt und in Zukunft auch durch Hamburg rollen könnte

Foto: PHOTO-GENIC.CH/ OLIVIER MAIRE

Grüne wollen Busse per Smartphone ordern, CDU will Stadtteile an Bahnen anbinden, FDP fordert ein einheitliches Tarifsystem.

Hamburg.  Die öffentlichen Verkehrsmittel in Hamburg werden in Zukunft noch mehr an Bedeutung gewinnen. In diesem Punkt sind sich auch die Verkehrspolitiker in der Bürgerschaft einig. Die Zahlen sprechen für sich: 900 Millionen Fahrgäste, so die Prognose des Hamburger Verkehrsverbunds (HVV), werden 2026 Bus und Bahn nutzen – das sind 150 Millionen mehr als im vergangenen Jahr. Das Abendblatt hat am Dienstag über die Zukunftspläne des HVV berichtet, von vollautomatischen U-Bahnen über Batteriebusse bis hin zu intelligenten Ticketsystemen. Wie aber stellen sich die Politiker die Entwicklung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) vor? Welche Visionen haben sie?

Viel Fantasie beweist Grünen-Verkehrsexperte Martin Bill: „Ich kann mir vorstellen, dass es im Busverkehr irgendwann keine Linien und keine Fahrpläne mehr gibt, sondern alles auf einem auf digitalen Daten basierten, variablen Angebot aufbaut.“

Wie soll das funktionieren?: „Was wir uns bereits heute problemlos bei den Sammeltaxis im nächtlichen Verkehr vorstellen können, kann in ein oder zwei Jahrzehnten auch im Busverkehr möglich sein. Fahrgäste ordern per Smartphone mit Eingabe des Start- und Endpunktes ihrer Fahrt einen Bus.“ Das Programm errechne aufgrund aller Fahrgasteingaben die individuell jeweils sinnvollste, sicherste und schnellste Streckenführung, und der Halt erfolgt abgestimmt mit den Daten der anderen Fahrgäste möglichst nah am eingegebenen Ziel des jeweiligen Fahrgastes. Fahrpläne und festgelegte Linien­führungen würden so bedeutungslos, glaubt Bill.

Smartphone werde zum zentralen Mobilitätsmittel

Konkrete Vorstellungen von dem ÖPNV der Zukunft hat auch CDU-Vizefraktionschef Dennis Thering: „Alle Stadtteile sind mit leistungsfähigen Schnellbahnlinien erschlossen und neue Ringverbindungen dazwischen geschaffen, um den Hauptbahnhof als zentrales Drehkreuz zu entlasten.“ Das Smartphone werde dabei zum zentralen Mobilitätsmittel. Es zeige automatisch die schnellste und günstigste Verbindung zwischen zwei Orten an. Zusätzlich buche es auf Wunsch vollkommen automatisch alle notwendigen Fahrkarten, so Thering weiter.

Auch FDP-Politiker Wieland Schinnenburg hat sich Gedanken gemacht: „Der ÖPNV der Zukunft sollte so attraktiv sein, dass die Hamburger freiwillig und gerne ihr Auto stehen lassen. Dafür ist der Ausbau des Streckennetzes unabdingbar. Beispielsweise mit einer Verlängerung der Flughafen-S-Bahn nach Norden oder einem zusätzlichem Elbtunnel für Schnellbahnen zur Verbindung von Altona und Airbus auf Finkenwerder.“ Der Service für die Fahrgäste müsse deutlich verbessert werden, sodass die Nutzung des ÖPNV einfach und bequem ist. Ein einheitliches und leicht verständliches Tarifsystem sei da ein Anfang, so Schinnenburg weiter.

Der Liberale spricht sich zudem für einen Nachtbetrieb der Schnellbahnen in allen Nächten aus. Und für einen 90-Sekunden-Takt zu den Hauptverkehrszeiten, „um die Überfüllung zu beenden“.

Für SPD-Verkehrsexpertin Martina Koeppen steht fest: „Gerade in einer Metropole wie Hamburg wird die Nutzung von verschiedenen und zum Teil direkt miteinander verknüpften Verkehrsmitteln eine immer wichtigere Rolle spielen.“ Das soll dann so aussehen: „Morgens mit dem eigenen Rad oder dem StadtRad starten, dann weiter in die U-Bahn zur Arbeit, mittags zum Kundentermin mit einem Carsharing-Fahrzeug und abends wieder retour.“