Hamburg

Schiffslotsen auf dem Nord-Ostsee-Kanal im Funkloch

Containerschiffe auf dem Nord-Ostsee-Kanal.
Entlang der Wasserstraße gibt es Löcher im Mobilfunknetz

Containerschiffe auf dem Nord-Ostsee-Kanal. Entlang der Wasserstraße gibt es Löcher im Mobilfunknetz

Foto: picture alliance / dpa

Vor Elbe, Weser, Ems und in Teilen des Nord-Ostsee-Kanals gibt es gravierende Kommunikationsprobleme.

Hamburg.  Hamburger Hafenunternehmen klagen über marode und langsame Telefon- und Internetverbindungen. Nun, so fordert es die Wirtschaft, soll der Senat sich bei Bundesregierung und Telekom für eine schnelle Lösung des Problems einsetzen. Die hätten die Schiffslotsen in der Deutschen Bucht, in den Mündungen von Elbe, Weser, Ems und in Teilen des Nord-Ostsee-Kanals für ihre Kommunikationsprobleme auch sehr gern. Die Lotsen haben regelmäßig gar keinen Empfang und müssen sich mit Funklöchern herumschlagen – dabei sind Verbindungen zum Festland unerlässlich für sie.

Entlang der Weser gebe es mehrere Mobilfunklöcher, sagt der Chef der Lotsenbrüderschaft Weser 2/Jade in Bremerhaven, Jörn Haase. Das gelte auch für den Nord-Ostsee-Kanal, sagt Stefan Borowski von der für die Wasserstraße zwischen Brunsbüttel und Kiel zuständigen Lotsenvereinigung. Der Chef der Elblotsen in Hamburg, Ben Lodemann, sagt, in der Deutschen Bucht sei das Problem bei Hochdruckwetter flächendeckend. Hoher Luftdruck aber herrscht dort etwa in einem Drittel des Jahres.

Satellitentelefone hätten die Lotsen nicht, und der UKW-Schiffsfunk reiche nicht von der Elbmündung bis zum Hamburger Hafen, sagt Lodemann. Den Lotsen bleibe oft nur „stille Post“: Sie funken ihr Stationsschiff an, das ruft bei der Lotsenzentrale an, die wiederum ruft beim Hafenbetriebsbüro an. Von dort nimmt die Information den gleichen Weg zurück. „Wir fahren das ganze System momentan aus dem Bauch heraus“, erklärte Lodemann jüngst vor niedersächsischen Schifffahrtspolitikern.

In Niedersachsen sind die Schwierigkeiten inzwischen ein Thema in der Landespolitik. Es gehe um Leib und Leben von Besatzungen, Passagieren und Uferbewohnern, der hafenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Uwe Santjer, unlängst in einer Plenardebatte.

Unfälle wegen ausfallenden Mobilfunks sind dem Havariekommando zwar nicht bekannt. Elblotsen-Chef Lodemann erzählt aber vom Zusammenstoß zweier Schiffe 2011 auf dem Nord-Ostsee-Kanal, bei dem die Brücke des einen Schiffs samt Funkanlage abgerissen worden sei. Die Besatzung habe von Bord und auf den Deich gehen müssen, um Hilfe herbeizurufen.

Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) will das Problem der Funklöcher nun beim Hafendialog der Küstenländer ansprechen. Uwe Santjer möchte prüfen lassen, ob die Lotsen mit Satellitentelefonen ausgestattet werden können. Zudem müsse eine Vorschrift her, wonach Unternehmen, die Mobilfunkfrequenzen ersteigern, sich zum Ausbau der Netzabdeckung an Wasserstraßen verpflichten. Denn: Für Wasserstraßen gibt es eine solche Auflage nicht, erklärt die Bundesnetzagentur in Bonn.

Der Telekom ist das Netzabdeckungsproblem bekannt: „Mobilfunk kann die großen Entfernungen über Wasserflächen in der Deutschen Bucht nicht bedienen“, sagt eine Sprecherin. Begründung: Endgeräte auf dem Meer empfingen zu viele starke Signale. Eine klare Zuordnung sei nicht möglich.

Am Nord-Ostsee-Kanal gebe es „einige wenige Abschnitte“ mit eingeschränkter Mobilfunkabdeckung, sagt die Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt. Lotsenchef Lodemann weiß auch, warum: Nach der Kollision 2011 seien zwar Verstärkungsantennen auf den Deich gesetzt worden. Aber diese seien nicht in Betrieb gegangen, weil sich niemand bereitgefunden habe, sie mit Strom zu versorgen.