Glosse

Fahndung auf Twitter für die Katz

Wundern Sie sich nicht, wenn Sie das hier hören: „Achtung, Achtung, hier schnurrt die Polizei.“ Denn Hamburgs Beamte zwitschern sich neuerdings ins Herz der Katzenfreunde. Auf Twitter fahndet die Polizei nach Tieren, derzeit nach einem Kater namens Paul, mit Foto und Steckbrief. Kein Scherz. Das schwarze Samtpfötchen ist vor fünf Tagen in Langenhorn ausgebüxt. Die Beamten bitten die Bevölkerung, auch in Kellern und Luftschächten Ausschau nach Paul zu halten. Er könnte dort unbemerkt eingesperrt worden sein! Spätestens jetzt braucht man als Twitter-Freund der Polizei echt starke Nerven.

Ein vermisstes Tier. Ja, so dramatisch ist die Lage in Hamburg. Oder um es mit Sat.1-Moderator Ulrich Meyer zu sagen (gerne mit traurigen Streichern im Hintergrund): Kater Paul ist kein Einzelfall. Stadtweit sind Tausende flauschige Fellfreunde ihren Besitzern verlustig gegangen. Wer nur die unzähligen Suchzettel an den Bäumen und Laternenmasten sieht, blickt in Tiergesichter, die anklagen: Hund Kuno, Ratte Adelheid, Piepmatz Leni und jetzt: Kater Paul. Wer hört ihr Bellen, ihr Fiepen, ihr Miauen, ihr Tirilieren? Wer?

Gottlob gibt es Twitter und die Hamburger Polizei. Auf der operativen Ebene wird es nun höchste Zeit, die Ressourcen zu bündeln und die kriminalistischen Krallen auszufahren. Innensenator Andy Grote hat gerade eine Personaloffensive angemaunzt, sodass endlich genug Beamte da sind für Ringfahndungen nach Waschbären, Dachsen, Einhörnern und all den anderen Tieren, die der Hamburger hält und vermisst.

Damit am Ende nicht alles für die Katz ist, ist kluge Personalsteuerung das Gebot der Stunde: Wer braucht schon die Soko „Rocker“ ohne die Mongols? Und die Einbrecher-Soko „Castle“ schickt ihre Täter doch nur vor Gericht, damit die sich dort einen Freispruch abholen, die jüngeren Angeklagten nicht selten – Achtung! – bei Jugendrichter Katz. Warum also nicht mal eine Soko „Tier“? Statt Geld für die neuen Knarren der Anti-Terror-Einheiten auszugeben, könnte die Polizei in Kratzbäume, Fressnäpfe und Quietschtierchen investieren. Die Stadt hat nun mal größere Probleme als ein paar Einbrecher.