HVV auf Smartphones

Neue App zeigt, ob der Bus in Hamburg pünktlich ist

Monitore an den Haltestellen zeigen die Abfahrt der Busse seit 2001 in Echtzeit an. Künftig soll dieser Service auch über ein Smartphone abrufbar sein

Monitore an den Haltestellen zeigen die Abfahrt der Busse seit 2001 in Echtzeit an. Künftig soll dieser Service auch über ein Smartphone abrufbar sein

Foto: HVV

Fahrgäste der Hochbahn können künftig auf dem Smartphone die exakten Abfahrtszeiten abrufen. WLAN in allen Bussen und U-Bahnen.

Hamburg. Die Hochbahn setzt ihre Digitalisierungsoffensive fort: Von Januar 2017 an können die Fahrgäste über die App des Hamburger Verkehrsverbundes (HVV) auf ihrem Smartphone und im Internet die Abfahrtszeiten sämtlicher Buslinien des Verkehrsunternehmens in Echtzeit verfolgen. „Dieses Angebot ist eine wichtige Vor­aussetzung, um seine Mobilität optimal organisieren zu können. Das ist ein weiterer Schritt in Richtung Digitalisierung“, sagte der Hochbahn-Vorstandsvorsitzende Henrik Falk dem Abendblatt.

Die App soll demnach anzeigen, ob der Bus pünktlich kommt beziehungsweise wie viele Minuten Verspätung aktuell vorliegen – weil zum Beispiel Stau auf der Strecke herrscht. Zu Spitzenzeiten sind etwa 800 Fahrzeuge im Einsatz, deren Ankunftszeit so eingesehen werden kann. „Der klassische Fahrplan, der an den Haltestellen aushängt, ist alleine nicht mehr zeitgemäß“, sagte Henrik Falk. „Wir können mit der neuen Technologie unsere Fahrgäste noch besser und schneller informieren.“

Der Echtzeitservice wird bereits seit 2014 für die U-Bahnen angeboten und kann über die HVV-App beziehungsweise die Internetseite abgerufen werden. Bislang wurde die Echtzeit für die Busse nur auf den sogenannten FIMS-Masten (Fahrgastinformations- und Managementsystem) angezeigt, die an vielen Haltestellen montiert wurden. Dieses Angebot wurde 2001 eingeführt, inzwischen gibt es 280 dieser Masten. Die Zahl soll bis Ende 2017 auf 310 steigen. „Wir wollen auch dieses System weiter ausbauen und planen, Haltestellen weiter außerhalb des Stadtzentrums damit auszustatten“, sagte Projektleiter Nils Wemmel. „Das ist aber teuer, allein ein FIMS-Mast kostet bis zu 30.000 Euro.“

Projektleiter Wemmel und sein Team sind aber vor allem dabei, die technischen Voraussetzungen zu schaffen, damit ab Januar 2017 auch auf dem Smartphone die Echtzeit abgerufen werden kann. „Mit diesem Angebot bieten wir den Fahrgästen einen Mehrwert und hoffen natürlich auch, dass wir zusätzliche Kunden gewinnen können“, sagte Wemmel.

Aber wie gelangen die Daten aus dem Bus auf das Smartphone? Die Fahrzeuge sind mit einem GPS-Sender ausgestattet, wodurch der genaue Standort bestimmt werden kann. Dieser wird alle 30 Sekunden an das Leitsystem übermittelt. Auf diese Weise ist es dem Leitsystem möglich, die Soll- und Ist-Zeiten ständig zu vergleichen. Daraus berechnet der Leitrechner die Prognosen für die tatsächlichen Abfahrtszeiten der Busse an den Haltestellen, diese werden direkt an die elektronischen Anzeigentafeln an den Haltestellen übertragen. „Damit die aktuellen Abfahrtszeiten auch bis auf die Smartphones der Fahrgäste gelangen, mussten wir das System um sogenannte Datendrehscheiben erweitern. Das sind Verteilerschnittstellen für Daten“, so Wemmel. Erst durch sie werde es möglich, die Ist-Daten sowohl intern zwischen den Leitsystemen zu vermitteln, als auch an die externen Systeme weiterzugeben.

WLAN für alle Busse und U-Bahn-Haltestellen geplant

Die Politik begrüßt diese Entwicklung. „Dieses neue Angebot hat einen Mehrwert für die Fahrgäste. Denn bei Bussen kommt es, bedingt durch Verkehrsbehinderungen, häufiger zu Verspätungen“, sagte Grünen-Verkehrsexperte Martin Bill. Er geht allerdings noch einen Schritt weiter: „Ziel sollte es sein, dass die Fahrplanauskunft die Echtzeitinformation so verarbeitet, dass bei Verspätungen auch alternative Routen vorgeschlagen werden.“

Auch die Opposition ist zufrieden: „Die Attraktivität, öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen, muss weiter gesteigert werden. Denn es sollen möglichst viele Bürger auf Bus und Bahn umsteigen“, sagte CDU-Verkehrsexperte Dennis Thering. „Dass nun die Echtzeit auch für Busse bequem über das Smartphone abgerufen werden kann, ist eine Service-Verbesserung.“ Dem Politiker ist wichtig: „Natürlich muss diese Echtzeitanzeige auch reibungslos funktionieren.“

Seit Januar dieses Jahres ist Henrik Falk der neue Chef der Hochbahn – und hatte das Thema Digitalisierung zur Chefsache gemacht. Der 45-Jährige hat sich einiges vorgenommen: So gibt es zum Beispiel seit Ende April auf der Metrobuslinie 5 sowie in den U-Bahn-Haltestellen Borgweg und Mönckebergstraße kostenloses WLAN. Die Testphase läuft noch bis Ende September. Nach erfolgreichem Abschluss des Projekts soll dieses Angebot laut Falk zeitnah und flächendeckend in allen Bussen und U-Bahn-Haltestellen eingeführt werden.