Jugendliche Flüchtlinge

2200 unbegleitete Flüchtlinge leben in Hamburg

Nur ungefähr die Hälfte aller unbegleiteten jugendlichen Flüchtlinge lebt in speziellen Erstaufnahmeeinrichtungen

Nur ungefähr die Hälfte aller unbegleiteten jugendlichen Flüchtlinge lebt in speziellen Erstaufnahmeeinrichtungen

Foto: dpa Picture-Alliance / Paul Knecht / picture alliance / dpa

Stadt betreut mehr Jugendliche als vorgesehen. Der Großteil braucht intensive Behandlung. Zahl der Intensivtäter geht deutlich zurück.

Hamburg.  Trotz einer bundesweiten Umverteilung leben noch immer mehr alleinstehende junge Flüchtlinge in Hamburg als vorgesehen. Nach Angaben der Sozialbehörde waren Ende Juni 2.216 sogenannte Unbegleitete Minderjährige Flüchtlinge (UMF) untergebracht. Fast die Hälfte davon lebte in den speziellen Erstaufnahmeeinrichtungen (930 Jugendliche) für diese Gruppe. Nach einem neuen Verteilungsschlüssel müsste Hamburg seit Herbst 2015 nur 1.717 UMF betreuen.

Die bereits aufgenommenen Jugendlichen werden weiterhin in Hamburg betreut, die Hansestadt nimmt aber nur noch in Ausnahmefällen weitere Jugendliche auf. „Seit der Einführung der bundesweiten Verteilung wurden 550 Jugendliche in andere Kommunen begleitet“, sagte Marcel Schweitzer, Sprecher der Sozialbehörde. Weitere 200 Flüchtlinge sind nach der Registrierung verschwunden - es wird vermutet, dass sie in andere Staaten gereist sind. Die meisten unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge kamen zuletzt aus Afghanistan, Somalia und Nordafrika.

Die Jugendlichen haben sehr oft einen traumatischen Hintergrund

Im Gegensatz zu volljährigen unbegleiteten Flüchtlingen erhalten die UMF eine bessere Betreuung in den Jugendeinrichtungen. Auf einen Betreuer kommen in den Erstaufnahmen derzeit im Schnitt 3,7 Flüchtlinge - in regulären Folgeunterkünften für Familien und Erwachsene beträgt das Verhältnis dagegen eins zu 80.

„Diese Jugendlichen haben sehr oft einen traumatischen Hintergrund und kennen nur das Straßenleben“, sagt Joachim Walter, Kinderpsychiater des katholischen Krankenhauses Wilhelmstift. „Sie haben dissoziales Verhalten teilweise als Überlebensstrategie entwickelt. Das muss man behandeln“, sagt Walter.

Trotz der intensiven Betreuung finden sich die Minderjährigen meist nur schlecht im neuen Umfeld zurecht. Oft üben auch die Familien in den Herkunftsländern weiterhin Druck aus. „Die allermeisten sind motiviert, sich zu integrieren, haben aber Schwierigkeiten, den Anforderungen gerecht zu werden“, sagt der Behördensprecher Marcel Schweitzer. Insgesamt dauere der Inte­grationsprozess dadurch sehr viel länger – „und liegt im Hinblick auf die Schul- und Berufsbildung in der Regel auf einem niedrigeren Niveau als bislang allgemein erwartet“.

Zahl der strafrechtlich auffälligen jugendlichen Flüchtlinge stark rückläufig

Der Kinderschutzbund vermittelt Hamburger als Paten für minderjährige Flüchtlinge, um ihnen ihr Leben in Deutschland zu erleichtern. Insgesamt haben laut Senat 316 Ehrenamtliche eine solche Aufgabe übernommen. 140 Freiwillige in der Betreuung des Kinderschutzbundes haben eine Vormundschaft für die Jugendlichen übernommen. „Das Wichtigste für junge, unbegleitete Flüchtlinge sind stabile und verlässliche Beziehungen. Das kann ein Vormund, Pate, Nachbar, Lehrer oder auch Freund sein“, so der Projektleiter Sevil Dietzel vom Kinderschutzbund.

In der Vergangenheit wurden einige unbegleitete Flüchtlinge mit einer Vielzahl von Straftaten auffällig, sowohl im Bereich von Diebstählen und Drogenhandel als auch Körperverletzung. Die Entwicklung ist jedoch stark rückläufig: Im Jahr 2014 wurden noch 115 als Intensivtäter geführt, zum Ende des Jahres 2015 waren es noch rund 50. „Aktuell haben wir dort keine Auffälligkeiten. Die Lage ist ausgesprochen ruhig“, sagte Polizeisprecher Ulf Wundrack.