Medizin

Der Ärzte-Bibliothek in Hamburg droht das Aus

Mehr als 1100 Menschen haben eine Online-Petition für den Erhalt einer der größten medizinischen Bibliotheken Europas unterzeichnet.

Hamburg.  Sie ist mit fast 130.000 Büchern, CDs und DVDs und 240 Zeitschriften im Abo eine der größten medizinischen Bibliotheken Europas. Noch vor einem halben Jahr wurde ihr 200-jähriges Bestehen gefeiert. Doch jetzt droht der Bibliothek des Ärztlichen Vereins das Aus. Der Vorstand der Ärztekammer will zum 31. Dezember 2017 tiefgreifende Veränderungen vornehmen, auch die Schließung der Einrichtung in der Staats- und Universitätsbi­bliothek (Stabi) ist nicht ausgeschlossen.

Der Hintergrund für diese Pläne ist, dass sich die Nutzung durch die Möglichkeiten des Internets stark verändert hat. „Die Nutzer leihen immer weniger Bücher aus. Stattdessen werden für die wissenschaftliche Recherche immer häufiger Online-Journals genutzt. Doch diese auf Dauer vorzuhalten, ist sehr teuer“, sagt Sandra Wilsdorf, Sprecherin der Hamburger Ärztekammer.

Dafür, wie es mit der Bibliothek weitergehen soll, hat der Vorstand verschiedene Optionen diskutiert, darunter die sofortige Auflösung der Bi­bliothek, einen massiv reduzierten Betrieb, umfangreiche Investitionen und Erhöhung der laufenden Kosten, um die Bibliothek langfristig zukunftsfähig zu machen oder aber eine Kooperation mit der Staats- und Universitätsbibliothek. Diese Variante bevorzugt der Vorstand.

Petition für Erhalt der Bibliothek

Sie sieht eine Eingliederung der Bestände vor. Der historische Bestand der Bibliothek soll von der Stabi übernommen und damit als „Historische Bibliothek des Ärztlichen Vereins“ erhalten werden. Die anderen Bücher werden auf die Stabi und die Ärztliche Zentralbi­bliothek auf dem Gelände des Uniklinikums Eppendorf verteilt. Unklar ist auch noch, was aus den sechs Mitarbeitern und dem Auszubildenden in der Bibliothek wird. „Es gibt zurzeit Gespräche mit jedem einzelnen und dem Personalrat, um für alle eine Lösung zu finden“, sagt Sandra Wilsdorf. Über die Zukunft der Bibliothek wird voraussichtlich im September die Delegiertenversammlung der Ärztekammer entscheiden.

Für den Erhalt der Einrichtung hat der Vorsitzende des Fördervereins der Bibliothek, Prof. Manfred Dallek, eine Petition ins Internet gestellt. „Mit Schließung der Bibliothek würde der Stadt ein wichtiges Kulturerbe verloren gehen“, sagt der ehemalige Unfallchirurg. Bisher haben mehr als 1100 Personen die Erklärung unterzeichnet.

Einer von ihnen ist Prof. Thomas Kreusch, Chefarzt der Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie in der Asklepios Klinik Nord-Heidberg. Für ihn ist der historische Bestand wichtig: „Es ist eine tolle Sammlung von alten Büchern, in denen man vieles nachlesen kann, was mittlerweile schon wieder in Vergessenheit geraten ist und dann heute scheinbar neu erfunden wird“, sagt Kreusch. Er appelliert, „die Ärztliche Bibliothek der Ärztekammer zu erhalten und mit uns Ärzten in Kontakt zu treten, damit alternative Finanzierungsquellen erschlossen oder Rationalisierungsmaßnahmen besprochen werden können.“