Prozess

Angeklagter ergaunert hochwertige Mobiltelefone

Ahmet P. schloss Dutzende Handyverträge mit gefälschten Dokumenten ab. Wegen Betrugs muss er nun ins Gefängnis.

Neustadt.  Er hat es getan, schon wieder. Und für so manche, die ihn kennen, war es nicht wirklich eine Überraschung, dass der Mann in ein über Jahrzehnte probates Verhaltensmuster verfiel. Einmal Betrüger, immer wieder Betrüger? Ahmet P. (Name geändert) scheint auf dem besten Wege zu sein, dass sich dieses Vorurteil für ihn jedenfalls bestätigt. Von einer „eingeschliffenen betrügerischen Haltung“, schrieben schon vor Jahren Richter über ihn. Und von einer „Persönlichkeit“, bei der „mit weiteren Straftaten zu rechnen“ sei.

Es ist tatsächlich so gekommen. Gewerbsmäßiger Betrug lautet jetzt der Vorwurf gegen den 46-Jährigen. Laut Anklage hat der gelernte Bürokaufmann im vergangenen Jahr mehrere Dutzend Handyverträge abgeschlossen, um jeweils wertvolle Smartphones ausgehändigt zu bekommen. Der Wert für einzelne Mobiltelefone lag teilweise weit über 1000 Euro. Der Haken: Die Dokumente, die er für die Verträge vorlegte, waren demnach gefälscht. Insgesamt beträgt der Schaden laut Ermittlungen gut 100.000 Euro.

Unruhig und quirlig wirkt der dunkelhaarige Brillenträger jetzt im Prozess und ganz erpicht darauf, seine Version der Dinge zu erzählen. In Briefen aus der Untersuchungshaft hat der Angeklagte immer wieder beteuert, dass er lediglich der Ideengeber gewesen sei, die Handys aber nicht selber erhalten und somit von den Taten nicht profitiert habe. Doch nach einem Rechtsgespräch zwischen Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung, nach dem ihm bei einem Geständnis eine relativ milde Strafe von maximal dreieinhalb Jahren in Aussicht gestellt wird, erkennt Ahmet P., dass dies für ihn, den mehrfach Vorbestraften, ein gutes Angebot ist.

Ja, räumt er nun über seine Verteidigerin ein, die Vorwürfe seien im Prinzip richtig. Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis Ende 2013, wo er bereits wegen ähnlicher Taten eine Haftstrafe verbüßt hatte, habe er zunächst gearbeitet, dann aber wegen einer Firmenpleite seinen Job verloren. „Daraufhin war ich finanziell in einer schwierigen Situation. Meine Zeit habe ich im Wesentlichen am Computer verbracht und bin im Internet auf Programme gestoßen, die für die Taten notwendig waren“, heißt es in dem Geständnis. Mit einer Art Kopiersoftware habe er aus Collagen falsche Ausweisunterlagen hergestellt, die Betrügereien begangen und die so ergatterten Smartphones weiterverkauft. „50 Prozent vom Neupreis als Erlös sind realistisch“, erklärt Ahmet P.

Zwei Jahre und neun Monate Haft

Seine Masche: Stets fabulierte der 46-Jährige gegenüber den Verkäufern, er beschäftige etliche Damen, die im Erotikbereich tätig sind und von ihren Wohnungen aus Telefonsex anbieten. Dafür benötigten sie wirklich hochwertige Handys. Dann legte er mehrere Kopien von angeblichen Ausweispapieren der Frauen vor, zurechtgebastelt am Computer. Obwohl es von dem Telefon­anbieter strikte Anweisungen gab, dass insbesondere bei Nicht-EU-Bürgern nur bei persönlichem Erscheinen und unter Vorlage von Originalausweisen Verträge abgeschlossen werden dürfen, stellten die Verkäufer die Verträge aus und gaben die teuren Smartphones heraus, manche gleich im Dutzend.

Nachdem Ahmet P. über Monate mit dem Verkauf dieser Geräte sein Leben relativ mühelos finanziert hat, wurde endlich ein Verkäufer in einem Handygeschäft misstrauisch, weil er lediglich Ausweiskopien zu sehen bekam, und erstattete Anzeige. Über Finger­abdrücke, die Ahmet P. reichlich in dem Laden hinterlassen hatte, wurde er schließlich als Täter ermittelt. Die Frauen, deren Personalien er benutzt hat, entsprangen seiner Fantasie. „Keine der angeblichen Personen konnte identifiziert werden“, erzählt ein Kripo-Mann vor Gericht.

Zwei Jahre und neun Monate Freiheitsstrafe lautet am Ende das Urteil gegen den 46-jährigen Ahmet P. Von einem „üblichen Verhaltensmuster“ und einem „bewährten Betrugsmodell“ spricht der Kammervorsitzende in der Begründung der Entscheidung. „Im Laufe seiner kriminellen Karriere war der Angeklagte mit den Vorgängen beim Abschluss von Handverträgen vertraut. Dies nutzte er für seine Taten aus.“ Und die Rückfallgeschwindigkeit nach seiner vorherigen Haftentlassung sei „erheblich“. Doch auch die Verkäufer hätten extrem leichtfertig gehandelt und Vorschriften missachtet. „Sie drückten lieber beide Augen zu und kassierten ihre Provisionen.“