Mordversuch

Prozess gegen Bulli-Fahrer: „Ich dachte, der fährt ihn tot“

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Der Angeklagte Thomas B. zum Prozessauftakt Mitte Juni (Archivbild). Der 51 Jährige muss sich wegen Mordversuchs an einem Radfahrer vor Gericht verantworten. Er bestreitet die Tat

Der Angeklagte Thomas B. zum Prozessauftakt Mitte Juni (Archivbild). Der 51 Jährige muss sich wegen Mordversuchs an einem Radfahrer vor Gericht verantworten. Er bestreitet die Tat

Foto: Michael Arning

Ein 51-Jähriger muss sich wegen versuchten Mordes an einem Radfahrer vor Gericht verantworten. Nun schilderte ein Zeuge den Vorfall.

Hamburg.  Noch während der Zeugenaussage muss Nebenkläger Ouassin A. erst mal raus aus dem Gerichtssaal: Kraft tanken, durchatmen. Ein 51 Jahre alter Bulli-Fahrer hatte ihn überfahren – mutmaßlich mit voller Absicht. Er leidet bis heute unter den Folgen der Tat.

Thomas B. ist der Mann, der ihn am 29. September 2015 überfahren hatte, die Staatsanwaltschaft hat ihn wegen versuchten Mordes angeklagt. Aus Verärgerung darüber, dass Ouassin A. sein Fahrrad durch eine Lücke zwischen seinem Bus und einem davor haltenden Taxi schieben wollte, soll er den 34-Jährigen zunächst angefahren und gegen das Taxi gedrückt haben.

Vollgas im Rückwärtsgang

Als Ouassin A. dann hinter seinem Bus stand, gab er rückwärts Vollgas, überfuhr den 34-Jährigen, schleifte ihn 30 Meter weit mit, bremste abrupt, überfuhr ihn vorwärts ein zweites Mal. Schwerverletzt überlebte Ouassin A. den mutmaßlichen Mordanschlag auf vier Rädern. Nach seinen Angaben hatte ihn der Bus komplett unter sich begraben.

Mario S. stand an jenem frühen Sonnabendmorgen mit seinem Taxi auf der Linksabbiegerspur am Strafjustizgebäude. Als es rummste, seien er und sein Fahrgast ausgestiegen. „Ich hörte ein Wortgefecht an der Fahrerseite, dann ging der Geschädigte mit seinem Rad hinter den Bus“, sagt der Zeuge. „Plötzlich hat er den Rückwärtsgang eingelegt, ist mit Vollgas und laut aufheulendem Motor losgerast.“

„Das Rad schleifte über den Asphalt, Funken sprühten“

Er vermutet, dass das Fahrrad A.’s Leben rettete, weil es sich unter dem 1,7 Tonnen schweren Bus verkeilte hatte und ihn „wie ein Schneeschieber vor sich herschob“, sagt Mario S. „Ich dachte nur: Der bringt ihn um, der fährt ihn tot. Das Rad schleifte über den Asphalt, Funken sprühten, es gab einen Höllenlärm.“ Er habe den 34-Jährigen nach der Tat in „Embryonalstellung“ auf der Straße liegen sehen, während Thomas B. mit dem Bus in Richtung Feldstraße geflüchtet sei. Der 51-Jährige wurde allerdings wenig später festgenommen – Mario S. hatte sich sein Kennzeichen gemerkt.

Der Angeklagte indes bestreitet, den Radler vorsätzlich überfahren zu haben, will Ouassin A. aber 5000 Euro Schmerzensgeld zahlen. Er habe sich wegen des Streits nach dem ersten Zusammenstoß von Ouassin A. und dessen Begleiter bedrängt gefühlt und sei in Panik davongefahren. Der Zeuge nahm die Situation indes ganz anders wahr: „Aus meiner Sicht war es ein Mordversuch“. Der Prozess wird fortgesetzt.

( dah )

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